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BUND Landesverband Niedersachsen

Moorbrand zerstört einzigartiges Naturschutzgebiet - BUND erstattet Strafanzeige wegen fahrlässiger Brandstiftung

24. September 2018 | Artenschutz, Lebensräume, Moore

Der Moorbrand im Naturschutzgebiet „Tinner Dose-Sprakeler Heide“ bei Meppen hat sich auf mehr als 1.200 Hektar ausgedehnt. Aufgrund der zahlreichen Glutherde in der trockenen Torfschicht ist ein baldiges Ende nicht in Sicht. Auslöser waren Waffentests auf dem Schießplatzgelände der Bundeswehr, die das Naturschutzgebiet für militärische Erprobungen nutzt. Der BUND Niedersachsen hat heute aufgrund der weitreichenden Umweltschäden Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Brandstiftung, leichtfertiger Freisetzung von gesundheitsgefährdenden Luftschadstoffen und Gefährdung schutzbedürftiger Gebiete erstattet.

„Es ist unbegreiflich und unverantwortlich, dass bei dieser extremen Trockenheit und ohne ausreichenden Brandschutz in einem Schutzgebiet von europaweiter Bedeutung riskante Waffentests durchgeführt wurden“, empört sich Susanne Gerstner, Landesgeschäftsführerin des BUND Niedersachsen. „Die Verantwortlichen für diesen dramatischen Moorbrand müssen zur Rechenschaft gezogen werden.“ Der brennende Torf im Moor birgt Risiken für die Gesundheit von Anwohner*innen und Einsatzkräften durch hohe Rauch- und Feinstaubbelastungen, setzt große Mengen an klimaschädlichem CO2 frei und zerstört wertvollste und geschützte Lebensräume.

Das 3.955 Hektar große Natur- und Vogelschutzgebiet "Tinner Dose-Sprakeler Heide" ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“. Es ist das größte noch überwiegend intakte Hochmoor Niedersachsens. Prägend sind offene Hochmoorflächen, Moor- und Sandheiden, auf denen seltene Arten wie Korn- und Wiesenweihe, Schwarzkehlchen, Neuntöter und Bekassine brüten. „Das Schutzgebiet besitzt eine herausragende Bedeutung für bedrohte Vogelarten, seltene Schmetterlinge, Heuschrecken und Libellen. Durch den Brand gehen geschützte Lebensräume verloren, bodenlebende Arten wie Reptilien, Amphibien und Insekten werden dabei getötet“, so Susanne Gerstner.

Der BUND fordert ein, die dramatischen Ereignisse bei Meppen als Anlass zu nehmen, um den Umgang mit Mooren grundsätzlich zu hinterfragen: Denn der Kern des Problems ist die Jahrhunderte dauernde Entwässerung und Kultivierung von Mooren. Mit 3.800 Quadratkilometern Mooren ist Niedersachsen das moorreichste Bundesland Deutschlands. Rund 95 % der Moore sind jedoch durch Entwässerung stark degradiert. „Großflächig entwässerte Moore bergen ein wesentlich größeres Brandrisiko aufgrund der ausgetrockneten Torfschicht, auch geben sie erheblich mehr CO2 in die Atmosphäre als intakte, nasse Moore
ab. Der BUND fordert deshalb eine konsequente Renaturierung und Wiedervernässung von Mooren – damit ist sowohl dem Natur- als auch dem Klimaschutz gedient!“, so Susanne Gerstner.
 

HINTERGRUND:
Meteorologen vom Klimahaus Bremerhaven gehen davon aus, dass durch den Brand inzwischen mehr als 500.000 Tonnen CO2 in die Atmosphäre gelangt sind. Das entspricht dem CO2-Jahresverbrauch von 50.000 Menschen pro Jahr.

Etwa 73 % der deutschen Hochmoore und 18 % der Niedermoore liegen in Niedersachsen. Sie bedecken rund 8 % der Landesfläche. Davon werden 70 % landwirtschaftlich genutzt. Diese Nutzung führt dazu, dass Treibhausgase freigesetzt werden.

Rückfragen zum Thema an:
Susanne Gerstner
Landesgeschäftsführerin
BUND Landesverband Niedersachsen
Tel. (0511) 965 69 - 0
Susanne.gerstner(at)nds.bund.net

Pressekontakt:
Dr. Tonja Mannstedt
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
BUND Landesverband Niedersachsen
Tel. (0511) 965 69 - 31
tonja.mannstedt(at)nds.bund.net 

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