Nährstoffbericht zeigt: Viel zu viel Gülle, Hühnerkot und Gärreste - BUND fordert bessere Kontrollen des „Gülle-Tourismus‘‘ und Abkehr von der Massentierhaltung

16. März 2015 | Landwirtschaft, Umweltpolitik (NI), Wasser, Flüsse, Meere (NI), Flüsse & Gewässer

Der Nährstoffbericht 2013/2014, den das Landwirtschaftsministerium morgen vorstellt, zeigt: Die industrielle Landwirtschaft im Westen Niedersachsens erzeugt viel mehr Dünger, als die Flächen aufnehmen können. Dieser Nährstoffüberschuss belastet vor allem Grundwasser und Flüsse. Der BUND-Landesverband Niedersachsen fordert daher die Einschränkung der Massentierhaltung, eine stärkere Orientierung auf eine Kreislaufwirtschaft und schärfere Kontrollen.

Niedersachsens Viehställe und Biogasanlagen produzieren mittlerweile fast 60 Mio. t Dünger und Gärreste pro Jahr. Das sind 4,5 % mehr als 2012/2013. Das Problem konzentriert sich vor allem auf den Weser-Ems-Raum. In den Landkreisen Vechta und Cloppenburg beispielsweise fällt so viel Phosphor an, dass man rund ein Drittel mehr landwirtschaftliche Fläche bräuchte als derzeit, um ihn ordnungsgemäß zu entsorgen.

„Das Grundwasser unter 60 % Niedersachsens ist in einem schlechten Zustand und die Nitratbelastung steigt“, sagt Tilman Uhlenhaut, Landwirtschaftsreferent des BUND Niedersachsen. „Vor diesem Hintergrund kann die erneute Zunahme an landwirtschaftlichem Dünger nicht hingenommen werden. Wir brauchen eine Abkehr von der Massentierhaltung mit ihren verheerenden Folgen für Natur und Umwelt. Nährstoffüberschüsse müssen dort reduziert werden, wo sie entstehen. ‚Gülle-Tourismus‘ kann langfristig keine Lösung sein.“

Weil in den Zentren der Massentierhaltung viele Böden überdüngt sind, werden Gülle, Gärreste und Hühnerkot aufwendig per LKW in entfernte Regionen gebracht. Rund 80 % des Wirtschaftsdüngers, der überregional abgegeben wird, kommt aus dem Weser-Ems-Raum. „Bei rund 100.000 LKW-Fahrten, die für den Transport notwendig sind, ist es sehr schwer zu kontrollieren, ob Gülle und Gärreste tatsächlich immer ordnungsgemäß abgegeben werden oder nicht doch auf überdüngten Feldern um die Ecke entsorgt werden“, sagt Uhlenhaut. „Die Kontrollen müssen intensiviert werden.“ Deshalb unterstützt der BUND das Vorhaben des Landwirtschaftsministeriums, bei der Novellierung der bundesweiten Düngeverordnung bessere Kontrollen zu ermöglichen. „Die Behörden sollten vorhandenen Betriebsdaten, etwa aus Anträgen für EU-Förderung, nutzen dürfen“, fordert Uhlenhaut.

Rückfragen zum Thema an:
Tilman Uhlenhaut
Landwirtschaftsreferent
BUND Landesverband Niedersachsen
E-Mail: tilman.uhlenhaut(at)nds.bund.net

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