BUNDmagazin 2 / 2017

Redaktion:
Dr. Tonja Mannstedt (tm), BUND Niedersachsen e.V.
Weitere Autoren dieser Ausgabe: Phillip Holl (ph), Vera Konermann (vk), Eleonore Lemke (el), Laura Pagel (lp), Bernd Quellmalz (bq), Christiane Wellmann (cw), Dr. Marita Wudtke (mw)

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Editorial - Zuviel des Guten...

Tilman Uhlenhaut. Foto: BUND
Tilman Uhlenhaut. Foto: BUND

Der Nährstoffüberschuss ist eines der Hauptumweltprobleme der industriellen Landwirtschaft und belastet Grundwasser, Flüsse, Seen, Meere, Luft und Boden stark. Aktuelle Nährstoffberichte zeigen die Brisanz im Agrarland Nummer eins: Niedersachsen. Zusätzlich verschärft die hohe Tierkonzentration im Massentierhaltungsgürtel der Weser-Ems-Region die Umweltsituation.

Die Landesregierung hat das Problem erkannt und erste Schritte über das Landwirtschaftsministerium eingeleitet. Auch Vorgaben wie 5 Meter breite Gewässerrandstreifen an Gewässern dritter Ordnung, wie sie im Entwurf zum Niedersächsischen Wassergesetz bisher vorgesehen sind, leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Gewässer. Allerdings sind bereits mehr als die Hälfte der Grundwasserkörper in Niedersachsen in schlechter Qualität: Nicht nur alle großen Flüsse überschreiten die Zielwerte für den Gesamtstickstoff, laut jüngstem Nährstoffbericht fallen hierzulande 70.000 (!) Tonnen Stickstoffüberschreitungen an. Und von der Agrarlobby gibt es obendrein noch erhebliche Widerstände gegen die Gewässerrandstreifen.

Um die Umwelt effektiv vor Nitrat- und Phosphatüberschüssen zu schützen, braucht es in erster Linie strenge, bundesgesetzliche Regeln, die in den Ländern verbindlich umgesetzt werden. Europäische Gesetze wie die Wasserrahmen- und die damit verbundene Nitratrichtlinie verlangen von den EU-Staaten die Einhaltung des guten Zustandes der Gewässer. Weil der „Umweltmusterknabe“ Deutschland diese bei weitem verfehlt, musste die EU-Kommission im vergangenen Jahr zu Recht ein Vertragsverletzungsverfahren vor dem Europäischen Gerichtshof gegen Deutschland einleiten.

Um diese Klage abzuwehren, wurden nun – nach jahrelang verschleppter Diskussion – ein Düngegesetz und eine Düngeverordnung auf Bundesebene verabschiedet. Gleicht man diese mit der Klagebegründung ab, ist zu bezweifeln, ob die neuen Regelungen der EU-Kommission weit genug gehen. Gefordert ist jetzt der BUND mit seinen Mitgliedern und Agrarbündnispartnern: Wir müssen die Umsetzung des Ordnungsrechts von der jetzigen und den folgenden Landesregierungen einfordern! Doch Ordnungsrecht allein wird nicht reichen. Wir müssen eine Transformation der zum großen Teil industriell ausgerichteten Landwirtschaft hin zu einer umweltverträglichen, sozialen und tiergerechten Erzeugung von Lebensmitteln mitgestalten.

Ihr
T
ilman Uhlenhaut, Stellvertretender Landesgeschäftsführer

Unberührte Wälder für die Wildkatze - Auf sicheren Wegen

Wildkatze. Foto: A. Steckler / BUND

Die feinen Schnurrbarthaare vibrieren kurz. Lautlos setzt sie zum Sprung an. Dann hält sie die Beute mit ihren kleinen Krallen fest und trägt sie kurz darauf mit flinken Schritten in ihren Bau, wo ihre Jungen auf das Frühstück warten. Wildkatzen ernähren sich fast ausschließlich von Mäusen, bevorzugt von Wühlmäusen. Diese finden sie zuhauf auf den dünn besiedelten Hängen des Sollings, auf denen gemächlich Heckrinder und Exmoor-Ponys grasen. Intakte Wälder im Wechsel mit halboffenen, extensiv bewirtschafteten Landschaften sind ein Paradies für die scheue Mäusejägerin. Sie bieten ihr ausreichend Nahrung und Schutz.

