BUND Landesverband Niedersachsen

2 Jahre „Niedersächsischer Weg“: Bundesweit anerkanntes Aushängeschild für Natur- und Artenschutz entfaltet Wirkung vor Ort

13. Juli 2022 | Artenschutz, Eigene Vielfalt, Energiewende, Flüsse & Gewässer, Landwirtschaft, Lebensräume, Umweltbildung, Umweltpolitik

Vor-Ort Betreuung in Ökologischen Stationen, mehr Biodiversitätsberatung für Landwirte, ein im Landschaftsprogramm verankerter Biotopverbund: Im Jahr zwei des Niedersächsischen Weges wurden die beschlossenen Gesetze sowie die vereinbarten Eckpunkte des Vertrages in die Umsetzung gebracht.

Umweltminister Olaf Lies: „Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine zeigt, wie dringlich es ist, gerade jetzt Natur- und Artenschutz weiterzuentwickeln und zu intensivieren. Natur- und Klimaschutz müssen zusammengedacht werden und der Niedersächsische Weg ist mit seinem kooperativen Ansatz ein Wegweiser in die Zukunft.“
Aktuell erzielten die Partner einen Durchbruch beim Konzept für das neue Wiesenvogelschutzprogramm. “Der Wiesenvogelschutz ist eines der wirklichen Herzensthemen in unserer Runde, sagte der Minister. „Wir setzen gemeinsam darauf, dass viele Landwirtinnen und Landwirte, auf deren Flächen Bekassine, Kiebitz oder Uferschnepfe eine Heimat suchen, bereit sind, Schutzmaßnahmen zu treffen. Denn hier müssen wir mehr tun: Die Bestände nehmen seit Jahrzehnten kontinuierlich ab, leider auch in vielen EU-Vogelschutzgebieten. Umso wichtiger ist es, dass wir diesen gordischen Knoten durchschlagen konnten und es nun eine Einigung im Sinne der selten gewordenen Vogelarten gibt. Landwirtinnen und Landwirte werden für ihre Leistungen einen finanziellen Ausgleich erhalten. Und betroffene Landkreise sind nun aufgefordert, in Kooperationen den Wiesenvogelschutz umzusetzen und in der Fläche zu verankern.

Landwirtschaftsministerin Otte Kinast: „Den Pflanzenschutzmittel-Einsatz nachweislich zu reduzieren – darauf haben wir uns im Niedersächsischen Weg verständigt. Verbindliche Ziele entwickeln wir derzeit gemeinsam in einer Pflanzenschutzmittel-Reduktionsstrategie. Und wir kommen gut voran: Mit einer ersten Projekt-Maßnahme sind wir gestern gestartet!“ Unter anderem in einem so genannten Leitbetrieb im Landkreis Göttingen werden nun Praxisdaten und Fortschritte erfasst, Demonstrationsparzellen und Feldversuche angelegt. Das Ziel: Künftig sollen weitere Betriebe noch gezielter beraten und dabei unterstützt werden, weniger Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Einen zusätzlichen wesentlichen Hebel zur Reduktion des Pflanzenschutzeinsatzes sieht Ministerin Otte-Kinast im Bereich der technischen Innovationen – zum Beispiel im Einsatz von Drohnen. Ein bereits praxisreifes Verfahren, das während des Pressetermins erläutert wurde, ist die Ausbringung von Schlupfwespenlarven über Maisflächen, die mit dem Schädling Maiszündler befallen sind. Der weitere Schlupf des Maiszündlers wird so gestoppt und eine Schädigung verhindert. Erst durch den Einsatz professioneller Drohnen ist dieses Verfahren des biologischen Pflanzenschutzes auf Ackerflächen praxistauglich geworden. Ministerin Barbara Otte-Kinast: „Hier wird Hightech mit einem Verfahren der biologischen Pflanzenschutzanwendung kombiniert. Ich bin davon überzeugt, dass diese Innovationen künftig eine noch größere Bedeutung haben werden!“

Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen: Grundlage für einen zukünftigen erfolgreichen und fachlich fundierten sowie praxisorientierten Naturschutz im Land bilden Ökologische Stationen, deren Bedeutung und Qualifikation durch den Niedersächsischen Weg erfreulicherweise in den Vordergrund gerückt sind und die nun als Ergebnis dieses gemeinsamen Weges landesweit als Netzwerk ausgebaut werden sollen. Schon jetzt ist der NABU Niedersachsen als Träger, Mitträger sowie Mitglied von jeweils drei Ökologischen Stationen beteiligt und setzt sich als Mitinitiator dieses Konzepts auf Grundlage der Biologischen Stationen in Nordrhein-Westfalen auch weiterhin dafür ein, die neuen Ökologischen Stationen in Niedersachsen als Unterstützer des behördlichen Naturschutzes zu etablieren. Den Versprechungen der Politik muss nun der schnelle und konsequente Ausbau der Stationen mit ausreichend bereitgestellten finanziellen Mitteln folgen, bis das Netzwerk flächendeckend und im gemeinsamen Einvernehmen aller Akteure aus Landnutzung und Naturschutz errichtet worden ist."

