Im Sommer und Herbst 2025 haben wir in unseren drei Modellregionen Gewässerforen zur Leitbildabstimmung durchgeführt. Die Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt in Richtung naturnaher Gewässerränder.
Grove (Weser-Elbe) – 30. Juni 2025: Auf dem Hof Harrje in Wehdel kamen 17 Teilnehmende zusammen und entwickelten eine Vision für die Grove: Ein mindestens 10 Meter breiter Gewässerrand mit Wasserdost, Schilfröhrichten und einzelnen Baumgruppen soll dem Gewässer ermöglichen, sich natürlicher zu entwickeln. Extensiv bewirtschaftete Uferbereiche und eine angepasste Gewässerunterhaltung schaffen Lebensräume, ohne die notwendige Entwässerung zu gefährden. Das Leitbild zeigt, wie durch Maßnahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik – von Grünlandextensivierung über Altgrasstreifen bis zu Ackerbrachen – ein Mosaik unterschiedlicher Bewirtschaftungsformen entstehen kann.
Harle (Ostfriesland) – 27. August 2025: In Carolinensiel erarbeiteten 17 Akteure ein Leitbild, das den unterschiedlichen Bedingungen in Marsch und Geest Rechnung trägt. Die natürliche Entwicklung der Harle soll in der Marsch durch charakteristische Röhricht-Zonen, in der Geest durch punktuelle Gehölzstrukturen unterstützt werden. Ein zukunftsweisendes Wassermengenmanagement soll dazu beitragen, extreme Wetterereignisse besser zu bewältigen und somit einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung zu leisten: Eine Entwicklung, von der auch die Landwirtschaft profitiert. Die vorgeschlagenen Maßnahmen unterstützen auch an der Harle vorkommende Arten, wie die streng geschützte Teichfledermaus.
Fulde (Nienburg): Das für August 2025 geplante Forum musste verschoben werden, da nicht alle Akteursgruppen vertreten waren. Da wir echte Partizipation ernst nehmen, haben wir das Forum am 20. November 2025 erfolgreich nachgeholt!
Ergebnis: Die Fulde und die umgebende Landschaft sollen zusammen einen vielfältig strukturierten und natürlichen Landschaftsraum bilden. Entlang des Flusslaufs schützen extensivierte Gewässerrandstreifen das Gewässer vor Schadstoffen und bieten Lebensraum für vielerlei Arten. Damit wird - ganz im Sinne des Niedersächsischen Weges - ein neues Zusammenwirken von Landwirtschaft und Naturschutz ermöglicht.
Bei den Foren kam ein bewährtes Format zum Einsatz: In Stellwand-Rundgängen konnten die Teilnehmenden mit Klebepunkten ihre Meinung zu verschiedenen Aspekten der Leitbilder äußern. Dies trug zu einer konstruktiven und sachlichen Atmosphäre bei und führte zu einem gelungenen Gemeinschaftswerk. Fazit: Der Dialog zwischen Landwirtschaft und Naturschutz funktioniert!
Wie geht es jetzt weiter? Mithilfe des eingeholten Inputs werden die Leitbilder aktuell grafisch und inhaltlich aufbereitet. Zum Projektende im Spätsommer/Herbst diesen Jahres werden sie veröffentlicht: In einer Langfassung, sowie als Kurzfassung in Form einer Broschüre, die mit an Gewässerränder genommen werden kann: welche Maßnahme kann bei welcher Art von vorliegendem Gewässerrand wie umgesetzt werden?