Der Herbst geht seinem Ende zu, die Blätter sind von den Bäumen gefallen und dekorieren nun den Boden. Das bietet eine gute Gelegenheit, sich Eichenblätter einmal näher anzusehen. Auf vielen von ihnen wird man auf der Blattunterseite Gebilde erkennen, die wie kleine Äpfel aussehen – sogenannte Galläpfel. Hervorgerufen werden die kleinen rötlichen Kugeln durch die Eichengallwespe, lateinisch Cynips quercusfolii. Nach der sommerlichen Paarung stechen die Weibchen ihren Legebohrer in die Unterseite eines Eichenblattes und schieben ein befruchtetes Ei in das Blattgewebe. Das Ei und die daraus geschlüpfte Larve geben Stoffe ab, die die kugelförmige Wucherung des Blattes auslösen. Diese ist zunächst grün, dann gelb und später rötlich und etwa zwe
Jungfrauengeburt im Winter
Die Larvenkammer der Eichengallwespe ist im Inneren gut vor Feinden und Wetter geschützt. Die innere Wand der Kammer ist gleichzeitig der Vorrat der wachsenden Larve, denn sie ist mit Eiweiß und Öltropfen angereichert. Während ihres Wachstums durchläuft die Larve mehrere Häutungen. Die alte Haut frisst sie jeweils auf. Im Herbst verpuppt sich die Larve der Eichengallwespe, um im Dezember oder Januar zu schlüpfen. Mit ihren kräftigen Kauwerkzeugen arbeitet sie sich schließlich in zwei Tagen bis zur Außenhülle durch. Dabei schlüpfen ausschließlich weibliche Tiere. Die Weibchen haben nur wenige Wochen Lebenszeit und nur eine einzige Aufgabe vor sich – die Eiablage. Dies geschieht ohne zeitaufwendige Suche nach einem Partner. Nur gelegentlich nehmen sie Wassertropfen zu sich. Schließlich bilden die Weibchen der Eichengallwespe unbefruchtete Eier und legen sie auf den Knospen von Eichenblättern ab. Bei dieser Jungfernzeugung, auch Parthenogenese genannt, entwickeln sich aus den unbefruchteten Eiern geschlechtsreife Männchen und Weibchen – eine hervorragende Strategie für eine schnelle Vermehrung.