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Landesraumordnung gefährdet Moorschutz und Klimaziele - BUND fordert Nachbesserungen

26. Januar 2016 | Moore (NI), Umweltpolitik (NI)

Moor. Foto: Ruth Paschka

Am Mittwoch, 27. Januar 2016, beginnen die Erörterungstermine zum zweiten Entwurf des vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium vorgelegten Landesraumordnungsprogramms (LROP). In Hildesheim, Braunschweig, Osnabrück, Oldenburg und Lüneburg wird über die abgegebenen Stellungnahmen gesprochen. Der BUND Landesverband Niedersachsen und seine Kreisgruppen haben umfassend zu Umwelt- und Naturschutzthemen des überarbeiteten Entwurfs Stellung genommen. Die zentrale Kritik richtet sich vor allem gegen die Verschlechterungen beim Schutz der Moore und die Aufgabe der ursprünglichen Ziele zur Moorentwicklung im Gegensatz zum ersten Entwurf des LROP.

"Das Landwirtschaftsministerium hat leider sehr große Zugeständnisse gegenüber der Torfindustrie gemacht. Damit wird der dramatische Anstieg der Treibhausgase ignoriert und dies steht im Widerspruch zu den ambitionierten Zielen des Klimagipfels in Paris", so Dr. Reinhard Löhmer, stellvertretender Vorsitzender des BUND Niedersachsen. "Die Fortführung des Torfabbaus über die bereits genehmigten Flächen hinaus lehnen wir ab.“

Die Torfböden der Moore können hervorragend Kohlenstoff speichern und haben aus diesem Grund eine besonders große Bedeutung für das Erreichen der Klimaziele. Durch intensive landwirtschaftliche Nutzung von Moorböden und durch Torfabbau werden dagegen große Mengen an Treibhausgasen freigesetzt. Torferhaltung spielt deshalb für den Klimaschutz eine herausragende Rolle. Trotz dieser Kenntnis wurden die Vorranggebiete für Torferhaltung um mehr als die Hälfte von rund 100.000 ha auf nur 40.000 ha reduziert. Der BUND bedauert außerdem, dass die Moorentwicklung und damit die Chance, kostengünstig klimaschädliche Gase zu speichern, vollkommen aufgegeben wurde.

Ebenso bedauerlich ist, dass entgegen der Aussage im rotgrünen Koalitionsvertrag nunmehr wieder Vorranggebiete für Torfabbau in das LROP aufgenommen wurden. Im Koalitionsvertrag wurde vereinbart, „aus Gründen des Klima- und Naturschutzes gänzlich auf Vorranggebiete für den Torfabbau verzichten“. Dies ist im vorliegenden Entwurf nicht zu erkennen.

Zur Erreichung der Klimaziele müssen in einem 2016 verabschiedeten LROP neue Wege im Umgang mit Moorschutz und Torfersatz beschritten werden. Hier werden vom BUND der Anbau von Paludikulturen und das Torfmoosfarming genannt. Der Import von Torf vor allem aus dem Baltikum als Alternative wird vom BUND abgelehnt, weil dort ebenfalls höchst wertvolle Moore zerstört werden, was den globalen Klimazielen entgegensteht.

In der vorgelegten Stellungnahme des BUND werden auch der Bau der A 20, weil dadurch 80 Prozent der geplanten Trasse organische Böden versiegeln würde, und der unzureichende Biotopverbund kritisiert.

Die Bedeutung des LROP sollte nicht unterschätzt werden. Hiermit werden wichtige Prozesse und Weichenstellungen für die Zukunft in Gang gesetzt. Die involvierten Akteure und der Minister werden aufgefordert, gemeinsam Lösungen zu finden. Der BUND bringt sich dabei gern konstruktiv ein. Das Niedersächsische Torfersatzforum, das vom hiesigen Landwirtschaftsministerium gegründet wurde, kann dazu ein erster Schritt sein.

 

HINTERGRUND

Wie hängen Klimaschutz und Moorerhalt zusammen: Wie alle Pflanzen binden Torfmoose beim Wachsen Kohlenstoff in Form von CO2. Während andere Pflanzen beim Absterben den Kohlenstoff wieder an die Atmosphäre abgeben, bleibt dieser in den Torfmoosen gebunden, weil sie sich unter Wasser kaum zersetzen. Die Entwicklung von Mooren stellt folglich eine äußerst effektive und kostengünstige Form des Klimaschutzes dar. Moore bedecken nur drei Prozent der Erdoberfläche, speichern jedoch fast ein Drittel des erdgebundenen Kohlenstoffs. Werden Moore entwässert oder wird der Torf abgebaut, dann wird der gespeicherte Kohlenstoff in Form von CO2 wieder freigesetzt und beeinflusst das Klima nachteilig. Ein Hektar naturnahes Moor spart jährlich neun Tonnen CO2. Das ist ungefähr so viel, wie jeder Mensch in Deutschland durchschnittlich pro Jahr verursacht.

Paludikulturen: Nutzung von Vegetation auf nassem Torf, der als Stoffsenke erhalten bleibt.

Torfmoosfarming: Torfmoose werden auf nassem Weißtorf (Torf mit noch schwacher Zersetzung der Torfmoose, daher hohe Wasserspeicherung) kultiviert, in 3-5 jährigen Abständen geerntet und als Substratersatz für die Erdenhersteller verwendet. Vorranggebiete: Gebiete, die für bestimmte raumbedeutsame Funktionen reserviert sind.

Alle Nutzungen müssen mit der vorrangigen Nutzung dieser Gebiete vereinbar sein.

Rückfragen zum Thema an:

Dr. Marita Wudtke
Leiterin Naturschutz und Umweltpolitik
BUND Landesverband Niedersachsen
marita.wudtke(at)nds.bund.net

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