BUND Landesverband Niedersachsen

Phosphorgipse können Naturgips ersetzen

Bei der Herstellung von Phosphordüngern fallen riesige Mengen an Gips als Nebenprodukt an: Bei der Produktion von einer Tonne Phosphordünger sind das bis zu 5 Tonnen Gips. Da der Bedarf an Phosphatdüngern weltweit steigt, steigt auch die Produktion dieser Chemiegipse weltweit. Das ist von großer Bedeutung, weil sie zusammen mit einem verbesserten Gipsrecycling Naturgipse nahezu vollständig ersetzen können.

Das Potenzial ist enorm: Die weltweite Jahresproduktion der Phosphorgipse wird auf 100 - 280 Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt. Allein in Europa werden aktuell 14,1 Millionen Tonnen produziert, in Marokko weitere 27,4 Millionen. Hinzu kommen noch große bestehende Halden an ehemaligen Düngemittelproduktionsstätten in Spanien, Griechenland, Italien und anderen.

Derzeit werden Phosphatdünger an 23 Standorten in Europa produziert, fast alle in Nordost-, Ost- und Südosteuropa. Eine weitere aktive Produktionsstätte liegt in Belgien. Der enorme Anfall an Gipsen als Beiprodukt führt zur offenen Deponierung. Große Halden belasten damit weltweit Flächen, die sonst für Natur, Landwirtschaft oder Siedlung nutzbar wären. Warum werden diese Gipse nicht genutzt?

Das Ausgangsgestein für die Produktion von Dünger und Gips ist Phosphaterz. Es hat eine geringe natürliche Beimischung von radioaktiven Elementen. Je nach Gesteinsherkunft schwankt der Radionuklidanteil der Phosphaterze. Bei der Dünger-Herstellung werden diese natürlichen Radionuklide im Dünger und im Nebenprodukt Gips angereichert. Es gibt darunter Phosphorgipse, die sofort zu Baustoffen verarbeitet werden können wie beispielsweise in Belgien. Hier stellt die Firma Knauf Putzgipse aus Phosphorgips her.

Andere Chargen Phosphorgipse, die höhere natürliche Radionuklide aufweisen, müssten erst aufbereitet werden, um die Grenzwerte der europäischen Baustoffverordnung einzuhalten. Das ist technisch machbar, kostet aber. Und hier liegt das Problem: Solange Naturgips zum Nulltarif abgebaut werden darf, obwohl dadurch ein Hotspot der Artenvielfalt zerstört wird, solange der hohe Verlust an Artenvielfalt und intakten Biotopen nicht als Umweltsteuer auf den Gipspreis aufgeschlagen wird, wird die Aufbereitung von Phosphorgips oder der Griff auf andere ökologische Baustoffe wie Lehm, Holz oder Stroh nicht umgesetzt. Dabei könnten neben Putzen auch Platten, Estriche oder Zuschlag für Zement aus Phosphorgips hergestellt werden.

Eine genaue Beschreibung der Produktions- und Reinigungstechnologien für Phosphorgipse ist als Forschungsvorhaben des Bundes an die deutsche DMT GmbH &Co. KG vergeben worden. Hieraufhin hat dieses Unternehmen ein Verfahren zum Aussortieren der unbelasteten Phosphorgipse entwickelt und patentieren lassen. Eine Zusammenfassung des aktuellen Wissensstandes rund um Phosphorgipse finden Sie beim BUND unter:  www.bund-niedersachsen.de/alternativen-zu-naturgips/

Weitere Informationen zum Phosphorgips finden Sie auch auf den Seiten der Grünen Liga Deutschland.

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