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BUND Landesverband Niedersachsen

"Urwälder von morgen"

Die Bundesregierung hat beschlossen, 5 % der deutschen Waldfläche einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Dabei legt der Bund vor und stellt ein Fünftel seiner Wälder unter Schutz. Die einzelnen Länder müssen nun nachziehen und 10 % der Landesforste aus der Nutzung nehmen. Bei Privatbesitzern wird nur auf Freiwilligkeit gesetzt. Von welchen Wäldern sprechen wir, warum sollen sie einer natürlichen Entwicklung überlassen werden? Das fordert der BUND.

Ohne Eingriff des Menschen würden auf dem größten Teil der Fläche Deutschlands Buchenwälder wachsen. Heute sind diese weltweit stark gefährdet und bedürfen des Schutzes. Buchenwälder sind ein europäisches Phänomen und gelten als unser wichtigster Naturschatz. Seit 2011 sind sie UNESCO-Welterbe und wurden auf Grund ihrer Bedeutung für stark gefährdete Arten schon 1995 zum Biotop des Jahres gewählt.

Warum natürliche Waldentwicklung?

Buchen haben eine besondere Strategie: Im schweren Schatten der alten, mächtigen Bäume verharrt der junge, dünne Nachwuchs – er wächst nur wenige Zentimeter im Jahr. Stirbt ein alter Baum ab, gelangt Licht an den Boden. Diesen Zeitpunkt nutzen die jungen Buchen und wachsen mit aller Kraft – so lange, bis die alten Bäume die Lücke im Kronendach schließen und den Waldboden wieder verdunkeln. Nur wenige Baumarten können in diesem Schattenspiel bestehen und so dominiert die Rotbuche das Erscheinungsbild der nach ihr benannten Waldgesellschaften.

Es entstehen schattenreiche Wälder, die auf den ersten Blick sehr artenarm wirken. Doch der Eindruck täuscht! Gerade alte, ungestörte Buchenwälder beherbergen nach derzeitigem Kenntnisstand bis zu 10.000 Tierarten und über 4.000 Pflanzen- und Pilzarten, darunter viele gefährdete. Entwickeln sich die Wälder auf natürliche Weise, entstehen besondere Strukturen, die weiteren Lebensraum bieten. Das können beispielsweise aufrechte Wurzelteller oder abgebrochene Kronen sein. Totholz beherbergt Insekten, Pilze, Moose, Flechten, aber auch viele Wirbeltiere.

Und noch wichtiger: Natürliche Wälder mit viel Totholz sind wahre Klimaretter. Sie binden deutlich mehr Kohlenstoff als Wälder, in denen Holz geerntet wird. Denn dieses wird früher oder später verbrannt, so dass der Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangt. Totholz hingegen wird durch Kleinstlebewesen abgebaut, der Kohlenstoff somit langfristig im Boden gespeichert. Eine natürliche Waldentwicklung ist deshalb klimafreundlicher als eine Waldbewirtschaftung.

Wälder verbinden Leben

Größere, unzerschnittene Waldgebiete sorgen zudem für regen genetischen Austausch. Straßen und Siedlungen sind Störfaktoren in den Vermehrungsgewohnheiten der Waldbewohner. Das gilt sowohl für Tiere als auch für Pflanzen. Nur wenn sich Populationen immer neu vermischen, bleiben sie auf lange Sicht gesund. Das kommt auch der Forstwirtschaft zu Gute: Genetische Vielfalt ist Grundlage für die Anpassungsfähigkeit von Arten. Gerade im Zuge des Klimawandels ist Anpassung und Fitness der Waldbäume wichtiger denn je. Die besten Ergebnisse wird man von heimischen, sich seit tausenden Jahren hier entwickelnden Arten erwarten können.

Noch immer sind die Zusammenhänge in unseren Wäldern nur zu einem kleinen Teil erforscht. Uns erwarten noch spannende Erkenntnisse und Phänomene, von denen wir lernen können. Und nicht zuletzt sind natürliche Wälder einfach schön. Ein Genuss für Erholungssuchende, die dem Alltagsstress entfliehen wollen und den Puls im Wald herunterfahren können. Ein Ort der Ruhe, der seinesgleichen sucht.

Das Fünf-Prozent-Ziel

Die Bewirtschaftung von Wäldern steht der Biodiversität, also der Artenvielfalt, häufig entgegen. Bäume werden zumeist dann geerntet, wenn sie ihre höchste Wuchskraft erreicht haben. Im natürlichen Lebenszyklus eines Baumes sind sie zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht alt. Viele Arten, die im Wald leben, sind auf alte Bäume spezialisiert. Bei einer forstlichen Nutzung verlieren sie ihren Lebensraum. Eine natürliche Waldentwicklung ohne Holzernte ist für deren Überleben unabdingbar.

In der Naturschutz-Offensive 2020 plant das Bundesumweltministerium die Umsetzung des sogenannten „Fünf-Prozent-Ziels“. Hiernach soll sich der deutsche Wald auf 5 % seiner Fläche natürlich entwickeln dürfen. In diesen Gebieten ist eine forstwirtschaftliche Nutzung gänzlich untersagt.

Deutschland ist mit 11,4 Mio. Hektar zu etwa einem Drittel bewaldet. Knapp die Hälfte, 48%, ist in Privatbesitz. Die andere Hälfte teilt sich auf in Bundeswald (4 %), Landeswald (29 %) und Körperschaftswald (19 %). Der Bund hat bereits 20 % seiner Waldflächen unter Schutz gestellt. Der restliche öffentliche Wald von Ländern und Körperschaften soll auf 10 % seiner Fläche holznutzungsfrei gestellt werden. Ist dieses Ziel erfüllt, sind deutschlandweit etwa 5,6 % der Wälder aus der Bewirtschaftung genommen. Bei Privatwaldbesitzern wird auf Freiwilligkeit gesetzt.

Der BUND fordert

Die Schutzbemühungen der Bundesregierung sind begrüßenswert. Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail: Welchen Naturschutzwert haben sie? Wer sorgt für ihren Schutz? Und was passiert auf den übrigen Flächen? Das fordert der BUND:

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Vernetzung der Wälder

Wichtig ist, dass eine ökologische Vernetzung der Wälder sichergestellt wird. Nur so haben empfindliche Arten wie Wildkatze und Luchs wieder die Chance, sich auszubreiten.

 

Gesetzlicher Schutz

Der Schutz der Flächen muss gesetzlich abgesichert sein und sich innerhalb der Landeswaldgesetze sowie der Bundes- und Landesnaturschutzgesetze bewegen.

 

Naturnahe Forstwirtschaft

Das 5-Prozent-Ziel darf nicht zu einer weiteren Absenkung der ökologischen Standards in der forstwirtschaftlichen Praxis führen. Der Anteil naturnaher Forstwirtschaft muss weiter steigen und gesetzlich verankert werden.  

Keine Kosten für Eigentümer

Flächeneigentümern dürfen keine Kosten entstehen. Deren Finanzierung kann aus dem Waldklimafonds des Umwelt- und des Landwirtschaftsministeriums erfolgen.  

Anreize für Waldbesitzer

Im Privatwaldbesitzern Anreize zu geben, sollte der Vertragsnaturschutz der Landwirtschaft auf die Forstwirtschaft ausgeweitet werden. Zudem können seit 2017 zusätzliche Mittel aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung des Agrar- und Küstenschutzes (GAK), bezogen werden, beispielsweise für den Biotopverbund.  

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