Wildkatzenkorridore

Wildkatzen wandern. Hierbei bleiben sie am liebsten unentdeckt. Hindernisse, wie z.B. Straßen oder Gleise können für sie zu tödlichen Fallen werden.

Wildkatzenkorridore sind mit Bäumen und Sträuchern bepflanzte Verbindungen zwischen den einzelnen Lebensräumen. Sie dienen den Wildtieren, um von einem Waldgebiet in ein anderes Waldgebiet zu gelangen - und dieses möglichst ungefährdet und unbeobachtet.

Wildkatzen oder auch Luchse haben ein größeres Jagdrevier. Aber auch für die Erhaltung der Art und zur Vermeidung von Krankheiten ist es wichtig, dass die Rudel nicht unter sich bleiben oder dass Einzeltiere - wie bei der Wildkatze - für die Paarung einen weiteren Weg zurücklegen können und der genetische Pool dieser Art immer wieder aufgefrischt wird. So wird Inzucht vermieden.

Vielerorts müssen diese Korridore erst wieder geschaffen werden: über weite, offene Ackerflächen, über Landstraßen und Autobahnen, über Bahngleise und vielleicht um Ortschaften herum. Der BUND setzt sich seit Jahrzehnten für mehr Biotopverbund ein, um wandernde Tierarten vor Gefahren zu schützen und zu erhalten. Eine wichtige Maßnahme ist das Anpflanzen von neuen Wanderkoridoren. Nur mit Hilfe von vielen ehrenamtlichen Helfer*innen gelang und gelingt die Bepflanzung und Betreuung von Wildkatzenkorridoren.

Hier stellen wir Ihnen beispielhaft einige Wildkatzenkorridore vor, die der BUND Niedersachsen in den vergangenen Jahren mit Unterstützung zahlreicher Partner angelegt hat. Weitere sollen in Zukunft hinzukommen, den die Wildkatze braucht dieses grüne Netz zum Überleben.

Korridore in Niedersachsen

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Korridor bei Hameln zwischen Hameln-Fischbecker Stadtwald und Süntel

Dieser Korridor verbindet den Hameln-Fischbecker Stadtwald mit dem Süntel und ist Teil des niedersachsenweiten Wildkatzenwegeplans. Er bildet einen wichtigen Abschnitt der geplanten Verbindung zwischen dem Solling und der Lüneburger Heide.

Die Vernetzung erleichtert Wildkatzen aus Südniedersachsen den Weg in Richtung Norden und fördert gleichzeitig den Austausch zwischen bestehenden Teilpopulationen im Süntel und den umliegenden Wäldern. Die besondere Bedeutung des Hameln-Fischbecker Stadtwaldes wird auch durch die Ausweisung einer etwa 120 Hektar großen Fläche innerhalb des Gebietes als „Nationales Naturerbe“ durch das Bundesumweltministerium unterstrichen. Hier können Wildkatzen und viele andere Wildtiere ungestörte Rückzugsräume finden.

Der Korridor bindet vorhandene Landschaftsstrukturen gezielt ein. Am Süntel befindet sich beispielsweise ein ehemaliges Truppenübungsgelände, das heute als Naturschutzgebiet „Gelbbauchunke“ ausgewiesen ist. Direkt angrenzend wurde eine Fläche von 5.925 m² langfristig für die Vernetzung gepachtet. Im Rahmen eines Pflanzfestes wurden entlang einer etwa 400 Meter langen Wiese rund 6.000 heimische Sträucher und Bäume gepflanzt.

Aufgrund der extremen Trockenheit im Jahr 2018 mussten im darauffolgenden Jahr zusätzlich etwa 230 Sträucher nachgepflanzt werden, um den Bestand zu sichern.

Initiiert wurde diese Maßnahme von der BUND-Kreisgruppe Hameln-Pyrmont, die den Prozess weiterhin begleitet und unterstützt.

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Korridor zwischen Elm und Asse bei Lucklum (LK Wolfenbüttel)

Dieser grüne Korridor wurde im Jahr 2020 am westlichen Rand des Mittelgebirgszuges Elm bei Braunschweig angelegt. Er verläuft vom Elm in Richtung des Höhenzuges Asse und soll beide Waldgebiete miteinander verbinden.

Der Wildkatzenkorridor zwischen Elm und Asse stellt einen wichtigen Baustein auf dem Weg der Wildkatze in Richtung Lüneburger Heide dar und ist Teil des niedersächsischen Wildkatzenwegeplans vom Harz über die sogenannten „Trittsteine“ Oderwald, Asse und Elm (Klar et al. 2009).

Die Planung berücksichtigt zudem eine Aktualisierung der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Wolfenbüttel aus dem Jahr 2018. Dabei wurden noch vorhandene Gehölzstrukturen in der Region Lucklum in die Vernetzungsplanung einbezogen.

Sowohl im Elm als auch in der Asse wurden bereits Wildkatzen nachgewiesen. In diesen Wäldern wird derzeit eine Population von etwa 25 Tieren geschätzt. Eine bessere Verbindung zwischen Asse und Elm fördert den genetischen Austausch zwischen diesen bestehenden Teilpopulationen.

