Pläne, Fakten, Widerstände im Überblick (Stand 01.02.2010)
Der aktuelle Stand
Ähnlich wie in Brunsbüttel sollte es in Stade drei neue Kohlekraftwerke geben: Dow Chemical will im Verbund mit EnBW ein 900-MW-Kohlekraftwerk mit zusätzlicher Gasfeuerung bauen und auch E.on möchte hier mit einem eigenem Kraftwerk schwarze Kohle in klingende Münze verwandeln.
Schon seit Jahren plante der belgische Energiekonzern Electrabel in unmittelbarer Nähe eines Wohngebiets ein Steinkohlekraftwerk, gab dieses Vorhaben jedoch im Januar 2010 auf, da es sich aufgrund von Auflagen als unrentabel herausstellte. Mehr hierzu in unseren Pressemitteilungen.
Konzern GDF Suez (ehemals Electrabel)
- Bundesland: Niedersachsen
- Baubeginn: 2008
- Typ: Steinkohleverbrennung
- Erörterungstermin: 2. bis 5.6.2008
- Investor: GDF Suez
- CO2-Ausstoß: 4.5 Mio. Tonnen pro Jahr
- Investitionssumme: mehr als 1 Mrd. Euro
- geplante Fertigstellung: 2012
- Leistung: 800 MW
11/11/2009:
GDF Suez hält offiziell an den Plänen fest. Die Stadt muss einen neuen Bebauungsplan aufstellen, aber bisher ist noch nicht einmal der Aufstellungsbeschluss erfolgt. Die Stadt wird zuerst die Seehafenpläne vorantreiben, sodass die Zeitperspektive völlig unklar ist. Es sieht auch so aus, dass die Lärmproblematik wahrscheinlich ein Kraftwerk an diesem Standort gar nicht mehr zulassen wird. Hier also von der Zeitschiene ganz unbestimmt, wenn überhaupt.
Beteiligte Stadtwerke: österreichische IKB-AG, Lübeck, Bad Vilbel, Mühldorf, Traunstein, Viernheim, Schwabach, Vogelsbergkreis
Kraftwerk weniger als 200 Meter von Wohnsiedlung entfernt
Electrabel hatte schon 2005 geäußert, ein Kohlekraftwerk in Stade bauen zu wollen. Doch erst nachdem der belgische Energiekonzern im Frühjahr 2008 ankündigte, weniger als 200 Meter von der nächsten Siedlung entfernt ein 800-MW-Kohlekraftwerk zu bauen, gründeten betroffene Bürger die "Bürgerinitiative für eine umweltverträgliche Wirtschaft".
Unter dem Motto "Bürger informieren Bürger" erläutern sie zusammen mit dem BUND die negativen Folgen für Umwelt, Gesundheit und Klima, geben Gutachten in Auftrag und helfen beim Verfassen von Einwendungen gegen den Genehmigungsantrag. Erster Erfolg: Angesichts der fachlich fundierten Einwendungen beim Erörterungstermin verschob Electrabel den Antrag auf vorzeitigen Baubeginn auf unbestimmte Zeit. Außerdem wird das Amt die Entscheidung über den Genehmigungsantrag verschieben, bis Electrabel detaillierte Untersuchungen vorlegt, ob Kraft-Wärme-Kopplung an diesem Standort möglich ist.
Klage gegen Bauplanänderung geplant
Die Bürgerinitiative, der BUND und die Stader Grünen wollen gegen eine 2006 durchgeführte Änderung des Bebauungsplans klagen: Damals wurde die bis dahin auf 220 MW festgesetzte Obergrenze für Kraftwerke gekippt. Um die Klage durchzuführen, haben die Beteiligten bis Juni 2008 Spenden von mehr als 20.000 Euro gesammelt. Auch einige Fischer haben angekündigt, gegen die Kraftwerke zu klagen, da die Erwärmung der Elbe durch Kühlwassereinleitung ihre Lebensgrundlage gefährdet.
Konzern Dow Chemical und EnBW
- Bundesland: Niedersachsen
- Baubeginn: 2009
- Typ: Steinkohleverbrennung
- Investor: Dow Chemical, EnBW
- CO2-Ausstoß: 5,1 Mio. Tonnen pro Jahr
- Investitionssumme: mehr als 1,2 Mrd. Euro
- geplante Fertigstellung: 2014
- Leistung: 900 MW
11/11/2009:
EnBW ist ausgestiegen. Dow sucht nach einem neuen Partner, bisher nicht erfolgreich. Dow will aber an den Plänen festhalten, da sie billige Energie benötigen. Es hat wohl Verhandlungen mit Eon gegeben. Genaueres ist bisher nicht bekannt.
15/06/2009:
Stade wird voraussichtlich einen vorhabensbezogenen Bebauungsplan erstellen.
10/06/2009:
Der Kooperationsvertrag zwischen Dow Chemicals und EnBW ist geplatzt! EnBW sucht nach neuen Investoren!
Bisher: Anfang 2008 beschloss die amerikanische Chemiefirma Dow Chemical, zusammen mit EnBW in Stade ein Kraftwerk mit 1. 000 MW Leistung zu bauen. Nach starken Protesten gegen das geplante Electrabel-Kraftwerk (s.o.) wurden die Pläne schnell angepasst: Nun soll ein kombiniertes Kohle-Gas-Kraftwerk mit Kraftwärmekopplung entstehen. Europaweit ausgeschrieben wurde im Juni 2008 ein Kohlekraftwerk mit 800 bis 900 MW Leistung, somit wird das Gaskraftwerk nur als kleine Zufeuerungsanlage verwendet werden.
- Bundesland: Niedersachsen
- Baubeginn: 2010
- Typ: Steinkohleverbrennung
- Investor: E.on
- CO2-Ausstoß: 6,2 Mio. Tonnen pro Jahr
- Investitionssumme: mehr als 1,2 Mrd. Euro
- geplante Fertigstellung: 2014
- Leistung: 1.100 MW
11/11/2009:E.on hat im Sommer (nach der Forderung der Bürgerinitiativen) im städtischen Planungsausschuss selbst die Aufstellung eines Bebauungsplans gefordert ("es wäre kein Zeitdruck"). Da das städtische Planungsbüro noch mit Seehafenplänen beschäftigt ist, kann auch hier die Zeitschiene nicht abgesehen werden.
Neuer Kohlehafen notwendig?
Seit 2007 überlegt auch E.on, ein zusätzliches Kohlekraftwerk in Stade zu bauen. Im Juni 2008 wurde die Entscheidung für einen Neubau mit 1.100 MW Leistung öffentlich gemacht. Über die genauen Pläne ist wenig bekannt, einzig die Logistik wird bereits geplant: Um die benötigten Millionen Tonnen Kohle herbeizuschaffen, soll der Stader Hafen um einen Kohleanleger erweitert werden.
Die european climate foundation unterstützt unter Mitwirkung des BUND im Jahr 2009 alle niedersächsischen Bürgerinitiativen gegen Kohlekraftwerke!