BUND Landesverband Niedersachsen

BUNDmagazin

Das BUNDmagazin ist die Mitgliederzeitschrift des BUND. Der Landesverband veröffentlicht regelmäßig eine Regionalbeilage.

BUNDmagazin 2/2022

BUNDmagazin zum Download (PDF-Format)



Editorial:

LIEBE FREUND*INNEN DER ERDE,

Es ist wieder Wahljahr. Nationale und internationale Katastrophen wie der russische Angriffskrieg auf die Ukraine verändern Prioritäten. Fortschritte im Kampf gegen die unseren Planeten bedrohende Klima- und Biodiversitätskrise dürfen jetzt nicht einem kurzfristigen Denken und Handeln geopfert zu werden. Eine Rolle rückwärts darf es nicht geben, sondern klare Entscheidungen für Energiesparen und Energiewende, Agrarwende und vor allem Verkehrswende.
Beteiligungsrechte der Bevölkerung und der Verbände bei umweltkritischen Planungen müssen geschützt und dürfen nicht im Sinne einer falsch verstandenen „Beschleunigung“ von Verfahren beschnitten und ausgeschaltet
werden.

Der Landesverband hat ein umfangreiches Forderungspapier zu den Landtagswahlen verfasst, das deutlich macht, welche Zukunftsentscheidungen notwendig sind. Die Herausforderungen – auch für uns als Umwelt- und Naturschutzverband – sind angesichts der aktuellen geopolitischen Lage noch größer geworden.

Zu Ende Juni werde ich nach 14 Jahren als Landesvorsitzender des BUND Niedersachsen nicht mehr zur Wahl antreten. Gerne hätte ich mir für mein letztes Editorial als Landesvorsitzender eine andere, positivere politische Lage gewünscht. Dennoch bin ich sicher, dass der BUND auch in Zukunft seine zentralen Aufgaben zum Schutz der Natur und Umwelt sowie als kritischer Begleiter der Politik erfolgreich wahrnehmen wird.



Heiner Baumgarten
Landesvorsitzender 


Für die Zukunft wählen

Moorlandschaft mit Wollgras. Foto: Christoph Bosch Der Erhalt von Mooren dient Klima- und Naturschutz gleichermaßen.  (Christoph Bosch)

Im Oktober ist in Niedersachsen Landtagswahl. Unsere Forderung lautet: Klimaschutz und die Bewahrung der biologischen Vielfalt müssen Hand in Hand gehen.


Landtagswahl

Krise als Chance

 (Martin Ludlam / Pixabay.com / Pixabay-Lizenz)

Im Oktober wählt Niedersachsen einen neuen Landtag. Bürger*innen entscheiden dabei über die Zukunft unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Vor dem Hintergrund des grausamen Angriffskrieges Russlands in der Ukraine rücken verstärkt Fragen der Versorgung im Energie- und Agrarbereich in den Fokus.

Für effizienten Klimaschutz und Unabhängigkeit von russischen Rohstoffen müssen neben dem raschen und naturverträglichen Ausbau der Erneuerbaren Energien alle Wege der Effizienz und Einsparung von Energie und Rohstoffen genutzt werden. Der BUND fordert eine erhebliche Verbesserung im Bereich der energetischen Gebäudesanierung, eine flächendeckende Energiesparberatung und eine Effizienzoffensive für private Haushalte, Unternehmen und Kommunen. Wir brauchen eine echte Mobilitätswende, die auf attraktiven und bezahlbaren ÖPNV und eine konsequente Förderung des Radverkehrs setzt. Seit langem fordert der BUND ein Tempolimit und den Ausstieg aus klima- und naturschädlichen Autobahnvorhaben wie A 20 oder A 39.

