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Besser ohne Gift - Stoppt das Insektensterben

110.000 Menschen unterzeichneten die Petition „Besser ohne Gift“ und sprachen sich damit für ein Verbot von Glyphosat, für rückstandsfreie Lebensmittel und gegen Gift in Wasser, Luft und Böden aus.

Mit der Petition „Besser ohne Gift“ forderte der BUND Landwirtschaftsminister Cem Özdemir auf, den maßlosen Einsatz von Pestiziden sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene zu senken.

Über 110.000 Menschen haben die Petition „Besser ohne Gift“ unterzeichnet. Am 21. Mai 2024 übergab der BUND die Unterschriften an das dem Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) und forderte die Bundesregierung auf, den Einsatz von Pestiziden bis 2030 mindestens zu halbieren und ein nationales Anwendungsverbot glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel zu beschließen.

EU-Kommission lässt Glyphosat für weitere 10 Jahre zu

Erst im Dezember 2023 wurde Glyphosat von der EU-Kommission für weitere zehn Jahre zugelassen, auch wenn es unter den Mitgliedsstaaten keine qualifizierte Mehrheit gab. Obwohl im Koalitionsvertrag verankert wurde, Glyphosat ab Anfang 2024 vom Markt zu nehmen, enthielt sich Deutschland der Stimme. Nach der Zulassung des Wirkstoffes auf EU-Ebene erließ das BMEL eine Eilverordnung, mit der das in der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung festgelegte Glyphosatverbot ab 2024 wieder aufgehoben wurde.

Dabei ist ein nationales Anwendungsverbot glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel notwendig und rechtlich möglich, auch wenn der Wirkstoff Glyphosat auf europäischer Ebene weiter zugelassen ist. Das zeigt das Rechtsgutachten, das die Rechtsanwältin Dr. Michéle John im Auftrag von BUND und Greenpeace erstellt hat. Artikel 36, Absatz 3 der Pflanzenschutz-Verordnung, definiert die Möglichkeit eines Verbots auf nationaler Ebene. Auch mit dem Vorsorgeprinzip wäre ein Verbot begründbar. Das Gutachten zeigt, dass ein Verbot mit dem Verfassungsrecht vereinbar wäre. Zusätzlich sieht das Grundgesetz den Schutz natürlicher Lebensgrundlagen vor (Artikel 20a). Diesen Auftrag muss der Gesetzgeber beachten. Entsprechend sollte der umstrittene Einsatz von Glyphosat verboten werden.

Alternativen zum Glyphosateinsatz sind im Ökolandbau seit langem erprobt. Breite Fruchtfolgen und mechanische Bearbeitung ersetzen das für Insekten gefährliche Totalherbizid. Bäuerinnen und Bauern müssen bei der Anwendung von Alternativen finanziell und beratend unterstützt werden.

Grundgesetz: Schutz natürlicher Lebensgrundlagen

Zum Schutz natürlicher Lebensgrundlagen gehört der Erhalt der biologischen Vielfalt und die Sicherung eines artgerechten Lebens bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Glyphosat reduziert die biologische Vielfalt und trägt maßgeblich zum Artensterben bei. Glyphosat tötet alle Blühpflanzen ab. Wildbienen und Schmetterlinge finden so viel weniger Pollen und Nektarquellen. Insekten sind jedoch die Grundlage für unser Ökosystem. Viele Vogelarten, Fledermäuse und Fische ernähren sich von Insekten. Nimmt deren Bestand ab, folgt daraus auch eine Abnahme bei Vogelpopulationen.

 (BUND BV)

Petition und Umfrage zeigen: Mehrheit will Glyphosat-Verbot

Die über 110.000 Unterschriften der BUND-Petition „Besser ohne Gift“ und eine repräsentative Civey-Umfrage, die der BUND 2023 in Auftrag gegeben hat, zeigen, dass die Mehrheit der Deutschen ein Verbot von Glyphosat will. Im Oktober 2023 hatten sich in der Umfrage 61,9 Prozent der Bundesbürger gegen eine Wiederzulassung von Glyphosat ausgesprochen. 57 Prozent der Befragten war für ein nationales Glyphosatverbot, auch wenn der Wirkstoff auf EU-Ebene wieder zugelassen werden sollte. Sie alle wollen rückstandsfreie Lebensmittel und kein Gift in Wasser, Luft und Böden. Einmal in die Umwelt gebracht, verursacht Glyphosat gravierende Schäden im Boden, im Wasser und bei Nützlingen. Glyphosat-Rückstände lassen sich auch in zahlreichen Lebensmitteln nachweisen.

