Bundesweit ist der Bestand an Streuobstwiesen durch die Intensivierung der Landwirtschaft (z. B. gefördert durch EG-Rodungsprämien in den 70er Jahren) erheblich dezimiert worden. Der Apfel wurde zum Industrieprodukt, angebaut in Buschobst-Plantagen. Und durch die EU-Marktbereinigung kam es zum Aus für die Sortenvielfalt. Außerdem wurden die traditionellen Obstbaumgürtel aufgrund der Siedlungsentwicklung (Bauerwartungsland) vielerorts beseitigt.
Seit 1980 wurden die heimischen Streuobst-Wiesen von fast niemandem mehr wertgeschätzt. Immer mehr Neubaugebiete entstanden, immer mehr Streuobstwiesen-Gürtel rund um die Dörfer verschwanden. Abholzprämien der EU, intensivere landwirtschaftliche Nutzungsformen und auch die mangelnde Wertschätzung der Verbraucher für heimisches Obst führten zum Niedergang der Streuobst-Bestände. Mittlerweile sind die Streuobstwiesen in der "Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen" (2006) als "gefährdet" (= Kategoriestufe 2) eingestuft.
Naturschützer wollen Streuobstwiesen retten
Seit vielen Jahren setzen sich nun schon Naturschutzverbände und Pomologen (Experten für Obstsorten) für die Erhaltung und die Neubegründung von Streuobstwiesen und der alten Obstsorten ein. Inzwischen stoßen sie auch auf eine große Resonanz in der Bevölkerung. Denn die Verbraucher besinnen sich auf Produkte aus ihrer Region zurück – was auch die zahlreichen Skandale in der Lebensmittelindustrie bewirkt haben.
Außerdem kann sich wohl niemand, der mit offenen Augen eine Streuobstwiese betrachtet oder gar ein größeres Streuobstgebiet während der Blütezeit durchwandert, dem ästehetischen Reiz dieses Lebensraums entziehen. Obstbäume, ob blühend oder fruchtend, sind zu jeder Jahreszeit eine Augenweide und tragen erheblich zur Gliederung und Attraktivität und damit zur Erholungseignung der Landschaft bei.
Die stetig wachsende Nachfrage nach frisch gepresstem Apfelsaft und anderen Obstprodukten, die regional und nach ökologischen Kriterien erzeugt werden, lässt auf eine Kehrtwende in der Gesellschaft hinweisen und bedeutet auch, dass sich die Menschen wieder stärker mit ihrer Region und deren typischen Produkten identifizieren.
Der Autor Eduard Lucas hob den Wert der Streuobstwiesen bereits 1870 im Standardwerk „Anleitung zur Obstkultur“ hervor: „Jeder schließt, wenn er ein Haus oder Gehöft von einem gut erhaltenen schönen Obstgarten umgeben sieht, günstig auf das Gemüt des Besitzers; wie auch ein Dorf zwischen Obstbäumen gelegen gegen ein solches ohne diesen nutzbringenden Schmuck einen weit vorteilhafteren Anblick bietet.“