Durch die intensive Jagd im 19. Jahrhundert galt die Wildkatze in Niedersachsen als nahezu ausgerottet. Nun besiedelt sie das Land von Süden her wieder. Ihr bei diesem Comeback zu helfen, ist dem BUND ein wichtiges Anliegen. Mit den bundesweiten Schutzprojekten „Wildkatzensprung“ und „Rettungsnetz Wildkatze“ unterstützt der Naturschutzverband den Bestand der Mäusejägerin. Meter um Meter geschützter Waldgebiete und angelegter Wildkatzenkorridore verbessert sich die Aussicht, diese Art in Deutschland dauerhaft zu etablieren.

In Süd-Niedersachsen ist die Wildkatze seit vielen Jahren wieder heimisch. Die nördlichsten Nachweise stammen vom Steinhuder Meer und dem südlichen Drömling. Ob es sich wirklich um eine Wildkatze oder doch nur grau getigerte Hauskatzen handelt, ist auf den ersten Blick nicht leicht zu sagen. Sicherheit gibt erst der genetische Nachweis.

Nach wiederholten Sichtungen in der Lüneburger Heide hat der BUND im vergangenen Winter auch dieses Gebiet genauer unter die Lupe genommen - zusammen mit der Landesnaturschutzbehörde und der Niedersächsischen Landesforst. 300 Lockstöcke wurden nach einem standardisierten Raster in der Lüneburger Heide und den Landkreisen Nienburg und Gifhorn in den Wäldern aufgestellt. Über 70 Naturschützer, Förster und Jäger suchten sie von Januar bis März wöchentlich nach Haaren ab. Die  Haarproben werden derzeit in einem Labor analysiert. „Im nächsten Jahr wird die Untersuchung wiederholt, dann können wir sichere Aussagen über die aktuelle Verbreitung der Wildkatze in Niedersachsen machen“, erläutert Andrea Krug, Wildkatzenexpertin im BUND Niedersachsen.

Wildkatzen-Steckbrief

Spannend bleibt die Frage, woher die Tiere kommen. Niedersachsen mit seinen intensiv bewirtschafteten und stark zerschnittenen Landschaften bietet der Wildkatze kaum Möglichkeiten, sich frei zu bewegen. Dabei sind gerade diese Wanderungen überlebenswichtig. „Die Isolierung der Wildkatzen-Populationen und der fehlende genetische Austausch untereinander stellen eine der größten Gefahren dar“, betont Krug. So sind beispielsweise die Harz- und die Sollingkatzen sowohl räumlich als auch genetisch weitgehend voneinander isoliert. Auch fehlen sichere Verbindungen zu Trittsteinwäldern wie Elm oder Lappwald im Braunschweiger Land. „Gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir potenzielle Lebensräume der Wildkatze miteinander verbinden und eine regelmäßige Vermischung einzelner Gruppen sicherstellen.“

Um diese Biotopvernetzung ist der BUND intensiv bemüht. Entlang eines bundesweiten Wegeplans, der sich wie ein Spinnennetz über ganz Deutschland erstreckt, werden auch in Niedersachsen weitere Flächen gekauft oder gepachtet und mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt, um den Wildkatzen sichere Wanderrouten zu bieten und bestehende Waldgebiete miteinander zu vernetzen. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die unterschiedlichen Interessen von Landwirtschaft, Behörden, Jagd, Forst und Naturschutz zusammenzuführen. Von diesem länderübergreifenden Verbund profitieren natürlich nicht nur die gestreiften Samtpfoten. Haselmaus, Rothirsch, Hirschkäfer, Birkhuhn und Laubfrosch – sie alle sind im Wildkatzenland zuhause. Der Einsatz lohnt sich also doppelt und dreifach. (tm)

Lob und Kritik an neuem Landes-Raumordnungsprogramm - Moorschutz verfehlt

Moor. Foto: Ruth Paschka / indabas

Seit Februar 2017 ist die Novelle des Landes-Raumordnungsprogramms (LROP) in Kraft. Zahlreiche Änderungen wurden vorgenommen, der BUND hat sich vielfach eingebracht. Bedeutsame Aspekte, die Natur und Landschaft zugutegekommen wären, wurden jedoch aus dem Erstentwurf gestrichen. Nicht durchgesetzt hat sich beispielsweise der Vorschlag, die Regionalplanung bei Siedlungsentwicklungskonzepten einzubinden. Dadurch sollten Entscheidungen nicht ausschließlich über
die Kommunen laufen, was oft unabgestimmt erfolgt. Auch hat sich die Landesregierung nicht zu einer Entwicklung von Wohn- und Arbeitsstätten bei liniengebundenem ÖPNV durchgerungen. Neue Siedlungen hätten künftig nur dort entstehen dürfen, wo es eine Anbindung an Bus oder Bahn gibt - eine wichtige Maßnahme gegen Zersiedlung.