Auch im Bereich Landwirtschaft und Ernährung werden jetzt Jahrzehnte lange Fehlentwicklungen deutlich. Klar ist: Der hohe Verbrauch tierischer Produkte trägt wesentlich zum Hunger in der Welt bei. Allein in Deutschland landen 60 % der Getreideernte in Futtertrögen und große Mengen von Nahrungsmitteln im Müll. Der weltweite Hunger ist kein Mengen-, sondern ein Verteilungsproblem. Politik muss zukunftsfähige Lösungen für Ernährungsgerechtigkeit finden. Eine deutliche Reduzierung der Tierbestände in Verbindung mit tiergerechter Haltung im Sinne der „Borchert-Kommission“ kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, um Flächen für die Produktion pflanzlicher Nahrung frei zu machen und Umweltbelastungen zu reduzieren. Der mit dem Europäischen Green Deal, der Zukunftskommission Landwirtschaft und dem Niedersächsischen Weg eingeschlagene Kurs hin zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft muss schnell und konsequent fortgeführt werden. Landwirt*innen müssen in diesem schwierigen Prozess finanzielle und gesellschaftliche Unterstützung erfahren. Niedersachsen als Agrarland Nr. 1 in Deutschland trägt dabei eine besondere Verantwortung.

Susanne Gerstner
Landesgeschäftsführerin



Das fordern wir!

In der nächsten Legislatur müssen wichtige Schritte erfolgen, um Klimaschutz und die Bewahrung der biologischen Vielfalt in Niedersachsen voranzubringen. Dabei gehören Klimaschutz, Naturschutz und soziale Gerechtigkeit zusammen.

1. Energie einsparen und klimaneutral erzeugen
Der BUND fordert eine vollständige Versorgung aus erneuerbaren Energiequellen bis spätestens 2040. Der Energieverbrauch muss deutlich reduziert, die Energieeffizienz gesteigert und erneuerbare Energien konsequent ausgebaut werden – umwelt-, natur- und sozialverträglich.

2. Atomausstieg auf ganzer Linie
Der BUND fordert einen verantwortungsvollen Umgang mit gefährlichem Atommüll. Schacht Konrad ist als völlig ungeeignetes Atommülllager aufzugeben, die Bergung radioaktiver Abfälle aus der Asse voranzutreiben. Ein Atomausstieg muss die Anlagen der Urananreicherung in Gronau, die Brennelementefabrik in Lingen und Forschungsreaktoren einschließen.

3. Nachhaltige Mobilität für alle
Klima- und umweltverträgliche Mobilität muss Vorrang erhalten, erheblich ausgebaut und gut miteinander vernetzt werden. Eine gute Taktung und Vernetzung von Bahn, Bus und Bedarfsverkehren sowie eine verbesserte Infrastruktur und Angebote für Radverkehr und Fußgänger*innen zeigen den Weg in eine echte Mobilitätswende.

4. Ressourcenschonend wirtschaften
Der Flächenverbrauch ist bis 2030 auf weniger als 3 Hektar pro Tag zu reduzieren, bis spätestens 2050 auf Netto-Null. Um den Rohstoffverbrauch zu senken, ist die Recyclingwirtschaft massiv auszubauen (z.B. Gipsrecycling), der Rohstoffabbau strikt zu reglementieren und die Kreislaufwirtschaft voranzutreiben.

5. Landwirtschaft ökologisch und sozial gestalten
Niedersachsen muss Vorreiter bei der Agrarwende werden. Eine tiergerechte, bodenschonende Landwirtschaft berücksichtigt den Schutz von Klima, Umwelt und Natur. Landwirt*innen müssen fair für ihre gesellschaftlichen Leistungen honoriert werden. Förderpolitik und Erzeugerpreise sind konsequent darauf auszurichten, die Partner des Niedersächsischen Weges arbeiten weiter gemeinsam an diesem Ziel.

6. Wälder schützen und naturnah entwickeln
Wälder haben eine zentrale Bedeutung für den Klimaschutz und die biologische Vielfalt. In den Landesforsten muss der Ökologie Vorrang vor wirtschaftlichen Zielen eingeräumt werden. Der Landeswald erfüllt eine wichtige Vorbildfunktion und muss naturnah und widerstandsfähig entwickelt werden – mit hohem Anteil an Laubbäumen, Alt- und Totholz.

7. Moore wieder vernässen
Niedersachsen ist das moorreichste Bundesland. Unsere Moore müssen so entwickelt werden, dass sie ihrer Bedeutung als CO2-Speicher und Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere gerecht werden. Wiedervernässung und Nutzungskonzepte im Einklang mit Klima- und Naturschutz müssen im Mittelpunkt einer aktuellen Moorschutzstrategie stehen.

