Wildschweine im Rausch der Liebe

Wildschwein. Foto: Tempelmeister / pixelio.de

Schwarzkittel, Überläufer, Frischling, Bache, Rotte und Keiler: Jäger können auf einen großen Wortschatz zurückgreifen, wenn es um die Stammform unseres Hausschweins geht. Die Wildsau, der kulinarische Höhepunkt der Festgelage von Asterix und Obelix, ist erkennbar an seinem grauschwarzen Borstenfell und seinen Hauern, den säbelförmig nach unten gebogenen Eckzähnen, die beim Männchen bis zu 30 Zentimeter lang werden können. Ein männliches Tier, welches man auch als Keiler bezeichnet, kann bis zu 200 Kilogramm schwer werden. Beim Essen ist die Sau nicht wählerisch und verzehrt Wurzeln, Eicheln, Schnecken, Würmer und auch Mäuse. In den Tropen knacken die Tiere sogar Kokosnüsse. Während die Keiler als Einzelgänger unterwegs sind, leben Weibchen, Bachen genannt, und Jungtiere in Gruppen. Das erfahrenste Weibchen leitet die Rotte von Tieren, da es die ergiebigsten Nahrungsplätze, sichersten Lagerstätten und Wasserquellen kennt.

Paarungszeit um die Jahreswende

Bache. Richy / pixelio.de

Tägliche Lebensabläufe aber auch die Zeit der Paarung werden von der Leitbache bestimmt. Von November bis Februar kann es soweit sein- die Matriarchin reibt einen erregenden Mix aus Sexualduftstoffen an umliegende Bäume. Dies ist das Signal an die Keiler, dass die Rotte in Paarungsstimmung ist. Nun kommt es zum Kampf um die Weibchen. Jüngere Konkurrenten werden durch Drohgebärden verjagt oder mit einem Schulterstemmen besiegt. Bei stärkeren Rivalen kommt es zu einer Keilerei. Die Hinterbeine scharren, der Borstenkamm ist aufgestellt, Urin wird verspritzt, die Kiefer werden gewetzt oder aufeinander geschlagen und das Maul schäumt. Hilft dieses Imponiergehabe nicht zum Sieg so wird der Kampf hand bzw. hauergreiflich. Die Unterkiefereckzähne werden in Hieben gegen Bauch und Seite des Widersachers geschlagen und fügen blutige Wunden zu. Der Kampf ist entschieden, wenn eines der Männchen die Flucht ergreift. Für den Gewinner ist die Anstrengung noch nicht vorbei- nun muss die Wildschweindame zur Paarung gewonnen werden. Mit seinem Rüssel boxt er den Rücken der Dame, die Flanken werden durch leichte Hiebe massiert und das alles mit  mit rhythmischem Grunzen, um den Duldungsreflex auszulösen. Die Bache steht still und er "reitet auf". Dies wiederholt sich mit allen paarungsbereiten Bachen.

Wachsende Wildschweinbestände in Deutschland

Die Wildschweinpopulation ist in den letzten Jahren stark gestiegen und so sind die anpassungsfähigen Tiere auch schon bei und in Städten zu sichten. Maisfelder, Gärten und Mülltonnen locken die Tiere, so dass 2003 sogar zwei Wildschweine auf dem Alexanderplatz auftauchten. Laut Angaben leben im unmittelbaren Stadtgebiet Berlins ungefähr 4000 Tiere.

Beobachtungstipp

Keiler. Foto: Richy / pixelio.de

Wildschweine leben in Laub- und Mischwäldern und sind zur Nahrungsaufnahme oft auf Feldern zu sehen. Ein Hinweis im Wald auf Wildschweine sind weißgraue Baumrinden. Da die Tiere mit ihrem kurzen Hals sich nur schwer von Schadinsekten befreien können, suhlen sie sich gerne im Schlamm und scheuern sich danach an großen Bäumen mit grober Rinde. An beliebten Malbäumen ist die Rinde dann oft schon teilweise abgetragen. Bevorzugte Bäume zum Reiben sind Eichen, Kiefern und Fichten.

Alle Tipps zur Naturbeobachtung stammen von K. Schmiing (Diplombiologin).



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