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BUND Landesverband Niedersachsen

Unser Tipp im Februar: Die frühe Erle

Erle im Frühjahr. Foto: Ruth Paschka Erle im Frühjahr. Foto: Ruth Paschka

"Wer reitet so spät durch Nacht und Wind, es ist die Else mit ihrem Kind." Oder wie war das noch? Natürlich war es der Vater mit seinem Kind, jedoch hat die Else oder auch Erle in Form des Erlkönigs eine bedeutende Rolle in Goethes Ballade. Nicht nur an Bekanntheit sondern auch an Trivialnamen ist die Erle reich: Alder, Eila oder auch Otterbaum sind nur einige von ihnen.

Alnus glutinosa, die Schwarzerle, gehört zu den Birkengewächsen und ist leicht an ihrer dunklen schuppigen Borke und den an der Spitze abgerundeten, eingekerbten Blättern zu bestimmen. Männliche und weibliche Blüten, die auch als Kätzchen bezeichnet werden, befinden sich auf einem Baum (Monözie) und werden durch den Wind bestäubt. Während des Heranwachsens verholzt der Fruchtstand zu einem erst noch grünen, später schwarzen Zapfen, welcher bis zum nächsten Frühjahr am Baum verbleibt.

Im Winter ist die Erle so sehr leicht erkennbar. Die winzigen Früchte sind schwimmfähig und werden durch Wasser und Wind verbreitet. Überhaupt – Wasser und Erlen sind unzertrennlich, sind es doch nasse Standorte, an denen die Erle einen besonderen Vorteil genießt, da sie auch unter Wasser Wurzeln bilden kann. Der benötigte Luftaustausch erfolgt über große Poren im Kork an der Stammbasis und nur lang anhaltende dauernde Überschwemmungen können zum Absterben des Baumes führen. Erlenholz ist extrem haltbar unter Wasser und in Folge dessen stehen Venedig und Alt-Amsterdam zum Teil auf Erlenstämmen.

Einen weiteren Vorteil erlangt die Erle durch ihre Symbiose mit einem Bakterium, welches in Wurzelanschwellungen beherbergt wird und den Stickstoff der Luft binden und für den Baum verfügbar machen kann. So können Erlen an nährstoffarmen feuchten Orten gedeihen. Die Leistung der Bakterien ist dabei erstaunlich: Werte von bis zu 200 Kilogramm in den Knöllchen gespeichertem Stickstoff pro Hektar und Jahr wurden errechnet. Die Erle kann daher im Herbst ihre Blätter grün abfallen lassen, da sie die Inhaltsstoffe nicht benötigt.

Als besonders zeitiger Frühblüher ist sie den Allergiker*innen unter uns ein unliebsamer Begriff. Unbeliebt und unheimlich waren die Erlen zudem schon immer. Der sumpfige Standort, die dunkle Rinde und die Tatsache, dass die Erle zu bluten scheint, wenn der Baum gefällt wird (ein einfacher Oxidationsprozess) trugen zu ihrem Ruf als "Teufels-" oder "Hexenbaum" bei, welcher das Böse versinnbildlichte. Wo Erlen wuchsen, spukten laut dem Volksglauben Irrlichter, Dämonen und Elfen.

Im 6. Jahrhundert wurden Verurteilte aus der Gemeinschaft verstoßen, indem man vier Erlstäbe über dem Kopf des Verurteilten zerbrach und in verschiedene Richtungen warf. Darauf geht auch die heutige Redensart: "Über jemanden den Stab brechen" zurück.

Erst später fand die Erle Gnade in den Augen der Menschen. Durch ihre frühe Blüte wurde sie mit Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht und bewies ihre Nützlichkeit, indem sie fortan Warzen, Zahnschmerzen, Fieber und Maulwürfe vetrieb.

Heutzutage nutzen uns die Erlen und Erlenbrüche zur Verhinderung von Wassererosion, als Refugium für Schwarzstorch, Sumpfmeise, Sumpflappenfarn und Wasserfeder wie auch als Lebensraum für zahlreihe Falter- und Schmetterlingsarten.

Beobachtungstipp

Die Erle ist überall dort zu finden, wo der Boden feucht ist, sei es ein Niedermoor, Sumpf, Bachlauf oder See. Jetzt im Februar können sie die goldgelben männlichen und die rötlichen weiblichen Kätzchen blühen sehen und die Tiere, die die schaurig schöne Heimat der frühen Else bewohnen.

Alle Tipps zur Naturbeobachtung stammen von K. Schmiing (Diplombiologin).  

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