BUND Landesverband Niedersachsen

Giftfalle „bienenfreundliche Pflanzen“: BUND findet Pestizidrückstände in Zierpflanzen

20. Mai 2021

Bei Pflanzen für Wildbienen auf pestizidfreie Mischungen achten! Foto: Klaus Kuttig

Anlässlich des Weltbienentags hat der BUND Blühpflanzen auf Pestizidrückstände untersucht und zahlreiche Belastungen bei als „bienenfreundlich“ beworbenen Gewächsen nachgewiesen. Gemeinsam mit einer österreichischen Partnerorganisation hat der BUND in Bau- und Möbelmärkten sowie Gartencentern in Deutschland und Österreich 35 bienenfreundliche Pflanzen erworben und von einem unabhängigen Labor auf Rückstände von Pestiziden überprüfen lassen.

Das Ergebnis: 40 Prozent aller Proben enthielten hoch bienengiftige Pestizide, 9 Proben sogar mehr als ein für Bienen hochgiftiges Pestizid. Insgesamt wurden 55 unterschiedliche Pestizidwirkstoffe nachgewiesen, 12 davon sind besonders gefährlich für Honig- und Wildbienen. Fast alle belasteten Proben wiesen Mehrfachrückstände auf, ein Männertreu war sogar mit 19 unterschiedlichen Wirkstoffen verunreinigt. Nur drei Proben waren unbelastet. Und 40 Prozent der Pflanzen enthielten Pestizide, die zum Zeitpunkt des Kaufs keine Zulassung in der EU hatten.

„Unser Test zeigt: Die momentane Praxis im Zierpflanzenanbau ist katastrophal für Bienen und andere Insekten“, sagt Corinna Hölzel, Pestizid-Expertin beim BUND. „Verbraucher*innen wollen Bienen retten und das Insektensterben stoppen. Sie kaufen Blühpflanzen, die vom Handel als bienenfreundlich angepriesen werden. Allerdings können Pflanzen wie Margeriten, Lavendel oder Lupinen durchaus Rückstände bienengefährlicher Pestizide enthalten. Bienen nehmen diese schädlichen Insektengifte über Nektar und Pollen auf, so wird die gut gemeinte Bienenrettung zur Giftfalle.“

Globale Gefahr
Europäischer Zierpflanzenbau geschieht in großem Stil auf Kosten des globalen Südens, woher die Mehrheit der Jungpflanzen stammt. Dabei werden Pestizide, die in der EU aus gutem Grund verboten sind, in den Produktionsländern wie Kenia oder Kolumbien eingesetzt. Sie gefährden dort die Gesundheit von Arbeiter*innen sowie die Umwelt. Die Rückstände in den Pflanzen, die dann beim Endkunden landen, sind zwar gering, aber weiterhin gefährlich für die hiesigen Bestäuber. „Besonders erschreckend ist, dass vier der in Deutschland gekauften und beprobten Blühpflanzen gar nicht hätten importiert werden dürfen. Denn sie waren mit nicht zugelassenen Wirkstoffen belastet,“ so Hölzel.

Um das Insektensterben zu stoppen und Arbeiter*innen auf Blumenplantagen weltweit zu schützen, fordert der BUND auf EU-Ebene eine deutliche Reduktion des Einsatzes von Pestiziden und das Verbot von bienengefährlichen Wirkstoffen sowie strengere Kontrollen von Importware. Für Verbraucher*innen ist die beste Empfehlung, Bio-Pflanzen zu kaufen oder Zierpflanzen, die vollständig in der Region gezogen werden. 

Die vollständigen Ergebnisse und den Bericht zum Zierpflanzentest finden Sie unter www.bund.net/zierpflanzentest

Mitmachen: Insektenfreundliche Gärten

Seit April sammelt der BUND insektenfreundliche Klein-, Privat- und Schulgärten in einer interaktiven Mitmach-Karte. Schon mehr als 500 Gärten sind auf der Karte zu finden. Ziel ist ein großer Biotopverbund insektenfreundlicher Gärten, damit schutzwürdige Arten langfristig überleben: www.bund.net/garten

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