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Neues vom Gewässerrand - Ausgabe 03

 

Liebe Aktive und Engagierte am Gewässerrand,

2025 war ein ereignisreiches Jahr für „Kurs auf Blau-Grün“, in dem wir bedeutende Meilensteine erreicht haben: In den Modellregionen konnten wir die Leitbilder für naturnahe Gewässerränder erfolgreich abstimmen. Unser zweiter Zwischenbericht dokumentiert diese Erfolge und analysiert fundiert, welche Faktoren unseren Dialogprozess so erfolgreich machen und wo noch Verbesserungsbedarf besteht.

Mit diesem Update informieren wir Sie über die Entwicklungen des vergangenen Jahres und laden Sie herzlich zu den letzten drei Gewässerforen ein!

Wir wünschen eine aufschlussreiche Lektüre!

Ihr BUND Projektteam „Kurs auf Blau-Grün – Gewässerränder gemeinsam gestalten"

 

Inhalt
  • Gewässerforen zur Leitbildabstimmung
  • Zwischenbericht: Erfolge und Herausforderungen
  • Hintergrund: Gewässerränder als Hotspots der Artenvielfalt
  • Save the Date: Die letzten drei Gewässerforen
  • Neues Schulungsformat entwickelt!
  • Weitere Termine & Ausblick
Gewässerforen zur Leitbildabstimmung: Gemeinsame Visionen entwickelt

Im Sommer und Herbst 2025 haben wir in unseren drei Modellregionen Gewässerforen zur Leitbildabstimmung durchgeführt. Die Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt in Richtung naturnaher Gewässerränder.

Grove (Weser-Elbe) – 30. Juni 2025: Auf dem Hof Harrje in Wehdel kamen 17 Teilnehmende zusammen und entwickelten eine Vision für die Grove: Ein mindestens 10 Meter breiter Gewässerrand mit Wasserdost, Schilfröhrichten und einzelnen Baumgruppen soll dem Gewässer ermöglichen, sich natürlicher zu entwickeln. Extensiv bewirtschaftete Uferbereiche und eine angepasste Gewässerunterhaltung schaffen Lebensräume, ohne die notwendige Entwässerung zu gefährden. Das Leitbild zeigt, wie durch Maßnahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik – von Grünlandextensivierung über Altgrasstreifen bis zu Ackerbrachen – ein Mosaik unterschiedlicher Bewirtschaftungsformen entstehen kann.

Harle (Ostfriesland) – 27. August 2025: In Carolinensiel erarbeiteten 17 Akteure ein Leitbild, das den unterschiedlichen Bedingungen in Marsch und Geest Rechnung trägt. Die natürliche Entwicklung der Harle soll in der Marsch durch charakteristische Röhricht-Zonen, in der Geest durch punktuelle Gehölzstrukturen unterstützt werden. Ein zukunftsweisendes Wassermengenmanagement soll dazu beitragen, extreme Wetterereignisse besser zu bewältigen und somit einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung zu leisten: Eine Entwicklung, von der auch die Landwirtschaft profitiert. Die vorgeschlagenen Maßnahmen unterstützen auch an der Harle vorkommende Arten, wie die streng geschützte Teichfledermaus.

Fulde (Nienburg): Das für August 2025 geplante Forum musste verschoben werden, da nicht alle Akteursgruppen vertreten waren. Da wir echte Partizipation ernst nehmen, haben wir das Forum am 20. November 2025 erfolgreich nachgeholt! 

Ergebnis: Die Fulde und die umgebende Landschaft sollen zusammen einen vielfältig strukturierten und natürlichen Landschaftsraum bilden. Entlang des Flusslaufs schützen extensivierte Gewässerrandstreifen das Gewässer vor Schadstoffen und bieten Lebensraum für vielerlei Arten. Damit wird - ganz im Sinne des Niedersächsischen Weges - ein neues Zusammenwirken von Landwirtschaft und Naturschutz ermöglicht.

Bei den Foren kam ein bewährtes Format zum Einsatz: In Stellwand-Rundgängen konnten die Teilnehmenden mit Klebepunkten ihre Meinung zu verschiedenen Aspekten der Leitbilder äußern. Dies trug zu einer konstruktiven und sachlichen Atmosphäre bei und führte zu einem gelungenen Gemeinschaftswerk. Fazit: Der Dialog zwischen Landwirtschaft und Naturschutz funktioniert!

Wie geht es jetzt weiter? Mithilfe des eingeholten Inputs werden die Leitbilder aktuell grafisch und inhaltlich aufbereitet. Zum Projektende im Spätsommer/Herbst diesen Jahres werden sie veröffentlicht: In einer Langfassung, sowie als Kurzfassung in Form einer Broschüre, die mit an Gewässerränder genommen werden kann: welche Maßnahme kann bei welcher Art von vorliegendem Gewässerrand wie umgesetzt werden?