8. Lebendige Gewässer
Niedersachen benötigt ein zukunftsfähiges und naturverträgliches Wassermanagement, denn im Zuge der Klimakrise werden Extremereignisse wie Dürren und Hochwasser zunehmen. Unsere knapper werdenden Wasservorräte sind vor Verschmutzung zu schützen und schonend zu nutzen. Fließgewässer brauchen intakte Auen zur Wasserrückhaltung. Weitere Flussvertiefungen an den Mündungen von Ems und Weser lehnt der BUND strikt ab.

9. Naturschutz stärken
Der BUND fordert ein Investitionsprogramm für die biologische Vielfalt in Niedersachsen, um wertvolle Schutzgebiete zu erhalten und einen wirksamen Biotopverbund auf 15 % der Landesfläche aufzubauen. Für die Biotopvernetzung müssen öffentliche Flächen vorrangig für den Naturschutz eingesetzt und „grüne Flurbereinigungen“ vorangetrieben werden.

10. Weltnaturerbe Wattenmeer
Obwohl das Niedersächsische Wattenmeer als Nationalpark und Weltnaturerbe geschützt ist, ist es durch verschiedene Nutzungsinteressen massiv bedroht. Der BUND fordert, dass dem Schutz des einmaligen Ökosystems konsequent Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen eingeräumt wird.

Unsere detaillierten BUND-Forderungen zur Landtagswahl 2022 können Sie hier nachlesen:
www.bund-niedersachsen.de/landtagswahl-2022

 



Aktuelles

Umweltcamp

Vom 11.-13. Mai findet in Wilhelmshaven die Umweltminister*innenkonferenz statt.

Über 120 Umweltverbände und Initiativen aus ganz Deutschland nutzen diesen Anlass, um in Sichtweite der Veranstaltung ihre Forderungen für eine wirksame Natur-, Umwelt- und Klimapolitik zum Ausdruck zu bringen. Der BUND ist Mitorganisator des dreitägigen Umwelt- und Klimacamps am Banter See Park. Höhepunkt ist eine Großdemonstration am 12. Mai ab 17.30 Uhr durch Wilhelmshaven. Neben einem breit gefächerten Vortragsprogramm zu Energie- und Naturschutzthemen, Mitmachaktionen und Diskussionsrunden möchten die Initiatoren mit den politischen Vertreter*innen zu kontroversen Themen ins Gespräch zu kommen. Die Verbände fordern unter anderem, dass Klimaschutz und Naturschutz gemeinsam und im Einklang umgesetzt werden.

MEHR INFOS:
www.umwelt-und-klimacamp-wilhelmshaven.com



Mehr Meeresschutz!

Schweinswal. Foto: I. Zwoch / BUND Wilhelmshaven Schweinswal  (Imke Zwoch / BUND Wilhelmshaven)

Der BUND ist angesichts der Ausbauziele der Landesregierung und der Planungen im Landesraumordnungsprogramm zur Offshore-Windenergie vor Niedersachsens Küste alarmiert.

Bis 2035 sollen über 30 Gigawatt Leistung über das Watten- und Küstenmeer an Land gebracht werden. Laut Bundesregierung sollen bis 2045 sogar 70 Gigawatt in Nord- und Ostsee installiert werden. Ein solcher Ausbau würde die Meeresumwelt über und unter Wasser massiv belasten. Neue zusätzliche Kabelkorridore durch den Nationalpark und Übergabestellen müssten gebaut werden. Wertvolle Meeres- und Wattlebensräume würden zerstört und zerschnitten. Bau und Wartung erzeugen erheblichen Unterwasserlärm mit Auswirkungen auf sensible Arten wie den Schweinswal. Auch den Bau weiterer Windparks direkt im Küstenmeer will das Land ermöglichen. Diese beeinträchtigen vor allem den Vogelzug. Der Nationalpark ist ein international bedeutsamer Vogelzugkorridor. Der BUND hat die Landesregierung zusammen mit anderen niedersächsischen Umweltverbänden aufgefordert, die Offshore-Windenergie naturverträglich auszubauen und dem Schutz des UNESCO-Weltnaturerbes Niedersächsisches Wattenmeer Rechnung zu tragen.

