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BUND Landesverband Niedersachsen

„Gemeine Binsenjungfer“ ist Libelle des Jahres 2016

18. Dezember 2015 | Artenschutz, Libellen, Flüsse & Gewässer

Männchen der Gemeinen Binsenjungfer. Foto: Günter J. Loos / BUND

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) haben die Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa) zur Libelle des Jahres 2016 gekürt. Unmittelbar bedroht ist die Gemeine Binsenjungfer noch nicht, doch sind ihre Bestände vielerorts erkennbar rückläufig. Sie lebt in den verschiedensten Biotopen, benötigt dabei jedoch Gewässer mit einem stabilen Wasserstand. Stark schwankende Wasserstände sowie ein frühes oder gar komplettes Austrocknen ihrer bevorzugten Gewässer schaden ihr.

„Die Gemeine Binsenjungfer ist eine Frühwarnerin vor den Auswirkungen des Klimawandels. Wie viele andere Libellen wird sie nur durch den konsequenten Schutz ihrer Lebensräume und funktionierende Gewässerbiotope zu erhalten sein“, sagte die BUND-Libellen-Expertin Nehle Hoffer.

Die Kleinlibelle Lestes sponsa besiedelt Niedersachsen und Bremen nahezu flächendeckend. Neben dem nordwestdeutschen Tiefland samt den Ostfriesischen Inseln werden in Niedersachsen auch die Mittelgebirge inklusive des Harzes mit Fundorten in Höhen oberhalb von 800 m ü. NN besiedelt.

„Auffallend ist jedoch eine Verbreitungslücke vom Mittelgebirge Elm im Südosten über die Bördelandschaft Braunschweigs und Hildesheims bis hin zum nördlichen Weserbergland im Westen“, so der Libellenexperte Dr. Manfred Haacks. Kleinflächigere Verbreitungslücken bestehen u. a. in Ostfriesland, Butjadingen, der Lüneburger Heide oder der Ems-Hunte-Geest. Dr. Haacks führt dies zum einen auf einen Mangel an geeigneten Gewässern, zum anderen auch auf wahrscheinliche Erfassungsdefizite zurück.

Im Zuge der Klimaerwärmung treten stark schwankende Wasserstände immer häufiger auf, insbesondere an großen Flüssen wie der Elbe oder dem Rhein. Nicht nur, dass auch deren Nebenflüsse und die Flussauen austrocknen, auch die von Libellen bevorzugten Tümpel, Teiche, Seen, Moore, Wassergräben und langsam fließende Bäche fallen häufiger trocken. Das führt dazu, dass sich die Larven der Gemeinen Binsenjungfer nicht mehr rechtzeitig zur ausgewachsenen Libelle entwickeln und sterben. Im Südwesten Deutschlands ist bereits ein Rückgang des Vorkommens der Gemeinen Binsenjungfer nachweisbar.

Die Gemeine Binsenjungfer ist grün-metallisch gefärbt. Die Männchen weisen eine Blaubereifung am Anfang und am Ende des Hinterleibs auf. Sie erreichen eine Körperlänge von knapp vier Zentimetern und eine Flügelspannweite von bis zu 50 Millimetern. Ihr Flug ist eher langsam. Sitzen sie, dann sind ihre Flügel meist auseinandergeklappt. Die Libelle des Jahres 2016 gehört zur Familie der Binsen- oder Teichjungfern, einer Untergruppe der Kleinlibellen. Ab Mitte Mai schlüpft die Gemeine Binsenjungfer, ihre Hauptschlupfzeit ist die erste Junihälfte. Da sie eine typische Sommerart ist, liegt ihre Hauptflugzeit zwischen Ende Juni und September und kann sich bis Oktober erstrecken.

Nach dem Schlüpfen vergehen etwa zwei Wochen bis zur Geschlechtsreife, dann paaren sie sich. Seit 2011 wählen die Gesellschaft für deutschsprachige Odonatologen (GdO), der Verband der Libellenkundler, und der BUND die "Libelle des Jahres" aus, um auf die Vielfalt der Arten und ihre Bedrohung aufmerksam zu machen. "Von den 81 heimischen Libellenarten stehen 30 auf der Roten Liste und weitere fünf auf der Vorwarnliste", sagte Jürgen Ott, Haupttautor der neuen Roten Liste, die von der GdO erstellt wurde.

Informationen zu Libellen in Niedersachsen und Bremen finden Sie unter
http://www.ag-libellen-nds-hb.de .

 

Rückfragen zum Thema an:
Renate Marcus
BUND Landesverband Niedersachsen
Tel. (0511) 965 69 - 30
Renate.Marcus(at)nds.bund.net  

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