BUND Landesverband Niedersachsen

Unsicher und unrentabel: BUND lehnt Laufzeitverlängerung des AKW Emsland ab

28. Juli 2022 | Atomkraft, Energie, Energiewende

Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine stellt Deutschland vor große Herausforderungen bei der Energieversorgung. Aus der Debatte um Gasengpässe und kalte Wohnungen ist ein Szenario um einen drohenden Stromengpass geworden, in dessen Folge eine Laufzeitverlängerung der verbliebenen Atomkraftwerke debattiert wird. Das betrifft mit dem AKW Emsland in Lingen auch Niedersachsen.

„Die Debatte um eine Laufzeitverlängerung der letzten noch laufenden AKW ist politisch unverantwortlich und nicht nachvollziehbar“, sagt Susanne Gerstner, Landesvorsitzende des BUND Niedersachsen. „Aufgrund von unberechenbaren Sicherheitsrisiken hat Deutschland 2011 den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen und daran hat sich auch elf Jahre später nichts geändert. Im Gegenteil: Die AKW sind älter und haben eine Betriebsdauer von 30 Jahren allesamt überschritten. Sie weisen zum Teil erhebliche Sicherheitsmängel auf und sind störanfällig.“

Das bestätigt auch eine heute veröffentlichte Studie zur Sicherheit der noch laufenden AKW, die für den BUND erstellt wurde. „Erst kürzlich ist es aufgrund eines defekten Rohrs im AKW Emsland zu meldepflichtigen Ereignissen gekommen. Das zeigt uns, dass am Sicherheitskonzept des AKW gravierende Mängel vorliegen und es sofort vom Netz genommen werden muss“, so BUND-Atomexperte Bernd Redecker. „Wir weisen bereits seit 2021 darauf hin, dass eine gründliche Überprüfung der Dampferzeugerheizrohre dringend erforderlich ist. Doch trotz unserer Kritik ist dies bisher nicht erfolgt. Das ist fahrlässig und inakzeptabel.“

Seit 13 Jahren wurde das AKW Emsland nicht mehr umfänglich sicherheitstechnisch überprüft. Die letzte periodische Sicherheitsprüfung, die normalerweise alle 10 Jahre erfolgen, fand 2009 statt. Ein sicherer Betrieb der Reaktoren ist somit nach dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik nicht gewährleistet.

Die Sicherheitsrisiken und Kosten, die bei einer Laufzeitverlängerung der verbleibenden Atomkraftwerke anfallen, stehen in keinem Verhältnis zu den dadurch gewonnenen, vergleichsweise geringen Strom-Kapazitäten von ca. sechs Prozent des deutschen Strommix. Auch können so kurzfristig die erforderlichen Strommengen nicht zur Verfügung gestellt werden, da die notwendigen Brennelemente fehlen und frühestens im Winter 2023 verfügbar wären. Außerdem ist die Frage nach einer sicheren Atommüll-Lagerung noch lange nicht geklärt.

Der BUND fordert einen Atomausstieg auf ganzer Linie, die Anlagen der Urananreicherung in Gronau, die Brennelementefabrik in Lingen und Forschungsreaktoren eingeschlossen. Der Weiterbetrieb der AKW würde einen Rückschlag für die Energiewende bedeuten und die Umstellung auf Erneuerbare Energien behindern.

Weitere Informationen:
www.bund-niedersachsen.de/atom
Sicherheitsstudie des BUND
Der Uran-Atlas des BUND

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