Der Gutsverwalter des Rittergutes Lucklum stellt dem Naturschutz Flächen zur Verfügung, die durch einen Baulasteintrag langfristig gesichert sind. Insgesamt werden rund 9.000 m² aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen und als etwa 13 Meter breiter Heckenstreifen bepflanzt.

Mit Unterstützung des BUND konnten zunächst die ersten 1.100 Meter des Korridors bepflanzt werden. Die Pflanzung erfolgte durch ein Fachunternehmen. In fünf Reihen wurden heimische Sträucher und Bäume im Abstand von jeweils 1,50 Metern gesetzt. Die Pflege der Fläche übernimmt in den kommenden Jahren die Untere Naturschutzbehörde.

Initiiert wurde die Maßnahme von der BUND-Kreisgruppe Wolfenbüttel, die den Prozess auch weiterhin begleitet und unterstützt.

Golmbach, Landkreis Holzminden

Hier wurden die Wälder "Hirschzunge" und "Weinberg" miteinander vernetzt. Die ersten Bäume wurden am 04.04.2011 gepflanzt.

Am 12.11.2011 wurden mehr als 2.000 Gehölze in den Boden gebracht. Mit tatkräftiger Unterstützung der BUND Kreisgruppen Holzminden, Hildesheim, Northeim, Braunschweig, der Landesgeschäftsstelle sowie der Bundsgeschäftsstelle, des Forstamts Neuhaus (Niedersächsische Landesforsten), der Jungjäger Holzminden, der Fußballjugend Golmbach, der NABU Holzminden und vielen Menschen aus der Region.

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Korridor zwischen Bodenwerden und Rühle

Die Verbindung von Vogler und Weser ist Teil eines landesweit bedeutsamen Nordsüd-Korridors (Klar 2009; Abb. 2) von den nordhessischen Wildkatzengebieten über Solling, Homburg, Vogler und das anschließende linksweserige Bergland zum Süntel und darüber hinaus weiter nach Norden und Westen. Von dort besteht Anschluss an die bundesweit bedeutsamen Korridore Hils und Ith. Gleichzeitig ist dieser Korridor für den Austausch und die Existenz der regionalen Populationen der angrenzenden Waldgebiete unverzichtbar.

Die Wälder des Voglers reichen bis auf 500 bis 1000 Meter an das Ostufer der Weser heran. Ausreichende Deckung ist dort nur im Sommerhalbjahr gelegentlich vorhanden. Durch Gehölze vorgegebene Leitlinien zwischen Weser und Vogler fehlen vollständig.

Westlich der Weser zwischen Bodenwerder und Rühle/Pegestorf ziehen sich steile, bewaldete Hänge hin. Am Hangfuß ist der Wald nur durch die Bundesstraße 83 und einen schmalen Auenstreifen von wenigen Metern bis gut 100 Metern Breite von der Weser getrennt. Aufgrund dessen ist es nicht unwahrscheinlich, dass schon jetzt gelegentlich Wildkatzen von Westen aus über die Weser wechseln (diese wird von Wildkatzen schwimmend durchquert). Eine Bewegung in umgekehrter Richtung ist dagegen unter diesen Bedingungen sehr viel schwieriger. Der Bereich dürfte damit zurzeit eher eine Einbahnstraße darstellen (Dörfer & Czyppull 2011).

Mit Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde Holzminden ist es im Rahmen der derzeit stattfindenden Flurbereinigung Rühle gelungen, bei der Neuzuteilung der Flächen einen Korridor zu schaffen. Dieser verläuft auf einer Länge von 680 Metern über Ackerland „vom Vogler bis zu Weser“. Die Gesamtgröße beträgt 0,66 ha, die Breite liegt zwischen 10 und 25 Metern. 

Im Einvernehmen mit den örtlichen Landwirten konnte im Herbst 2015 mit 650 heimischen Sträuchern und Bäumen bepflanzt werden. Tatkräftige Unterstützung bekam dabei der BUND durch das ansässige Forstamt Neuhaus und dem Waldpädagogikzentrum.

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Gerzen/Ahlfeld, zwischen Reuberg und Hils

120 Freiwillige pflanzen zweiten niedersächsischen Korridor für die Wildkatze

In der Nähe von Alfeld wächst jetzt der zweite Wildkatzenkorridor in Niedersachsen heran. 120 Freiwillige trotzten am Samstag, den 23. November 2013, knöcheltiefem Schlamm und pflanzten 2000 Bäume und Sträucher. Mit dabei war auch Landwirtschaftsminister Christian Meyer, Schirmherr des Niedersächsischen Wildkatzenprojekts.

Auf 1,6 Hektar zwischen Reuberg und Hils wachsen nun heimische Bäume und Sträucher. Sie werden in einigen Jahren Wildkatzen und anderen Tieren Schutz bieten, damit sie ungestört zwischen Waldgebieten wandern können. Der Korridor ist Teil des bundesweiten „Rettungsnetzes für die Wildkatze“ des BUND.