Im aktuellen LROP verblieb die Neuaufnahme von Ausbau und Optimierung der Oberweser als Wasserstraße. Dies widerspricht deren geplanter Entwicklung als „Blaues Band“. Unverständlich ist auch, dass angesichts des Klimawandels weiterhin ein Neubau von Kohlekraftwerken, wie in Stade geplant, möglich ist.

Am dramatischsten ist jedoch der verfehlte Moor- und Klimaschutz. Während der erste LROP-Entwurf 2014 noch die Moorentwicklung festschrieb und den Torfabbau deutlich zurückfuhr, wurden diese Aspekte komplett gestrichen. Gerade unter Klimaaspekten kritisiert der BUND dies scharf.

Positiv ist die Aufnahme des Biotopverbundes als Vorranggebiet. In den regionalen Raumordnungsprogrammen ist dies nun zeitnah weiter zu konkretisieren. Eine wesentliche Rolle spielt hier beispielsweise der Wildkatzenplan des BUND, der eine Biotopvernetzung vorsieht (siehe Titelgeschichte). Erfreut war der BUND auch, dass der Schleusenneubau am Schiffshebewerk Scharnebeck am Elbeseitenkanal spezifiziert wurde. Damit kann der Ausbaudruck von der Mittelelbe genommen und der Seitenkanal in Zukunft intensiv genutzt werden.

Die Erdverkabelung für Stromleitungen wurde als Planungsalternative zur Freileitung aufgenommen, wenn es einen Konflikt mit Siedlungen oder dem Naturschutzrecht gibt. Das wird vom BUND begrüßt, sofern der Bedarf für neue Leitungen belegt ist. (mw)

Grünes Band: Der einmalige Biotopverbund quer durch Deutschland - Vom Todesstreifen zur Lebenslinie

Im Bann des Grünen Bandes: Aus der Luft gesehen ist die Elbe besonders beeindruckend. Foto: RANA
Im Bann des Grünen Bandes: Aus der Luft gesehen ist die Elbe besonders beeindruckend. Foto: RANA

Die Teilung Deutschlands in Ost und West hielt mehr als 40 Jahre an. In der für Menschen lebensgefährlichen Todeszone konnte die Natur jedoch durchatmen und sich relativ ungestört ausbreiten. Der Grenzstreifen wurde somit zum Rückzugsort für mehr als 1.200 seltene und bedrohte Pflanzen und Tiere. Der BUND hat hier seit dem Mauerfall eines der größten und bedeutendsten Naturschutzprojekte geschaffen: Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze verläuft das Grüne Band auf fast 1.400 Kilometern entlang der Ländergrenzen von neun Bundesländern – von Priwall an der Ostsee bis zum Dreiländereck bei Hof. Ein bedeutender Teil davon liegt in Niedersachsen, rund 564 Kilometer.

Unmittelbar nach der Grenzöffnung setzten sich engagierte Naturschützer aus Ost und West für die Sicherung des Grünen Bandes als ökologisches Rückgrat Mitteleuropas ein. In der Praxis von Politik und Naturschutzalltag erwies sich die einfache Idee teils als schwierig. Seither feilt der BUND geduldig an Strategien, Allianzen und Konzepten für das Grüne Band. Quer durch die unterschiedlichsten Naturräume und Wildnisgebiete entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs entsteht ein weltweit einzigartiger Biotopverbund. Zugleich eröffnen sich für viele ehemals grenznahe Regionen neue Perspektiven für einen ökologisch nachhaltigen Tourismus. (ph)

Neues BUND-Projekt an der Ems: Zukunftsperspektive Tideems

Versteint, verarmt, trostlos: Von einem lebendigen Fluss ist die Ems noch weit entfernt. Foto: Jochen Mölder
Versteint, verarmt, trostlos: Von einem lebendigen Fluss ist die Ems noch weit entfernt. Foto: Jochen Mölder