Glyphosat gefährdet Gesundheit

Glyphosat ist laut WHO wahrscheinlich krebserregend beim Menschen. Viele Studien belegen, dass das Totalherbizid das Nervensystem schädigen und oxidativen Stress in Körperzellen auslösen kann. Glyphosat kann auch das Mikrobiom im Darm beeinflussen.

Ab sofort: Glyphosat-Anwendungen nur mit Genehmigungsvorbehalt

Bei einer Aktion vor dem Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) am 21. Mai fordern BUND und Greenpeace, Glyphosat auf der nationalen Ebene zu verbieten. Bis das Verbot in Kraft tritt, müssen alle Glyphosat-Anwendungen einem grundsätzlichen Genehmigungsvorbehalt unterliegen. Glyphosat darf nicht erlaubt werden, wenn nicht-chemische Alternativen vorhanden sind.

Bei der Aktion übergaben BUND und Greenpeace zudem ein Rechtsgutachten zum Glyphosat-Verbot in der Pflanzenschutzverordnung an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

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Hintergrundinformationen

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Welche Ursachen gibt es für das Insektensterben?

Haupttreiber für das Insektensterben sind die industrielle Landwirtschaft und Lebensraumverluste. Durch den Anbau von Monokulturen und den hohen Einsatz von Pestiziden werden Insekten massiv bedroht. Sie finden in ausgeräumten Landschaften ohne Blühwiesen, Hecken und Gehölzinseln keine Nahrung und keine Nistplätze mehr. Herbizide wie Glyphosat töten alle Blühpflanzen ab, Wildbienen und Schmetterlinge haben kaum noch Pollen und Nektarquellen. Viele Insektizide wirken nicht nur auf die beabsichtigen Tiere, sondern verursachen Kollateralschäden an Nützlingen. Insekten sind jedoch die Grundlage für unser Ökosystem. Viele Vogelarten, Fledermäuse und Fische ernähren sich von Insekten. Nimmt deren Bestand ab, folgt daraus auch ein Artenschwund bei Vögeln.

Was sind Pestizide?

Als Pestizide werden viele unterschiedliche Stoffe und Stoffkombinationen bezeichnet, die beim Anbau von Nutzpflanzen verwendet werden. Pestizide sollen unerwünschte Organismen töten oder schädigen. Sie sind giftig insbesondere für Pflanzen (Herbizide), Insekten (Insektizide) oder Pilze (Fungizide). Als Biozide sollen sie Menschen und Materialien schützen und finden daher Anwendung in Schädlingsbekämpfungsmitteln, Desinfektionsmitteln oder antibakteriellen Produkten.

Was haben Pestizide mit Gentechnik zu tun?

Die meisten weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen sind resistent gegen sogenannte Totalherbizide wie z.B. Glyphosat. Ihr Anbau geht deshalb zumeist mit einem hohen Einsatz dieser besonders schädlichen Stoffe einher. Durch die strenge Gentechnikregulierung in Europa werden diese Pflanzen hier nicht angebaut – und damit in Europa im weltweiten Vergleich auch weniger Totalherbizide eingesetzt. Nun will die EU die Gesetze aufweichen und den Einsatz von Gentechnik erleichtern – mit fatalen Folgen für die Umwelt.

Was sind Gesundheitsrisiken durch Pestizide für Menschen?

Viele Pestizide sind auch für den Menschen gefährlich. Manche Wirkstoffe sind hoch giftig, können Krebs verursachen, das Hormonsystem beeinflussen oder die Fruchtbarkeit schädigen. Jährlich erleiden weltweit über 300 Millionen Menschen eine Pestizidvergiftung, für manche endet sie tödlich. Einige der besonders gefährlichen Stoffe sind in der EU verboten. Allerdings verdienen Pestizidkonzerne viel Geld mit dem Export solcher Stoffe in den globalen Süden. Doch auch in Deutschland sind viele hochgefährliche Stoffe zugelassen und werden eingesetzt. 13 hochgefährliche Pestizide sind sogar für die Anwendung im Haus- und Kleingarten erlaubt. Dort können Kinder, ältere Menschen und Schwangere mit den Giften in Kontakt kommen.

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