BUND Landesverband Niedersachsen

LNG ist eine Sackgasse

Verflüssigtes Erdgas (kurz LNG) ist - besonders wenn es durch Fracking gewonnen wird - extrem klimaschädlich. Dennoch will Deutschland dieses im großen Stil einführen und die dafür erforderliche Infrastruktur aufbauen. An der Nord- und Ostsee sind Terminals für die Anlandung und Speicherung von Flüssigerdgas aus Ländern wie Katar, USA und Kanada geplant. Niedersachsen ist von möglichen LNG-Terminals betroffen. Der BUND lehnt den Aufbau dieser neuen fossilen Infrastruktur ab.

Bundesregierung und Bundesrat haben im Sommer 2019 grünes Licht für den Aufbau einer neuen fossilen Infrastruktur in Deutschland gegeben: dem Bau von Terminals für verflüssigtes Erdgas (kurz LNG für liquified natural gas). Sie sollen vorrangig für den Import von US-amerikanischem Fracking-Gas genutzt werden und alternative Importquellen zu russischem Pipeline-Gas darstellen. Niedersachsen kommt dabei besonders als Standort für LNG-Terminals in Frage: Neben Brunsbüttel und Rostock sind Anlagen in Stade und Wilhelmshaven geplant. Eine staatliche Förderung in Millionenhöhe und die LNG-Infrastrukturverordnung ermöglichen dies. Die Kosten liegen zwischen 450 und 850 Millionen Euro pro LNG-Terminal – weitgehend finanziert durch die Allgemeinheit.

Der BUND Niedersachsen lehnt den Ausbau dieser klimaschädlichen Technologie ab und fordert, die Förderung und den Bau neuer LNG-Terminals umgehend zu stoppen. Dazu hat der BUND als Teil des Klimabündnisses bereits im März 2019 umfassend Stellung genommen. Der Aufbau dieser Terminals widerspricht den Zielen des Klimaschutzes und ist energiewirtschaftlich unsinnig. Heutige Investitionen sollten angesichts der Klimakrise und der notwendigen Umstellung auf Erneuerbare nicht in eine neue fossile Infrastruktur fließen, sondern in Anlagen zur erneuerbaren Wärmeerzeugung, in Power-to-Gas-Technologien und energieeffiziente Gebäude.

Aufgrund des langen Investitionszeitraums und einer Nutzungsdauer von bis zu 50 Jahren kann bei LNG-Terminals nicht von einer Brückentechnologie gesprochen werden. Der Bau solcher Terminals gefährdet das Erreichen der Klimaziele von Paris: Damit diese eingehalten werden, muss Deutschland deutlich vor 2050 treibhausgasneutral werden und den Einsatz von Erdgas heute schon absehbar begrenzen.

Energiewirtschaftlicher Irrsinn

Auch aus energiewirtschaftlicher Sicht ist ein Ausbau der LNG-Technologie unsinnig: Deutschland hat bereits heute ausreichende Pipeline-Kapazitäten. Der künftige Erdgasbedarf wird immens überschätzt: Nach Auffassung von Wissenschaftler*innen und energiewirtschaftlicher Institute – wie beispielsweise das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung – wird sich der Gasbedarf bis Ende 2035 halbieren. Es besteht somit bis dahin kein zusätzlicher Bedarf an LNG-Terminals.

Die Öffnung deutscher Häfen für den LNG-Import wird vor allem als Geste gegenüber der US-Administration bewertet: Fracking-Gas aus den USA soll nach Deutschland importiert werden soll, um im Gegenzug Strafzölle auf deutsche Autoexporte in die USA zu verhindern. Die fehlende Rentabilität dieser Vorhaben bestätigt indes auch die Entscheidung von Uniper im November 2020, kein LNG-Terminal mehr in Wilhelmshaven bauen zu wollen. Der Konzern hatte nach zahlreichen Protesten eine Neuausrichtung des Projektes angekündigt. Ein riesiger Erfolg für den Klimaschutz!