Im April 2017 hat das Projekt „Zukunftsperspektive Tideems“ begonnen, ein Gemeinschaftsprojekt von BUND, Nabu und WWF, mit dem Ziel, den ökologischen Zustand der Unterems zu verbessern. Dieser Flussabschnitt wird stark von den Gezeiten der Nordsee beeinflusst, daher rührt der Name „Tideems“. Seit März 2015 liegt für diesen stark degradierten und biologisch verarmten Unterlauf der Ems mit dem „Masterplan Ems 2050“ ein staatlich beschlossenes Konzept zur Gewässersanierung vor. „Eine erfolgreiche Umsetzung des Plans kann aber nur gelingen, wenn die Menschen in der Region die mit den Natur- und Gewässerschutzmaßnahmen einhergehenden Veränderungsprozesse in der Landschaft und den Nutzungswandel von Flächen mittragen“, hebt BUND-Projektleiterin Vera Konermann hervor. Im Projekt werden daher modellhaft Maßnahmen zur Information und Beteiligung betroffener Menschen in der Region zum Einsatz kommen, um die Akzeptanz für Gewässer- und Naturschutzmaßnahmen zu fördern.

„Im Projekt möchten wir Menschen davon überzeugen, dass Naturschutzmaßnahmen mit Vorteilen für die Gesellschaft einhergehen. Wichtig ist uns dabei, dass wissenschaftliches Wissen zu Ökosystemleistungen nicht nur transportiert, sondern erlebbar wird“, so Konermann. Durch den Einsatz neuer Medien und Techniken werden innovative Wege im Bereich der Partizipation und Umweltbildung gegangen, z.B. durch die Entwicklung einer Audiotour: Mit dem Scan eines QR-Codes an Infopunkten können Audiodateien mit dem Smartphone abgerufen und eine Hör-Tour durch die Natur an der Ems unternommen werden. Durch die Zusammenarbeit mit Schulen sollen auch junge Menschen durch entsprechende Bildungsangebote in die Diskussion um die Sanierung der Ems eingebunden werden. Gefördert wird das Projekt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der BINGO Umweltstiftung Niedersachsen. (vk)

Naturschutzstrategie und Klimaschutzgesetz gehen nicht weit genug: Bisher nur leere Hüllen

Die Verbandsbeteiligung auf Landesebene zu den vier Entwürfen Naturschutz- und Klimagesetz sowie Naturschutz- und Nachhaltigkeitsstrategie begann Ende 2016. Bei der Novellierung des niedersächsischen Naturschutzgesetzes hat sich der BUND dafür eingesetzt, die gute landwirtschaftliche Praxis mit Regelungen zum Grünlanderhalt zu konkretisieren, gesetzlich geschützte Biotope und den Wallheckenschutz zu ergänzen sowie die Verbandsbeteiligung zur Stärkung des Ehrenamtes im Naturschutz und öffentlich zugängliche Kompensationsverzeichnisse zu erweitern. Besonders wichtig wird die bisher noch fehlende Ausgestaltung des neuen Klimaschutzgesetzes mit dem Integrierten Energie- und Klimaschutzprogramm. Der Zeitplan ist jedoch auch hier angesichts der Landtagswahl im Januar 2018 viel zu knapp bemessen.

Natürlich begrüßt der BUND eine Naturschutzstrategie, die die Vielfalt der Biodiversität erhalten und Artensterben begrenzen soll. Nur fehlt die Basis - ein Landschaftsprogramm, das den Ist-Zustand von Natur und Landschaft konkret beschreibt. Lediglich angekündigt wurde bisher ein Fachkonzept Naturschutz als wichtiger Baustein. Damit läuft die Naturschutzstrategie noch ins Leere. Der Entwurf der Nachhaltigkeitsstrategie bedarf zudem einer direkten Verzahnung der sieben Handlungsfelder für die natürlichen Lebensgrundlagen, wie nachhaltige Landwirtschaft oder Energieversorgung, mit den aufgeführten Indikatoren wie Naturschutzflächen oder Treibhausgasemissionen, um tatsächlich nachhaltig zu schützen.