Zwischenbericht veröffentlicht: Erfolge und Herausforderungen

Im Herbst haben wir unseren zweiten Zwischenbericht vorgelegt. Die Bilanz: In zwei von drei Modellregionen wurden konkrete Maßnahmen umgesetzt – vom Blühstreifen an der Fulde über Altgrasstreifen an der Grove bis zu geplanten Maßnahmen an der Harle.

Eine begleitende Masterarbeit bestätigt: Unser Dialog hat zu einer echten Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz geführt. Erfolgsfaktoren sind freiwillige Teilnahme, offene Kommunikation, gemeinsame Wissensbasis und finanzielle Anreize, die Ertragsausfälle realistisch ausgleichen.

Aber: Politische Vorgaben und bürokratische Prozesse schrecken auch ab. Förderprogramme sind mit einer Laufzeit von fünf bis sieben Jahren zu kurzfristig, während Betriebe in Generationen planen. Zudem richten sich viele Maßnahmen nur an bereits extensiv arbeitende Betriebe, Umstiegsmöglichkeiten für die konventionelle Landwirtschaft fehlen. Die Masterarbeit empfiehlt daher eine Vereinfachung der bürokratischen Prozesse und eine langfristige Planungssicherheit als unverzichtbare Voraussetzungen für echten Gewässerschutz.

Siebenpunktmarienkäfer (Coccinella septempuctata)
Hintergrund: Gewässerränder als Hotspots der Artenvielfalt

Gewässerrandstreifen sind Schatzkammern der Biodiversität in intensiv genutzten Agrarlandschaften. Bereits 5 Meter breite, ungedüngte und pestizidfreie Grasstreifen erhöhen die Artenvielfalt um 15%, die Individuenzahl um 31% und die Biomasse fliegender Insekten um 31%. Besonders profitieren bedrohte Schmetterlinge und Schwebfliegen. Gewässerränder sind aber auch wirtschaftlich wertvoll: Sie dienen als Rückzugsgebiete für Nützlinge wie Marienkäfer, Schwebfliegen und Schlupfwespen, die Schädlinge natürlich bekämpfen. Eine Schwebfliegenlarve verzehrt mehrere hundert Blattläuse, ein Siebenpunktmarienkäfer bis zu 100 pro Tag. Als lineare Strukturen vernetzen Gewässerränder Lebensräume und bieten Überwinterungshabitate. Sie könnten den Einsatz synthetischer Insektizide reduzieren – gerade wo Resistenzen zunehmen. Der vollständige Artikel ist auf unserer Projektseite verfügbar.

Save the Date: das letzte Gewässerforum!

Sie wollen live dabei sein, wenn die Zukunft unserer Gewässer gestaltet wird? Dann merken Sie sich diesen Termin vor:

Auf dem Programm:

  • Individuelles Beratungsangebot durch die Landwirtschaftskammer für Landwirte und Landwirtinnen zu Förderungsmöglichkeiten und zu Maßnahmen an Gewässerrändern
  • Vorträge:
    • Anton Sartisohn (Stiftung Kulturlandpflege): "FABiAN- Förderung der Artenvielfalt und Biotopvernetzung in der Agrarlandschaft Niedersachsens"
    • Jessica Weller (LWK): ”Mehr Biodiversität im Intensivgrünland durch Kräuterstreifen”

  • Diskussion und Mitgestaltung konkreter Handlungsempfehlungen

Landwirtschaft, Naturschutz, Kommunen und interessierte Bürger*innen sind herzlich eingeladen.

Detaillierte Informationen und Anmeldung finden Sie auf unserer Website.

Neues Schulungsformat entwickelt!

Im Rahmen von Kurs auf Blau-Grün haben wir ein mehrstufiges Schulungsangebot mit den Schwerpunkten Kommunikation, Gewässerschutz, Gewässerunterhaltung und Finanzierungsinstrumenten entwickelt!
Dieses soll zukünftig Akteur*innen aus Landwirtschaft, Naturschutz und Öffentlicher Hand dabei unterstützen, gemeinsam Biodiversität zu fördern und Gewässerschutz zu stärken!

Mehr Informationen zum Schulungsformat finden Sie hier.

und bald auf unserer Webseite!

Weitere Termine & Ausblick

Save-the-Date: Am 27. August 2026 wollen wir im Raum Bremen gemeinsam mit allen Projektbeteiligten unsere Abschlussveranstaltung feiern!

  • Im offenen Rahmen Zeit, um sich mit Akteur*innen aus allen drei Regionen auszutauschen und zu vernetzen!
  • Inklusive Vorstellung unseren Handlungsempfehlungen!

 

Weitere interessante externe Termine:

In eigener Sache: Feedback & Themenvorschläge

Sie möchten keine weiteren Neuigkeiten zum Projekt „Kurs auf Blau-Grün“ per E-Mail erhalten? Dann schicken Sie uns einfach einen kurzen Hinweis Ruth.Paschka@nds.bund.de. Ebenso freuen wir uns über Anmerkungen zu dieser Mail oder Tipps für inhaltliche Beiträge und stehen gerne als Ansprechpersonen für Fragen zur Verfügung.

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