Schädlich für Klima und Umwelt

Öl- und Gasfeld in Wyoming.  (Jonah May / EcoFlight)

Die LNG-Technologie ist sehr energieintensiv. Denn hierbei wird das Gas nach der Förderung aus dem Boden über Pipelines an Häfen transportiert, wo es mit einem großen Energieaufwand von 10-25 % seines Energiegehalts abgekühlt und verflüssigt wird. Schiffe transportieren das verflüssigte Erdgas an Häfen mit LNG-Terminals, wo es erneut in Pipelines eingespeist wird. Zur Einspeisung ins Erdgasnetz muss das Gas wieder erwärmt werden, was mit einen weiteren Energieaufwand von 1-2 % verbunden ist. CO2-Emissionen treten sowohl bei der Produktion des Gases am Ursprungsort, bei der Verflüssigung, beim Transport als auch bei der Umwandlung des flüssigen Produkts in Gas auf.

LNG aus Fracking-Gas ist im Gegensatz zu Pipelinegas noch belastender für das Klima – die Klimabilanz ist sogar noch schlechter als für Steinkohle! Denn der Methanschlupf von Erdgas aus Fracking-Verfahren ist deutlich höher als bei konventioneller Förderung. Methan ist als Treibhausgas bezogen auf einen Zeitraum von 100 Jahren 30mal klimaschädlicher als Kohlendioxid, bezogen auf 20 Jahre sogar 87mal schädlicher. Sein Ausstoß muss daher dringend vermieden werden.

Bedenklich ist die Gewinnung von Fracking-Gas auch aus Naturschutzsicht: Fracking verursacht große Umweltschäden und ist daher in Deutschland verboten. Es besteht dabei die Gefahr, dass Grundwasser und Oberflächengewässern durch die hochgiftigen Chemikalien verunreinigt werden und Erdbeben in Fracking-Gebieten auftreten. Neben der Gefährdung von Grundwasser und Böden kommt ein erheblicher Wasserverbrauch hinzu.

BUND fordert ein Aus für LNG!

Mit einer Förderung fossiler klimaschädlicher Energieträger werden Umweltschäden billigend in Kauf genommen. Wirtschaftliche Interessen dürfen nicht über Mensch und Natur stehen. Der BUND fordert daher: Kein Bau und keine Förderung neuer LNG-Terminals in Deutschland! Ein Import von Fracking-Flüssigerdgas aus den USA lehnt der Umweltverband ab. Der BUND wendet sich zudem vehement gegen jegliche Bereitstellung staatlicher Fördermittel oder sonstiger Begünstigungen im Rahmen von Genehmigungsverfahren für die LNG-Technologie durch das Land, den Bund oder die Europäische Union, denn sie widersprechen dem Pariser Klimaschutzabkommen.

Alternative Wasserstoff?

Investoren stellen derzeit eine Nachnutzung der LNG-Terminals für Wasserstoff in Aussicht, um die hohen Investitionen in eine fossile Infrastruktur und die massiven staatlichen Förderungen zu rechtfertigen. Ob dies im Sinne der Energiewende möglich ist, ist derzeit noch vollständig ungeklärt. Zwar wäre das Gasnetz hierfür aus technischer Sicht grundsätzlich geeignet. Eine Nachnutzung erfordert aber einen umfassenden Umbau der Speicheranlagen, da sich LNG-Tanks nicht für eine Lagerung von Wasserstoff eignen.

Wichtiger ist aber, dass grüner Wasserstoff bisher nicht in industriellem Maßstab verfügbar ist. In Deutschland wird es vermutlich keine ausreichenden Herstellungskapazitäten von grünem Wasserstoff aus Ökostrom geben, da der hierzulande produzierte Strom direkt genutzt wird. Eine entsprechende Infrastruktur zum Import von Grünem Wasserstoff, beispielsweise aus sonnenreichen Gebieten wie Nordafrika, muss erst langfristig aufgebaut werden. Ein potenzielles Partnerland hierfür gibt es derzeit nicht. Auch ist der Import mit hohen Umwandlungsverlusten verbunden. Vage Pläne für eine nicht-fossile Nutzung von LNG-Terminals in unbestimmter Zukunft sind daher reine Augenwischerei.

Weitere Informationen finden Sie auch auf den Seiten der Deutschen Umwelthilfe (DUH) unter https://www.duh.de/lng/.

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