Unser Fazit: Die Naturschutz- und Nachhaltigkeitsstrategie haben in dieser Form keine Verbindlichkeit. Gleiches gilt für das Klimaschutzgesetz, in dem Moore als Kohlenstoffspeicher sogar komplett vergessen wurden! Das Land wird seiner Vorbildfunktion nicht gerecht, auch dieser Gesetzentwurf ist bisher nur eine leere Hülle. Dabei wären konkrete Klimaschutzmaßnahmen doch das dringendste Thema überhaupt! (mw)

Seit 28 Jahren für den BUND unterwegs: Sigrid Ahlert - Der Umwelt zuliebe

Erdkröten. Foto: Klaus Mayhack
Erdkröten. Foto: Klaus Mayhack

Zwei hellgrüne Augen blicken sie an – aus einem knotigen Gesicht mit Warzen. Sigrid Ahlert greift beherzt in den Eimer und entlässt die Erdkröte in die Freiheit. Mehr als 1.000 Tiere pro Jahr rettet die Landschaftspflegerin zusammen mit Helfern aus der Region in und um Walsrode vor dem Straßentod. Sie sammeln Erdkröten, Frösche und Lurche an den Amphibienschutzzäunen ein und tragen sie zu ihren Laichgewässern jenseits der Straße. Ein zeitaufwändiger Job, denn die Fangeimer müssen zweimal pro Tag geleert werden. „Wenn wir mehr tatkräftige Helfer hätten, könnten wir noch mehr Zäune aufstellen“, sagt Sigrid Ahlert. Diese zu finden, ist nicht immer leicht.

Dennoch stellt die BUND-Ortsgruppe Walsrode vieles auf die Beine. Neben den Amphibien setzen sich die Naturschützer vor allem für eine ökologische Landwirtschaft und den Schutz der verbliebenen Naturräume ein. Davon gibt es im Heidekreis, zu dem Walsrode gehört, zuhauf. Leider auch viele gegenläufige Interessen. Das bekam Sigrid Ahlert jüngst wieder beim Ringen um die Schutzgebietsausweisung im Allertal zu spüren. Durch Vorgaben zum Heckenschutz und der Bewirtschaftung von Grünland fühlt sich die konventionelle Landwirtschaft ausgebremst. Zudem ist das Gebiet reich an Wasser: Zahlreiche Kolke, Altarme und Tümpel machen es nicht nur zu einem begehrten Rückzugsraum für seltene Vogelarten wie Blaukehlchen und Drosselrohrsänger, es ist auch bei Anglern beliebt. Sigrid Ahlert nimmt es sportlich: „Um Naturschutzziele im Allertal zu erreichen, braucht man viel Durchhaltevermögen – doch es lohnt sich, wird hier dank der Umsetzung der Vogelschutz-Richtlinie NATURA2000 bald ein neues zusammenhängendes Naturschutzgebiet entstehen.“

Sigrid Ahlert (Mitte) präsentiert stolz mit zahlreichen Helfern das Ergebnis der Amphibienzählung. Zum Dank gab es leckeren Bio-Apfelsaft für alle Helfer. Foto: S. Heitmann
Sigrid Ahlert (Mitte) präsentiert stolz mit zahlreichen Helfern das Ergebnis der Amphibienzählung. Zum Dank gab es leckeren Bio-Apfelsaft für alle Helfer. Foto: S. Heitmann

Dass die Natur im Allertal in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter zurückgedrängt wurde und ihr Mahnen bei den Verantwortlichen häufig wenig Gehör gefunden hat, schmerzt Sigrid Ahlert schon ein bisschen. Doch als ehemalige AKW-Gegnerin gibt sie nicht auf und setzt sich zusammen mit ihren BUND-Kollegen dafür ein, dass Wegraine und Hecken erhalten und nicht jeder Hektar Grünland zum Maisanbau umgebrochen wird. Dafür hat sie verschiedene EU-geförderte LEADER-Projekte im Landkreis initiiert wie Baumpflanzungen und Bürgerwindräder. Jüngst feilt sie an einem Streuobstwiesen-Projekt, das sie zusammen mit der Naturschutzstiftung Heidekreis realisieren möchte. Seit 2013 gibt es in Walsrode eine eigene Arbeitsgruppe, die Streuobstwiesen pflegt und Menschen in der Umgebung mittels Apfelfesten, Führungen und Obstbaumschnittkursen für den Schutz dieser Naturoasen gewinnen möchte. „Gerade Kinder lassen sich leicht für Obstwiesen begeistern“, weiß Sigrid Ahlert. Mit Schulkindern der Montessori-Schule pflanzt sie daher Bäume und Sträucher, pflegt und erntet mit ihnen die Früchte, um gemeinsam daraus Saft zu pressen.