Scharfe Kritik übt der BUND auch an Plänen der niederländischen Firma One-Dyas zur Erdgasförderung in der Nordsee, die das Land Niedersachsen nun doch befürwortet. Das Vorhaben wird das Wattenmeer massiv beeinträchtigen. Hinzu kommen unkalkulierbare Risiken durch ein mögliches Austreten von Schadstoffen wie Bohrschlämmen sowie Erdbeben und Landabsenkungen. Zudem leistet das Vorhaben keinen Beitrag, um die aktuelle Energieversorgungskrise zu lösen, weil Planung und Bauphase Jahre dauern werden. Neue fossile Fördervorhaben bremsen durch lange Laufzeiten die dringend erforderliche Energiewende, anstatt sie zu befördern.



BUNDjugend

Dein Sommer mit der BUNDjugend

Suchst du noch nach Ideen, was du in diesem Sommer Schönes erleben kannst? Dann schau dir doch mal unsere Sommeraktivitäten für 2022 an! Eingeladen sind alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 26 Jahre – egal, ob Mitglied oder nicht.

Mit der BUNDjugend am Strand. Foto: Vanessa Schiwietz Mit der BUNDjugend am Strand  (Vanessa Schiwietz)

"Back to the Roots" - Sommerfreizeit

  • eine Woche mit herzlichen und engagierten jungen Menschen
  • eine Woche Wald, Wasser, Wiesen und Naturerfahrungen
  • eine Woche mit spannendem Input, Skillsharing und coolen Workshops
  • eine Woche Seele baumeln lassen und abschalten
  • eine Woche Spaß, Quatsch und Geselligkeit

So stellen wir uns unsere Sommerfreizeit vor und hoffentlich bist du dabei! Wir sind vom 07.- 12. August in der Jugendfreizeitanlage Meudelfitz in der Nähe von Hitzacker (Elbe).


JANUN Festival

Das JA!NUN Festival findet vom 19. - 21. August in Bissel in der Nähe von Oldenburg statt und wird von unserem Dachverband „Janun“, dem Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen, organisiert. In verschiedenen Workshops kannst du dich über Klimagerechtigkeit, gesellschaftliche Vielfalt und Diskriminierungsstrukturen wie zum Beispiel Sexismus und Rassismus weiterbilden. Außerdem wird es wie immer ein buntes Rahmenprogramm und viel Platz für Kreativität, Musik und Spaß sowie Mitmachaktionen geben. Wir freuen uns wieder auf ein Zusammenkommen, gemeinsames Vernetzen und Voneinander-Lernen.


Termine

Vielradtour
16. Juli 2022, Steinhuder Meer

International Park(ing) Day
16. September

Weitere Termine: www.bundjugend-niedersachsen.de



Aktiv

BUND-Gruppe Cuxhaven: Natur macht Spaß

Bei der Anlage eines neuen Hochbeetes im BUND-Garten halfen Groß und Klein fleißig mit. Foto: BUND-Cuxhaven Bei der Anlage eines neuen Hochbeetes im BUND-Garten halfen Groß und Klein fleißig mit.  (BUND-Cuxhaven)

Der gelbe Bauwagen lädt verlockend zu einer Pause ein. Doch im BUND-Garten in Hechthausen müssen noch einige Quadratmeter entkrautet und für die Aussaat einer neuen Blumenwiese vorbereitet werden.

Eleonore Lemke steht voller Tatendrang in einer Gruppe von Kindern und Erwachsenen und verströmt gute Laune. Mit Witz erklärt die Vorsitzende des BUND Cuxhaven die Aufgaben und gibt Tipps, wenn es beim Gärtnern noch hakt. Alle wuseln durcheinander, doch mit der Zeit nehmen die Beete Form an. In den Hochbeeten gedeihen bereits die ersten Gemüsepflanzen. Auch an den ringsum verteilten Nisthilfen und Gehölzen ist jetzt im April schon reger Betrieb von Wildbienen.

