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BUND Landesverband Niedersachsen

Wattenmeer - was für ein Meer!

Der Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“ ist ein FFH- und Vogelschutzgebiet. Das Wattenmeer ist Lebensraum von mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten, davon rund 250 endemischen Arten, die es weltweit nur hier gibt. Als Teil des UNESCO-Weltnaturerbes genießt es den höchst möglichen Schutz.

Land versinkt im Meer - zweimal am Tag

Watt vor Amrum. Foto: Nadja Ziebarth Watt vor Amrum. Foto: Nadja Ziebarth

Wer an die Nordseeküste kommt, sieht meist als erstes Schlick: Das Wattenmeer. Der zum UNESCO-Weltnaturerbe zählende rund 9.500 km2 große Nationalpark Wattenmeer erstreckt sich vom Deich über die Dünen, die Salzwiesen, das Watt bis hin zu den vorgelagerten Inseln und noch ein kleines Stück darüber hinaus - fast die gesamte deutsche Nordseeküste entlang.

Das Wattenmeer ist geprägt durch die Gezeiten. Im Takt von 12 Stunden und 25 Minuten kommt und geht das Meer. Die Gezeiten schaffen so einen dynamischen Lebensraum, der sich andauernd verändert. Ständig tauchen neue Sandbänke auf und werden alte abgetragen. Zusätzlich bewirkt der Küstenstrom, dass die friesischen Inseln langsam Richtung Osten wandern. 

Das pralle Leben im Boden, auf dem Boden und im Wasser

Geprägt von diesen Schwankungen von Wasser, Temperatur, Salz und Licht hat sich ein einmaliger üppiger Lebensbereich entwickelt. Rund 10.000 Arten von einzelligen Organismen, Pilzen, Pflanzen und Tieren wie Würmer und Muscheln, Fische, Vögel und Säugetiere leben hier. Jedes Jahr legen 10 bis 12 Millionen Vögel auf der Durchreise von den Brutgebieten in Sibirien, Skandinavien oder Kanada zu ihren Überwinterungsgebieten in Westeuropa und Afrika eine Rast im Wattenmeer ein. Für diese weite Reise fressen sie sich hier Fettpolster an. Nur im Wattenmeer finden sie genug Nahrung, um die Tausende Kilometer lange Reise machen zu können.

Trilaterale Zusammenarbeit

Aufgrund des hohen Naturschutzwertes betreiben die Anrainerstaaten Niederlande, Deutschland und Dänemark den trilateralen Schutz des Wattenmeeres seit 1978 nach gemeinsam formulierten Zielen. Gemeinsame Regierungskonferenzen zum Schutz des Wattenmeers sind etabliert und 2009 wurde die Zusammenarbeit durch die Entscheidung der UNESCO, das Wattenmeer als Weltnaturerbe auszuzeichnen, gekrönt. Seit 2018 hat Deutschland die Präsidentschaft der trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit. Das gemeinsame Wattenmeersekretariat (Common Wadden Sea Secretariat, CWSS) in Wilhelmshaven unterstützt die drei Staaten in ihrer Zusammenarbeit und auch ein neues Partnerschaftszentrum in Wilhelmshaven ist geplant um die Zusammenarbeit zu stärken und den Schutz des Wattenmeers voranzutreiben.

Im deutschen Teil des Wattenmeeres ist nahezu die gesamte Watt- und Wasserfläche zwischen den Festlandmarschen und den Inseln als Nationalpark und Biosphärenreservat geschützt. Zum Teil sind auch unbesiedelte Bereiche der Inseln enthalten oder sie sind Naturschutzgebiet.

Bedrohungen und Belastungen des Lebensraums Wattenmeer

Ölplattform und Containerschiff. Potentielle Gefahren für das Ökosystem. Foto: BUND Nds. Ölplattform und Containerschiff. Potentielle Gefahren für das Ökosystem. Foto: BUND Nds.

Das Wattenmeer ist einer der produktivsten Lebensräume der Erde und ist, obwohl als Naturschutzgebiet deklariert, noch nicht ausreichend geschützt. Eine Anzahl an Faktoren bedrohen den Lebensraum Wattenmeer:

  • Die Fischerei im Wattenmeer ist teilweise nur unzureichend reguliert und entspricht nicht den Anforderungen an ein Naturschutzgebiet.
  • Das Ausbaggern sowie Abladen von Sand und Schlick beeinflussen das Ökosystem massiv.
  • Die Förderung von Öl und das Suchen nach Gas stellen unter anderem durch ihre Verschmutzungen bzw. Lautstärke eine Belastung für das Wattenmeer und seine Bewohner dar.
  • Die Schifffahrt bringt ebenfalls Verschmutzung und Lärm ins Naturschutzgebiet und sollte besser reguliert und kontrolliert werden.
  • Der Klimawandel bedroht durch einen Anstieg des Meeresspiegels die Küsten. Beim Küstenschutz ist es wichtig, dass dieser mit dem Naturschutz einhergeht statt ihm im Wege zu stehen.
  • Die landwirtschaftliche Nutzung der eingedeichten Marschen muss im Einklang mit dem Naturschutz stehen und darf keine Nähr- und Schadstoffe in das Wattenmeer einbringen.
  • Der Tourismus in der Region muss nachhaltig sein und darf den Lebensraum Wattenmeer nicht bedrohen, wie z.B. durch Lichtverschmutzung, Urlaubsverkehr und Freizeitaktivitäten wie z.B. Kitesurfen.
  • Der Verlust natürlicher Dynamiken und die Einführung von Landraubtieren auf den Inseln stellen eine Bedrohung für die zahlreichen Zugvögel dar.

Einige dieser Einflüsse beziehungsweise die Kombination aus diesen führt zu Verschiebungen im Artenbestand: Seien es Massenvermehrungen eingeschleppter Arten oder das Verschwinden empfindlicher Organismen. Neben auffälligen langfristigen Veränderungen gibt es auch schwer wahrnehmbare Beeinträchtigungen des Nährstoff- und Sedimenthaushaltes. Es ist zu beobachten, dass sich die aktuelle Artenzusammensetzung des Wattenmeeres, insbesondere in Kombination mit eingeschleppten Arten und den Folgen der Klimaänderung, zusätzlich verändert.

BUND im Wattenmeerschutz aktiv

Seit über 100 Jahren sind Naturschutzverbände im Wattenmeer für den Erhalt dieses besonderen Lebensraumes aktiv. Heute finden hier intensive naturschutzfachliche Betreuungen und eine ausgeprägte Bildungsarbeit statt. Dazu gehören auch die BUND-Nationalparkhäuser, die hierzu einen wichtigen Beitrag leisten.

Hauptziele der BUND-Aktivitäten im Wattenmeer sind:

  • Eine Verstärkung und Festigung des trilateralen Meeresschutzes von Seiten der Umweltverbände, da das Wattenmeer über die Grenzen hinaus als Ganzes geschützt werden muss,   
  • eine Sicherung und ein Ausbau von Bildungs-, Informations- und Erlebnisangeboten, die mit dem Schutzzweck vereinbar sind,
  • Nutzungen oder Gefährdung durch Einträge auszuschließen, die mit dem Schutzzweck des Gebietes unvereinbar sind,
  • die natürliche Dynamik des Ökosystems für kommende Generationen der dort vorkommenden Lebewesen zu erhalten beziehungsweise notwendige Rahmenbedingungen für diese zu schaffen.

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