Seit über 25 Jahren engagiert sich Sigrid Ahlert nunmehr im BUND, hilft bei der Wildkatzenerfassung und im Wildbienenschutz. Nicht immer hatte sie dafür so viel Zeit wie jetzt, seitdem sie in Rente ist. Nach Erfahrungen mit einer eigenen Textilwerkstatt in der Hofgemeinschaft „Neumühlen“, wo sie pflanzengefärbte Wollprodukte hergestellt hat, war sie viele Jahre bei der Stadt Walsrode tätig. Der Beruf forderte die damals junge Mutter so, dass für das Ehrenamt wenig Zeit blieb. Die BUND-Ortsgruppe, die Sigrid Ahlert Anfang der Neunziger Jahre mit Freunden gründete, um sich für eine andere, eine naturverträglichere Form der Landwirtschaft einzusetzen, zerbröckelte irgendwann. Vor 4 Jahren startete die Gruppe neu – mit viel frischem Elan und neuen Akteuren.

Ob der Protest gegen die Verpressung von Lagerstättenwasser, Fracking oder die militärische Nutzung des Truppenübungsplatzes Bergen – Sigrid Ahlert ist in ihrem Leben bereits für viele Missstände auf die Straße gegangen. Heute sucht sie sich bevorzugt solche Themen aus, die ihr Spaß bereiten und kleine Erfolge bringen. „Im Alter bin ich wählerischer geworden“, schmunzelt die 67-jährige. Dem Thema Landwirtschaft ist sie bis heute treu geblieben: Im Herbst erscheint in Kooperation mit dem Weltladen Walsrode eine Broschüre, in der auch Produzenten heimischer Lebensmittel aus der Region porträtiert werden. Regional, bio und fair. Ein gutes Lebensmotto. (tm)

Neues Gartenprojekt in Cuxhaven: Traumgarten torffrei

Die BUND-Kreisgruppe Cuxhaven führt gemeinsam mit dem BUND Niedersachsen ein neues Gartenprojekt „Traumgarten – torffrei“ durch. Ziel des einjährigen Vorhabens ist es, die Vorteile des torffreien Gärtnerns bekannter zu machen und Bürger*innen Mitmachangebote in ihrer Region zu bieten. Auf einem vom BUND gepachteten Grundstück in Hechthausen können Hobbygärtner*innen den Umgang mit der Schwarzerde-Kulturtechnik lernen. Dazu stellt die BUND-Gruppe Cuxhaven drei Hochbeete zur Verfügung, an denen Erfahrungen mit Kompost, Gartenerde und Terra Preta gewonnen und miteinander verglichen werden. Vorträge und Workshops sowie eine betreute Kindergruppe runden das Programm ab. Um bereits junge Menschen für einen umweltfreundlichen Umgang im Garten zu sensibilisieren, bietet der BUND Cuxhaven auch Umweltbildung und Pflanzaktionen für Kindergärten, Grund- und Förderschulen an.

Das Vorhaben ist eingebettet in das mehrjährige Förderprojekt „Terra Preta in Niedersachsen“ des BUND-Landesverbandes, das Terra Preta als eine Form der ressourcenschonenden Gartenbewirtschaftung etablieren möchte – zum Schutz der bedrohten heimischen Moore, denn Moorschutz ist Klimaschutz. Terra Preta fördert die für ein gesundes Pflanzenwachstum wichtigen Bodenlebewesen, speichert Mineralien und Wasser und ermöglicht einen dauerhaften Humusaufbau. Beide Gartenprojekte werden von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung ermöglicht. (el)

Auszeichnung für Terra Preta

Über die Auszeichnung freuen sich Dr. Mona Gharib, Lara Schmidt und Tilman Uhlenhaut
Über die Auszeichnung freuen sich Dr. Mona Gharib, Lara Schmidt und Tilman Uhlenhaut

Das Projekt „Terra Preta in Niedersachsen“ wurde im Februar als „Projekt Nachhaltigkeit“ des deutschen Rates für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. Das BUND-Projekt überzeugte die Jury gleich in drei Kategorien: nachhaltige Städte und Gemeinden, Maßnahmen zum Klimaschutz und hochwertige Bildung.