Vor 6 Jahren hat der BUND Cuxhaven diesen Mitmach-Garten in der Nähe von Hechthausen mit Unterstützung von Geflüchteten aus Afghanistan angelegt. Auf 1.000 Quadratmetern zeigen die BUND-Aktiven, wie man naturnah gärtnert. Eleonore Lemke ist zudem vielerorts im Landkreis in Kindergärten und Grundschulen unterwegs, informiert dort über Tiere im Boden, Plastikmüll im Meer und Klimaschutz. In Otterndorf und Cuxhaven säubern Aktive Strände von Müll und klären Tourist*innen über die Folgen von Mikroplastik und Meeresspiegelanstieg auf.

Auch im kommunalen Bereich will der BUND im Landkreis mehr Artenvielfalt fördern: Mitten in Hechthausen wurde eine Blumenwiese angelegt, Spielplätze im Umland mithilfe von Familien zu ökologischen Nischen weiterentwickelt. Viele Jahre gab es rund um den BUND-Garten auch eine Kindergruppe. „Im zweiten Lockdown sind uns jedoch die Aktiven weggebrochen, daher machen wir jetzt einen Neustart“, sagt Lemke. Die 72-jährige brennt für die Umweltbildung junger Menschen. „Mehr helfende Hände wären schön, denn der Landkreis ist groß.“

50 Kilometer entfernt sitzt Norbert Welker in seinem Büro und tippt eifrig in die Tasten. Zu vielen Umweltthemen ist die Einschätzung der BUND-Gruppe gefragt: rechtswidrige Baumfällungen an Gewässern, das geplante Holzkraftwerk Cuxhaven, Anträge für große Solarparks auf Ackerflächen oder die Deponie für Bauschutt, der aus dem Rückbau des AKW Unterweser stammt. Auch Themen aus Nachbarbundesländern beschäftigen ihn – wie der Bau eine neuen Fähranlegers in Glückstadt oder die geplante Verklappung von Hamburger Hafenschlick direkt vor der niedersächsischen Küste im Nationalpark Wattenmeer. Nach massiven Protesten der Umweltverbände hat Hamburg die Verklappung vor Cuxhaven zwar vorerst aufgegeben. Die Ursache – nämlich die massiven Flussvertiefungen der Tideelbe – werden jedoch nicht angegangen. Der zweite Vorsitzende des BUND Cuxhaven bearbeitet diese und weitere Fachfragen, schreibt Stellungnahmen und diskutiert mit Politik und Verwaltung.

Norbert Welker, Eleonore Lemke und ihr Mann Lutz Bötcher sind ein eingespieltes Vorstandsteam, das seit langem die Belange von Natur und Umwelt im Landkreis vertritt. Schon seit Jahrzehnten engagieren sich die drei ehrenamtlich im BUND. Wieder mehr neue und jüngere Aktive für die Kreisgruppe zu gewinnen, ist das Ziel für die kommenden Jahre. Gute Ideen haben sie zuhauf. tm

Mitmachen

"Möchten Sie den BUND bei Pflegemaßnahmen oder Aktionen im Landkreis Cuxhaven unterstützen? Melden Sie sich gerne bei uns.

BUND-Cuxhaven.de

Blühstreifen für Insekten

 (Hans-Gerhard Kulp)

Der BUND Osterholz hat in den vergangenen Jahren an verschiedenen Wegrandstreifen in kommunalem Eigentum Blühmischungen eingesät und so Lebensräume für Insekten zurückgewonnen – oft mit Unterstützung von Landwirt*innen bei der Einsaat. Sie hatten die Wegraine in der Vergangenheit als Acker mitgenutzt.

Die BUND-Gruppe hat nun eine Untersuchung der Insektenfauna in Auftrag gegeben, um zu erfahren, wie effizient mehrjährige, ausdauernde Blühstreifen im Vergleich zu den üblichen einjährigen Blühmischungen sind, die bei Agrarumweltmaßnahmen angesät werden. Auf 9 Blühflächen wurde erfasst, welche Bedeutung die Blühmischung für verschiedene Tiergruppen hat, um daraus Empfehlungen für die Anlage von Blühstreifen abzuleiten.

