Beim Kauf von Kleidung Greenwashing und Socialwashing erkennen

16. Mai 2023 | Mitmachen (NI)

Die Modeindustrie verursacht schätzungsweise vier bis zehn Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Sie hat einen hohen Ressourcenverbrauch und steht als Branche symbolisch für Ausbeutung. Viele Menschen möchten das ändern und achten beim Kauf auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Doch der Dschungel an Informationen bietet genug Raum für Irreführung. Ceren Yildiz, Expertin für Umweltschutz in Lieferketten beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), erklärt Ihnen, worauf Sie beim nächsten Einkauf achten können.

 (Jarmoluk / Pixabay.com / Pixabay-Lizenz)

Für ein nachhaltigeres Marken-Image werden oft Fakten verdreht oder gar Unwahrheiten genutzt. Das nennt man Green- oder Socialwashing. Wie durchschaue ich falsche Nachhaltigkeitsversprechen?

Grundsätzlich hilft eine kritische Einstellung, die man sich erst einmal antrainieren muss. Werbebotschaften können die tatsächlichen Zustände verschleiern. Die Modeindustrie ist angewiesen auf Marken und deren Image. Hält die Marke, der man bisher vertraut, überhaupt die Versprechen oder geht man nur davon aus? Ist die Botschaft möglichst konkret und enthält sie Fakten? Verweist das Unternehmen auf weiterführende Informationen, ist dies auch ein gutes Zeichen. Aufpassen sollte man bei den Wörtern „natürlich“ und „vegan“. Viskose ist zum Beispiel „natürlich“. Jedoch ist das Herstellungsverfahren umweltschädlich, denn die Produktion erfordert viel Energie und Chemie. Vegane Produkte können auch auf Erdöl basieren und daher das Klima anheizen.

Wichtig ist, dass „nachhaltig“ nicht einfach einen umweltfreundlichen Herstellungsprozess meint. Nachhaltig ist ein Unternehmen nur dann, wenn es umweltverträglich UND sozial ist. Es muss weltweit Fairness gegenüber den Arbeiter*innen entlang der Lieferkette sicherstellen. Dazu gehören existenzsichernde Löhne, ein hoher Arbeitsschutz und Respekt vor Gewerkschaftsrechten. Deswegen sind unternehmerische Sorgfaltspflichten, die Zulieferer und Entsorger in den Blick nehmen, so wichtig.

Zertifikate und Siegel können die Kaufentscheidung erleichtern. Der derzeitige Dschungel an Logos hilft aber selten konkret weiter. Manche Hersteller nutzen das aus und kreieren frei erfundene Gütesiegel. Wenn man ein Label entdeckt, das auf ökologische oder soziale Standards verweist, so sollte man das unbedingt prüfen.

Jetzt haben wir viel über die Tricks der Branche gesprochen. Woran erkenne ich nun nachhaltige Kleidung?

Zwischen ernstgemeinten Bemühungen und falschen Versprechen zu unterscheiden, ist für Verbraucher*innen schwierig. Wenn es um die konkrete Kaufentscheidung geht, können einige Indizien bei der Bewertung des Nachhaltigkeitsversprechens helfen.

Dazu gehört auch der Preis. Nachhaltige Mode zu einem Dumpingpreis ist unmöglich. Fair produzierte Mode gibt es aber auch im mittelklassigen Preissegment. Diese ist mitunter günstiger als so manche bekannte Marke, die man aus den Einzelhandelsgeschäften der Fußgängerzone kennt. Denn es gilt: Ein vergleichsweise hoher Preis bedeutet mitnichten, dass das Produkt nachhaltig hergestellt wurde.

Ein weiteres Indiz ist, wie viele Kollektionen das Bekleidungsunternehmen auf den Markt wirft. Hersteller von Fast Fashion haben mitunter dutzende Kollektionen pro Jahr. Da hilft dann auch eine Linie aus Biobaumwolle nicht.

Online-Shopping bietet den Vorteil, dass man sich vor dem Kauf ausführlich mit den Nachhaltigkeitsversprechen auseinandersetzen kann. Aber auch im Laden sollte man sich kurz die Zeit nehmen, mit einem mobilen Gerät Aussagen zu prüfen. Auf der Website von Unternehmen ist meist ein Nachhaltigkeits- oder Umweltbericht zu finden. Diese können sehr aufschlussreich sein und den Blick auf die reinen Fakten lenken. Je transparenter und detaillierter die Berichte ausfallen, desto glaubwürdiger sind die Aussagen der Unternehmen in der Regel.

Man kann auch digitale Tools wie etwa den Fashion Checker nutzen. Dieses Tool bewertet Bekleidungsunternehmen mit Blick auf ihre Sozialstandards.

Letztendlich aber bewirken Kaufentscheidungen in einem unterregulierten Markt nur wenig Änderungen. Wir benötigen aktive Gesetzgeber, die Bekleidungsunternehmen Regeln auferlegen. Veränderungen kann man in einer Demokratie auch aktiv einfordern.

Gibt es andere Alternativen zur Neuanschaffung?

Second Hand und Tauschbörsen sind die Klassiker und erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit. Nähen und Flicken verlängert die Lebensdauer von Kleidung. Für den kommenden Sommer kann man aus alten Klamotten einfach Neue machen. Die Jeans bekommt so als Shorts ein zweites Leben. Den Kleiderschrank zu entrümpeln und sich einen Überblick zu verschaffen hilft auch. Oft lassen sich so alte Schätze finden und Neukäufe vermeiden.

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