BUND-Proteste gegen Gipsabbau in Niedersachsen zeigen erste Erfolge - Land nimmt aktuelle Abbaupläne im Südharz zurück

23. September 2021 | Lebensräume, Gipskarst (NI), Umweltpolitik (NI)

Die Landesregierung hat ihre derzeitigen Pläne zur Ausweitung der Vorrangflächen für den Gipsabbau im Südharz aufgegeben. Dies geht aus einer schriftlichen Antwort auf eine aktuelle Anfrage der FDP-Fraktion hervor. Der Entwurf für das neue Landes-Raumordnungsprogramm (LROP) soll entsprechend überarbeitet, fast alle Erweiterungsvorschläge zurückgenommen werden.

Dazu Axel Ebeler, stellvertretender BUND-Landesvorsitzender: „Mit den massiven Protesten des BUND Niedersachsen, seinen Aktiven und Partnern vor Ort konnte ein wichtiger Teilerfolg für den Schutz der wertvollen Gipskarstlandschaft im Südharz erreicht werden. Nun muss der endgültige Ausstieg aus dem Gipsabbau folgen.“

Die Landesregierung hat nun schriftlich bestätigt, dass nach aktuellen Bedarfsüberprüfungen durch das LBEG kein akuter Handlungsbedarf zur Erweiterung der Vorranggebiete für Naturgipsabbau besteht. Der BUND fordert, dass auch künftig keine Abbauflächen über die bislang genehmigten Flächen hinaus zugelassen werden, denn nach dem aktuellen Entwurf des Landes-Raumordnungsprogramms darf auch außerhalb der Vorranggebiete abgebaut werden – das lehnt der BUND ab.

„Dieser erfreuliche Zwischenerfolg wird dauerhaft nur Bestand haben, wenn das Gipsrecycling und der Einsatz von Kunstgips in der Produktion massiv ausgeweitet werden“, betont Dr. Friedhart Knolle, BUND-Gipskarstexperte. „Auf diesen Feldern ist jetzt die Landesregierung gemeinsam mit den Ländern Thüringen und Sachsen-Anhalt, die ebenfalls Gipskarstgebiete im Südharz haben, am Zug. Niedersachsen muss seinen Beitrag leisten, um der Südharzer Gipskarstlandschaft eine touristische Zukunft als Biosphärengebiet zu geben.“

Der BUND hatte im September 2020 mit einem Gutachten umweltverträgliche Alternativen zum Gipsabbau aufgezeigt, mit denen Naturgips als Rohstoff ersetzt werden kann. Es belegt, dass ein Ausstieg aus der Verwendung von Naturgips bis spätestens 2045 möglich ist – trotz sinkender Mengen an REA-Gipsen durch den Kohleausstieg. Hierfür müssen alternative Baustoffe wie Lehm, Holz und andere nachwachsende Rohstoffe stärker gefördert und das Recycling von Chemiegipsen und Gipsprodukten besser regelt werden.

 

Hintergrund:
Aufgrund der Vielfalt an unterschiedlichen Lebensräumen ist der Harzer Gipskarst ein wichtiges Refugium vieler bedrohter Pflanzen- und Tierarten. Diese Lebensräume werden mit dem fortschreitenden Naturgipsabbau unwiederbringlich zerstört. Im Südharz sind bereits heute über 570 Hektar Fläche vom Gesteinsabbau betroffen, mehrheitlich durch Gipsabbau.

Mit Aktionen vor dem niedersächsischen Landtag und im Südharz sowie der Unterschriftenaktion „Harzer Gipskarst retten!“ brachte der BUND Niedersachsen über Monate hinweg seinen Protest gegen die Erweiterungspläne der Landesregierung zum Ausdruck. Im Oktober wird der überarbeitete Entwurf des Landesraumordnungsprogramms vom Landwirtschaftsministerium erwartet.

 

Weitere Informationen: www.bund-niedersachsen.de/themen/natur-landwirtschaft/harzer-gipskarst-retten/

Fotos: www.bund-niedersachsen.de/pressefotos

Kontakt:
Axel Ebeler, stellv. Landesvorsitzender, BUND Niedersachsen, axel.ebeler(at)bund.net
Dr. Friedhart Knolle, BUND-Gipskarstexperte und Vorsitzender BUND Westharz, Tel. (0170) 220 91 74

BUND-Pressestelle:
Dr. Tonja Mannstedt, Tel. (0511) 965 69-31, Mobil (0171) 359 86 76, presse(at)nds.bund.net, www.bund-niedersachsen.de

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