Die Ergebnisse zeigen, dass mehrjährige Blühstreifen aus einheimischen Wildpflanzen ab dem zweiten Jahr deutlich artenreicher sind als einjährige. In den Blühmischungen mit Schmetterlingsblütlern wie Rot- und Hornklee sind die Artenzahlen, insbesondere gefährdeter Arten, am höchsten. Bei Wildbienen waren einjährige Blühmischungen beispielsweise nur mit 9 Arten besiedelt, mehrjährige mit bis zu 39 Arten. Wichtige Nektarpflanzen sind Natternkopf, Zaunwicke, Rundblättrige Glockenblume, Rainfarn, Färberkamille, Ferkelkraut und Herbst-Löwenzahn. Die Wildkräuter entwickeln sich besser bei der Herbstaussaat.

Durch Blühstreifen werden in erster Linie verbreitete Arten der Kulturlandschaft gefördert. Seltene und gefährdete Arten treten nur vereinzelt auf. Die Insektenbiomasse auf Blühstreifen ist im Vergleich zu Ackerflächen jedoch um ein Vielfaches höher. Wichtig ist, dass Blühstreifen mindestens 3 Meter breit und an Saumstrukturen wie Feldraine und Hecken angebunden sind. Zwischen Ackerschlägen sind Blühstreifen weniger arten- und individuenreich. Essentiell für Insekten sind neben dem Blütenangebot Nistmöglichkeiten im Boden, in Pflanzenstengeln oder im Holz.

Mit Regio-Saatgut und Blühmischungen aus ein- und mehrjährigen Arten hat der BUND Osterholz die richtige Wahl getroffen. Nun heißt es: Aufpassen, dass der Blühstreifen nicht untergepflügt wird.
Hans-Gerhard Kulp, osterholz(at)bund-weser-elbe.de



Leserbrief

 (Christian Riedl / Pixabay.com / Pixabay-Lizenz)

Gehölze richtig pflegen

Mit Ihrem Artikel aus dem Heft 1/2022 zur Gehölzpflege bin ich nicht einverstanden. Eine runde Wuchsform ist keinesfalls das anzustrebende Ziel beim Aufbauschnitt, sondern eine der natürlichen Form folgende, lichte Krone. Wasserschosser als überflüssige Triebe zu bezeichnen, ist in dieser Stringenz auch falsch. Diese sind nur auszudünnen, denn sie sind das Fruchtholz von morgen und die werdenden Äste, auf die in ein paar Jahren der zu lang gewordene Ast zurückgenommen werden kann. Stockschnitte finde ich persönlich katastrophal, weil die Sträucher dann mit einem Wuchs reagieren, der ihrer natürlichen Form nicht mehr entspricht: Es schießen lauter lange, gerade Stangen. Stattdessen sollte man konsequent jedes Jahr im Sommer immer ein paar der ältesten Äste möglichst am Boden abschneiden. So verjüngt sich der Strauch kontinuierlich aus der Wurzel und bleibt etwas kleiner als ungeschnitten. Und vor allem: Er behält seinen schönen natürlichen Wuchs!
Grit Lory, Salzhausen

Natürlich sollte die Pflege von Gehölzen an die arten- und landschaftsspezifischen Gegebenheiten angepasst sein und nicht pauschalisiert werden. Die Methode des Stockschnitts ist eine sehr radikale, die wenn überhaupt nur sehr sparsam eingesetzt werden sollte und nur bei Sträuchern, die diesen Schnitt auch vertragen. Entscheidend sind Höhe und Breite des Schnittes: Sofern er nur in kurzen Abschnitten und auf einer Höhe zwischen 50-70 cm erfolgt, kann er dazu beitragen, dass das Gehölz neu ausschlägt und es so zu einer Verjüngung der Heckenstruktur kommt. Durch das Stehenlassen einzelner höherer Bäume und Sträucher in der Reihe finden Vögel, Insekten und wandernde Tiere immer noch Nahrungs- und Nistplatz und können sich geschützt fortbewegen. Auch sind Wasserschosse nicht überflüssig, die Entnahme einzelner Wasser- und Konkurrenztriebe kann jedoch dafür sorgen, dass das Gewächs die Kraft in Leitäste und Fruchtbildung investieren kann.