Dr. Holger Hennies, Präsident des Landvolks Niedersachsen: „Der Erfolg des Niedersächsischen Weges hängt von den Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort ab. Die Landwirte brauchen mehr Beratung, und die Naturschutzkooperationen vor Ort müssen in Zusammenarbeit mit den ökologischen Stationen auf lokaler Ebene mehr Verantwortung erhalten und zugleich auch mehr leisten." Nach Wahrnehmung des Landvolkpräsidenten ist die Bereitschaft dazu vorhanden.

Susanne Gerstner, Landesvorsitzende des BUND Niedersachsen: „Der BUND trägt an vielen Stellen zum Gelingen des Niedersächsischen Weges bei: Durch gemeinsame Projekte mit der Landwirtschaft für mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft, durch unsere Ökologischen Stationen und praktische Landschaftspflege. Wirklich erfolgreich ist der Niedersächsische Weg aber erst dann, wenn das Artensterben gestoppt ist. Der immer noch gravierende Flächenfraß muss aufhören, Lebensräume in Schutzgebieten und für den Biotopverbund entwickelt und Belastungen durch Dünger und Pestizide wirksam reduziert werden. Naturschutz und Landwirtschaft sind dabei Partner mit dem gleichen Ziel: Biologische Vielfalt bewahren und Landwirtschaft zukunftsfähig entwickeln. Dazu brauchen wir auch langfristig mehr Geld und Personal. Die künftige Landesregierung ist aufgefordert, den Niedersächsischen Weg gemeinsam mit den Partnern zu verstetigen, Tempo zu machen und weiter zum Erfolg zu führen.“

Karl-Friedrich Meyer, Vorsitzender des Fachbeirates Niedersächsischer Weg und des Ausschusses Unternehmensberatung, Markt & Bildung bei der LWK Niedersachsen: „Wir stellen fest, wie wichtig es in diesem Jahr war, den Niedersächsischen Weg mit den ersten fünf Biodiversitätsberatern in die Regionen und zu den landwirtschaftlichen Betrieben zu bringen. Die Beraterinnen und Berater vernetzen sich jetzt dort mit den Landkreisbehörden, Landwirtschafts- und Umweltverbänden sowie interessierten Akteuren wie der Jägerschaft vor Ort und setzen den kooperativen Ansatz um. Gemeinsam stellen sie eine regionale Biodiversitätsplanung auf und werden praktikable Maßnahmen für die Betriebe anbieten.“ Diese kämen der Nachhaltigkeit der Betriebe und auch dem Arten-, Natur- und Gewässerschutz in der Landschaft zugute. Die Beratung solle landesweit ausgeweitet werden, und das Kompetenzzentrum ökologischer Landbau Niedersachsen (KÖN) unterstütze bei der Qualifizierung des Beraterteams.

Bei einem Rundgang auf den Flächen nahe der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer zeigten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf, wie der Wiesenvogelschutz funktionieren kann und was der Biotopverbund leistet – und gaben zugleich einen Einblick in die Arbeit der Ökologischen Station. „Hier können wir ganz unverfälscht sehen, wie der Niedersächsische Weg in der Fläche wirkt. Und auch der Jahresbericht zeigt: Unsere Bemühungen, Organisationsstrukturen und Personal zu etablieren und vor allem auch vor Ort zu verankern, tragen erste Früchte“, sagte Minister Olaf Lies abschließend.

Der Niedersächsische Weg ist ein Maßnahmenpaket für mehr Natur-, Arten- und Gewässerschutz. Neben der Landesregierung gehörten Vertreter des Landvolks Niedersachsen, der Landwirtschaftskammer sowie des NABU Niedersachsen und des BUND Niedersachsen zu den Unterzeichnern des bundesweit einmaligen Vertrages. Viele Maßnahmen für mehr Natur-, Arten- und Gewässerschutz wurden vereinbart – jetzt geht der Niedersächsische Weg verstärkt in die Umsetzung. Weitere Informationen: www.umwelt.niedersachsen.de/niedersaechsischer-weg/ und www.bund-niedersachsen.de/niedersaechsischer-weg/

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