Mit dem Qualitätssiegel macht der Nachhaltigkeitsrat Initiativen aus der Gesellschaft sichtbar, die einen besonderen Beitrag für die nachhaltige Entwicklung Deutschlands und der Welt leisten. In dem niedersachenweiten Terra Preta-Netzwerk sind BUND-Gruppen, Bildungseinrichtungen und Vereine vertreten. Sie alle bieten vielfältige Aktionen rund um das Thema an. Die Termine finden Sie unter www.bund-niedersachsen.de/terrapreta . (lp)

5 Jahre Fledermauszentrum Hannover - Rettung für 1.000 Fledermäuse

Fledermaus. Foto: Klaus Mayhack

Das BUND Fledermauszentrum Hannover feiert sein 5-jähriges Bestehen. Im März 2012 wurde es vom Umweltdezernenten der Landeshauptstadt Hannover, Hans Mönninghoff, feierlich eröffnet. Seither wurden weit über 1.000 Fledermäuse wieder gesundet ausgewildert. Das ehrenamtlich getragene Zentrum der BUND-Kreisgruppe Region Hannover kümmert sich um vernetzte und verwaiste Fledermäuse. Auf Exkursionen und an Infoständen informieren die Ehrenamtlichen der AG Fledermäuse zudem die Öffentlichkeit über den Schutz dieser gefährdeten Säugetiere.

Wenn Sie sich im Fledermauszentrum Hannover engagieren möchten, finden Sie Informationen unter www.bund-fledermauszentrum-hannover.de. (tm)

Noch Plätze frei in neuer BUND-Kindergruppe: Umwelt-Abenteuer für Kids

Die neue Kindergruppe des BUND Unterweser in Bremerhaven mit Hanna, Pauline, Aube, Konstantin Plump (Gruppenleiter), Filippo und Fabian (v.l.n.r). Foto: Anke Englisch
Die neue Kindergruppe des BUND Unterweser in Bremerhaven mit Hanna, Pauline, Aube, Konstantin Plump (Gruppenleiter), Filippo und Fabian (v.l.n.r). Foto: Anke Englisch

Aufregende Umwelt-Abenteuer in Bremerhaven erleben – das bietet der BUND Unterweser e.V. ab sofort in seiner neuen Kindergruppe an. In der Villa Dohrmann, einem Zentrum für Umweltbildung, Naturerlebnis und Gesundheitsförderung in der Seestadt, trafen sich Ende März die beiden Leiter*innen Anke Englisch und Konstantin Plump das erste Mal mit interessierten Kindern, um sie für die Natur zu begeistern und mit ihnen draußen Tiere und Pflanzen zu entdecken und zu beobachten.

Unter kundiger Anleitung gingen die Kinder auf Expedition in Wald, Wasser und Wiese. Vor allem spielerisch lernten die Kinder dabei Tiere und Pflanzen kennen. Mit Becherlupen und Bestimmungsbüchern entdeckten sie das verborgene Leben im Totholz und im Wasser. Bei den nächsten Treffen warten schon die nächsten Abenteuer: Warum müssen wir unsere Natur schützen? Und was können wir selbst dafür tun? Diesen Fragen werden die Kinder zukünftig nachgehen. Außerdem plant der BUND mit den Kindern Ausflüge zum Erforschen der Natur. Auch in der kalten Jahreszeit gibt es viel zu entdecken.

„Wir wollen mit den Kindern vor allem viel raus in die Natur und ihnen zeigen, wo sich Tiere und Pflanzen beobachten lassen“, sagt die pensionierte Lehrerin Anke Englisch. Der Umweltbiologe Konstantin Plump ergänzt: „Uns geht es darum, dass die Kinder mit Spaß die Natur erkunden, aufregende Sachen in der Wildnis erleben und sich um ihre Umwelt kümmern. Bei unseren Treffen kommen natürlich das Spielen und Basteln nicht zu kurz.“

Wer ebenfalls Lust hat, draußen in der Natur Spaß zu haben, Tiere und Pflanzen hautnah zu erleben und etwas für ihren Schutz zu tun, ist in der neuen BUNDKindergruppe herzlich willkommen. Noch sind Plätze frei. Außerdem sucht der Umweltverband zur Unterstützung jugendliche Helfer*innen und ein bis zwei weitere Gruppenleiter*innen ab 18 Jahren. Wer daran Interesse hat, kann sich gerne an die BUND-Regionalgeschäftsstelle Weser-Elbe wenden: Tel. 0176 / 516 380 85, bernd.quellmalz@nds.bund.net . (bq)