Mitmachen

Für Moor und Klima

Zweimal wurde der Termin coronabedingt verschoben: Am 31. Mai 2022 soll nun endlich die Gerichtsverhandlung in Leipzig zur BUND-Klage gegen den Bau der Autobahn A 20 stattfinden.

Der BUND klagt gegen den Planfeststellungsbeschluss des ersten niedersächsischen Abschnitts, weil er den Bau aus Klima- und Naturschutzgründen ablehnt: Zahlreiche Schutzgebiete würden beeinträchtigt, Moorböden versiegelt und CO2-Emissionen deutlich gesteigert.

Vor Ort in Leipzig plant der BUND vom 29.-31. Mai zusammen mit anderen Umweltverbänden verschiedene Mitmachaktionen und Demos für eine Verkehrswende und mehr Klimaschutz. Informationen dazu finden Sie auf unserer Website. Unterstützen Sie unseren Protest gegen klimaschädliche Autobahn-Neubauprojekte! Kommen Sie nach Leipzig oder gestalten und schicken Sie uns Banner und Plakate mit Ihrer persönlichen Forderung. Alle Botschaften werden am 31. Mai vor dem Gerichtsgebäude ausgelegt, so dass eine riesige Protestfläche entsteht.

Mehr Infos

www.bund-niedersachsen.de/a20


Neu im BUND: Wespentelefon

Gallische Feldwespe. Foto: BUND / Michael Krelle Gallische Feldwespe  (BUND / Michael Krelle)

Der BUND Niedersachsen hat ein neues Service-Angebot für Bürger*innen eingerichtet: das BUND-Wespentelefon.

Im Netz findet man etliche Ratschläge bei Konflikten mit Wespen und Hornissen. Oftmals werden auch teure Beseitigungsmethoden angeboten, die keine Abhilfe bieten. Um ein konfliktfreies Miteinander zwischen Mensch und Tier zu erreichen, ist ein kompetentes Beratungsgespräch unerlässlich, in dem die Situation vor Ort berücksichtigt und auf persönliche Fragen und Sorgen eingegangen wird. Der BUND bietet von Mai bis November eine Erstberatung für Menschen in Niedersachsen an, die ein Wespen- und Hornissennest in ihrem Lebensbereich gesichtet haben. Diese Erstberatung kann über das BUND-Servicetelefon oder per E-Mail erfolgen.

BUND-Wespentelefon
Ihr Ansprechpartner: Michael Krelle
Mo-Fr: 10-12 Uhr und 15-17 Uhr
Tel. (0511) 965 69 – 24
wespeninfo(at)nds.bund.net
www.bund-niedersachsen.de/wespeninfo


Termine

22.05.: Sternfahrt & Umzingelung von Schacht Konrad
Salzgitter

29.-31.5.: Protestaktionen anlässlich A20-Verhandlung
Leipzig

10.-12.6.: Besuchen Sie unseren BUND-Stand am Tag der Niedersachsen!
Hannover

Mehr Infos und weitere Termine:

www.bund-niedersachsen.de/termine



IMPRESSUM

Herausgeber:

BUND Landesverband Niedersachsen e.V., Goebenstraße 3a, 30161 Hannover, Tel.: (0511) 965 69 - 0, Fax: (0511) 66 25 36, bund.nds(at)bund.net, www.bund-niedersachsen.de

Redaktion:

Dr. Tonja Mannstedt (tm)
Tel.: (0511) 965 69 31, Redaktion(at)nds.bund.net

Die nächste Ausgabe erscheint Mitte August 2022.

Der BUND Niedersachsen benötigt für seine Arbeit über die Mitgliedsbeiträge hinaus Ihre Unterstützung. Bitte überweisen Sie Ihre Spende auf das Konto der Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE76 2512 0510 0008 4984 04
BIC: BFSWDE33HAN

oder spenden Sie über unser Online-Formular.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Spenden sind steuerlich absetzbar.

 

BUND-Bestellkorb