BUND kritisiert Auenstrukturplan und fordert ganzheitliches Auenmanagement für das Biosphärenreservat "Niedersächsische Elbtalaue"

10. August 2023 | Artenschutz (NI), Flüsse & Gewässer, Lebensräume, Wälder, Wald (NI)

Am Montag setzte der Niedersächsische Umweltminister Christian Meyer nach eigener Pressemitteilung den Auenstrukturplan für das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue in Kraft. Der BUND kritisiert den vorgelegten Fachplan als einseitig, denn er setzt fast ausschließlich auf die Beseitigung von Gehölzen, um den Abfluss von Hochwasser zu verbessern.

Susanne Gerstner, Landesvorsitzende des BUND Niedersachsen: „Der Auenstrukturplan wird den vielfältigen Herausforderungen an der Mittleren Elbe nicht gerecht. Es braucht ein ganzheitliches Konzept und Lösungen, die vorsorgenden Hochwasserschutz, Klimaschutz, Wasserrückhalt in der Landschaft und den Schutz unserer biologischen Vielfalt im Einklang umsetzen. Dies wird nur dann gelingen, wenn der Elbe wieder mehr Raum gegeben wird.“

Der vom Land vorgelegte Auenstrukturplan sieht vor, auf einem Abschnitt von 100 Elbkilometern fast 23 Hektar europarechtlich geschützten Auwald abzuholzen, um auf diese Weise Engstellen des Hochwasserabflusses zu beseitigen. Der BUND hat in seiner Stellungnahme zum Fachplan bemängelt, dass die geplanten Maßnahmen zu erheblichen Eingriffen in das europaweit geschützte Natura-2000-Gebiet führen. Zwar sieht der Plan vor, die Abholzungen durch die Neuanlage von Wäldern zu kompensieren. Doch bleiben viele entscheidende Fragen offen wie zum Beispiel die Verfügbarkeit geeigneter Flächen und die praktische Umsetzung. Auch bemängelt der BUND, dass bereits vor Jahren erfolgte Rückschnitte bis heute nicht vollständig ausgeglichen wurden. Zudem bleibt der Plan bezüglich einer notwendigen dauerhaften Pflege der Flächen zu vage. Der BUND befürchtet, dass die prognostizierten Effekte für den Hochwasserschutz in der Realität deutlich geringer ausfallen könnten.

Meike Kleinwächter, Leiterin des BUND-Auenzentrums: „Auwälder sind für den Erhalt der biologischen Vielfalt, den Wasserrückhalt in der Landschaft und für den natürlichen Klimaschutz von herausragender Bedeutung. Gleichzeitig gehören sie zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen in Deutschland. Auch im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue gibt es nur noch wenige Vorkommen. Sie zu erhalten und zu entwickeln, muss vorrangige Aufgabe des Biosphärenreservates sein.“

Der BUND fordert das Land daher auf, das im Plan angekündigte integrative und auf ökologische Optimierung zielende Auenentwicklungskonzept umgehend und ambitioniert anzugehen. Dabei müssen alle Möglichkeiten der Rückgewinnung von Überschwemmungsflächen genutzt werden. Denn die Rückverlegung von Deichen und die Wiederanbindung von Flutrinnen leisten einen wesentlichen Beitrag zu einem wirksamen und nachhaltigen Hochwasserschutz und bieten gleichzeitig Raum für die Entwicklung ökologisch wertvoller Auenwälder. Erfolgreiche Deichrückverlegungen an mehreren Flussabschnitten der Elbe belegen, dass so die Hochwasserscheitel erheblich reduziert und neue, wertvolle Auenlebensräume geschaffen werden können.

Susanne Gerstner: „Das länderübergreifende Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe gehört zu den weltweiten Modellregionen für nachhaltige Entwicklung. Es sollte Vorreiter sein, um langfristige Lösungen für Klima- und Naturschutz Hand in Hand zu entwickeln und dabei die Elbe länderübergreifend betrachten. Der BUND ist bereit, auch in Zukunft seinen Teil beizutragen.“

Hintergrund:
In den letzten Jahrzehnten sind an der der gesamten Mittelelbe durch den Deichbau und andere Maßnahmen zwischen 50 und mehr als 90 Prozent der natürlichen Überschwemmungsflächen verloren gegangen. Dies führte in der Vergangenheit immer wieder zu teils extremen Hochwasserereignissen, aber auch zu einem massiven Rückgang natürlicher Auenlebensräume wie Auenwälder.

Der BUND hat in enger Zusammenarbeit mit den Biosphärenreservatsverwaltungen bereits mehrere Maßnahmen zur Renaturierung der Elbe umgesetzt. Deutschlands erste große Deichrückverlegung bei Lenzen zeigte eindrücklich, wie Synergien zwischen Hochwasservorsorge und Naturschutz erzielt werden können. Das Projekt „Lebendige Auen für die Elbe“ entwickelte mit der Hohen Garbe nicht nur eine der wertvollsten Auenlandschaften der unteren Mittelelbe, sondern ermittelte in der Region auch erhebliche Potentiale für einen ökologischen Hochwasserschutz.

Auch das Bundesamt für Naturschutz weist in seinem aktuellen Positionspapier „Eckpunkte für einen vorsorgenden Schutz vor Hochwasser und Sturzfluten“ darauf hin, dass Deichrückverlegungen und die Anbindung von Flutrinnen zahlreiche Synergien zwischen Klimaschutz, der Verbesserung des Landschaftswasserhaushalts und der biologischen Vielfalt ermöglichen.

Weitere Informationen:
Zum BUND-Auenzentrum und den Projekten
Stellungnahme des BUND Niedersachsen zum Auenstrukturplan (PDF)
Eckpunkte für einen vorsorglichen Schutz vor Hochwasser und Sturzfluten (BfN)

Kontakt für Rückfragen:
Susanne Gerstner, Landesvorsitzende BUND Landesverband Niedersachsen, susanne.gerstner(at)nds.bund.net

Meike Kleinwächter, Leiterin BUND-Auenzentrum, meike.kleinwaechter(at)burg-lenzen.de

BUND-Pressestelle: Elisabeth Schwarz, Tel. (0511) 965 69 32, Mobil (01515) 33 111 88, presse(at)nds.bund.net, www.bund-niedersachsen.de

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