BUND-Kindergruppe Bremerhaven kurz & knapp

  • Leitung: Anke Englisch und Konstantin Plump, BUND Unterweser
  • Alter der Kinder: 8 bis 12 Jahre
  • Nächste Treffen: 19. Mai und 16. Juni, jeweils von 16 bis 18 Uhr (In den Ferien finden keine Treffen statt!)
  • Ort: Villa Dohrmann, Vieländer Weg 166, 27574 Bremerhaven
  • Anmeldung bei: bernd.quellmalz@nds.bund.net  

Die G20 und das Klima

Infoabend der BUNDjugend

Im Juli treffen sich die Regierungschefs der G20 in Hamburg. Was ist die G20, was tut sie und welche Bedeutung hat sie für die globale Klimapolitik? Dr. Heike Löschmann, Referentin für Internationale Politik der Heinrich-Böll-Stiftung, unternimmt eine kritische Betrachtung der G20. Der Infoabend von BUNDjugend Niedersachsen und JANUN Lüneburg e.V. findet am 18. Mai 2017 um 19 Uhr im Freiraum, Salzstr. 1, 21335 Lüneburg statt.
Kommt vorbei! (cw)

Wildnis Niedersachsen

Wildnis ist ungezähmt, unberührt. Wildnis ist die Heimat von Wildtieren und Wildpflanzen. Sie ist eine vom Menschen weitestgehend unbeeinflusste Naturlandschaft und heute sehr selten geworden. Was bedeutet Wildnis für Sie? Gehen Sie raus in die Natur und zeigen Sie uns mit Ihren Bildern, wo Niedersachsen am wildesten und am schönsten ist. Der BUND lädt Sie zu einem Foto-Wettbewerb zum Thema „Wildnis Niedersachsen“ ein. Die außergewöhnlichsten Aufnahmen veröffentlichen wir im nächsten BUNDmagazin, das im November erscheint. Die Gewinner können sich auf spannende Preise wie ein Wochenende im Bio-Hotel Burg Lenzen an der Elbe freuen.
Der Einsendeschluss ist der 30. September. Wir freuen uns auf Ihre Aufnahmen! (tm)

Obstbaumschützer gesucht

Mit einer symbolischen Pfl anzaktion hat der BUND Niedersachsen im März das Streuobstwiesen-Projekt zusammen mit seinen Projektpartnern gestartet. Der Apfelbaum blüht jetzt auf der Streuobstwiese Baars nahe Walsrode. Foto: BUND
Mit einer symbolischen Pfl anzaktion hat der BUND Niedersachsen im März das Streuobstwiesen-Projekt zusammen mit seinen Projektpartnern gestartet. Der Apfelbaum blüht jetzt auf der Streuobstwiese Baars nahe Walsrode. Foto: BUND

Der BUND Niedersachsen möchte im Sommer einen landesweiten Streuobstwiesenverein gründen. Dafür suchen wir noch Mitstreiter in ganz Niedersachsen: Naturschutzverbände,Landwirte, Mostereien, Landschaftspflegeverbände, Imker, Jäger, Pomologen, Stiftungen und Privatpersonen. „Jeder, der sich für Streuobstwiesen interessiert und sich für ihren Schutz engagieren möchte, ist herzlich willkommen“, sagt Sabine Washof, Leiterin des EU-Förderprojektes „Zusammenarbeit zur Erhaltung von Streuobstwiesen in Niedersachsen“, in dessen Rahmen der Verein gegründet und mit Leben gefüllt wird.

Interessierte können sich direkt bei Sabine Washof melden: unter Tel. (0511) 965 69 - 74 oder per E-Mail an streuobstwiesen@nds.bund.net . (tm)

G20-Protest in Hamburg

Anfang Juli treffen die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in Hamburg zum G20-Gipfel zusammen. Die bisherige neoliberale Politik der G20 ignoriert globale Probleme wie Klimawandel und Hungersnöte. Ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis, darunter auch der BUND, ruft daher am 2. Juli zu einer Protestwelle in Hamburg auf: mit Protestmarsch, Bootsdemo, Kundgebungen und vieles mehr. Die Forderungen sind gerechter Welthandel, mehr Klimaschutz und Demokratie. Save the date! (tm)
Mehr Infos unter www.g20-protestwelle.de

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