Tatkräftige Hilfe beim Pflanzen kam von Schulklassen der Oberschule Delligsen-Duingen, der Schulrat-Habermalz-Schule in Alfeld, der Niedersächsischen Waldjugend und zahlreichen weiteren ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Forstamtsleiter Heinz-Hermann Bruns und Naturschutzförster Ulrich Schlette leisteten wichtige organisatorische und praktische Unterstützung. Im Vorfeld hatten Mitarbeiter des Niedersächsischen Forstamts Grünenplan die 2000 Löcher für die Pflanzen vorgebohrt und sorgten dafür, dass jede Pflanze an den vorgesehenen Platz kam.

Weitere Gäste waren die stellvertretende Landrätin im Landkreis Holzminden Sabine Tippelt, die stellvertretende Landrätin im Landkreis Hildesheim Waltraud Friedman, die Bürgermeister von Alfeld und Duingen Bernd Beushausen und Wolfgang Schulz, der Eigentümer der Fläche Dr. Thomas Stadler sowie Vertreter der Jägerschaft Alfeld.

Nach getaner Arbeit gab es noch einen leckeren Imbiss vom Grill und Getränke, die der ansässige Jagdpächter für die hungrigen und völlig verdreckten Helfer bereithielt. Finanziert wurden die Gaumenfreuden über die Braunschweiger Stiftung Zukunft Wald. Zum Abschluss bekamen alle Teilnehmer als Dankeschön T-Shirts und Urkunden überreicht.


Herzlichen Dank an alle Beteiligten für die Unterstützung!

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Landkreis Hildesheim - Bethelner Bach

Im April 2014 konnte im Landkreis Hildesheim die Vernetzung von Waldgebieten zugunsten von Wildkatze & Co verbessert werden. Der vierte niedersächsische Korridor beginnt am Naturschutzgebiet "Leineaue unter dem Rammelsberg" im Westen und verläuft entlang der Nordseite des Bethelner Baches bis etwa an den Ortsrand von Betheln, wo er nach Norden abknickt. Hier schließt sich der Uferstreifen des Nordbaches an, der mit wenigen Unterbrechungen bis in den Hildesheimer Wald führt. Beide Uferstreifen entstanden im Flurbereinigungsverfahren Betheln.

Eigentümerin der Fläche ist die Paul-Feindt-Stiftung. Der Korridor ist etwa 875 Meter lang und zehn Meter breit. Der spärliche bis lückige Bewuchs an der Böschung des Bethelner Baches wurde Anfang April durch Stieleiche, Feldahorn, Feldulme, Holzapfel, Vogelkirsche, Pfaffenhütchen, Eberesche, Schneeball, Korbweide und andere heimische Arten ergänzt. Bethelner Landwirte und der Realverband hatten zuvor in einer größeren Aktion die zahlreichen Drainagen abgesteckt, damit diese durch die Anpflanzungen nicht beeinträchtigt würden.

Die Schafe und Ziegen aus dem Hi-Land Betrieb "Echt Schaf" der Familie Bergmann werden auch in Zukunft die Weiden entlang des Baches nutzen.

Die Aufforstung und Entwicklung der Uferbereiche schafft durchgehende Wanderungsmöglichkeiten für viele Tierarten von der Leineaue bis in den Hildesheimer Wald. Wildkatzen sind übrigens in beiden Gebieten nachgewiesen. Wünschenswert für die Zukunft wäre eine Verbreiterung des Uferstreifens und die vollständige Vernetzung mit dem nordöstlich anschließenden Nordbach.

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Schlewecke (Bockenem)

Der dritte "Wildkatzenkorridor" in Niedersachsen ist gepflanzt: Nach den Korridoren Golmbach (Landkreis Holzminden, 2011) und Gerzen/Alfeld (LK Hildesheim und Holzminden, 2013) konnte bei Schlewecke (Bockenem) noch im November 2013 der dritte Korridor realisiert werden. Insgesamt 500 standortgerechte Bäume und Sträucher wurden durch das Forstunternehmen Albert Schütte in die Erde gebracht. Das Forstamt Liebenburg unterstützte die Aktion.

Der neue Wildtierkorridor soll in den nächsten Jahren die Vernetzung des Hainbergs mit den Saubergen bei Bad Salzdetfurth verbessern. Dabei handelt es sich um einen Abschnitt der für viele Tiere wichtigen Wanderroute vom Harz in den Nordwesten, über Hildesheimer Wald und Deister bis in die Lüneburger Heide. Die Fläche in der Gesamtgröße von 6,5 Hektar stammt aus dem Besitz der Paul Feindt-Stiftung und wurde für 25 Jahre an den BUND verpachtet. Hier wurde früher Ton abgebaut: Die kleinen Teiche und Tümpel zeugen noch heute davon.

Gepflanzt wurde ein 90 Meter langer und ca. 25-30 Meter breiter Korridor, in anderen Bereichen wurde mosaikartig aufgeforstet. Zuletzt wurden Lücken in einigen Randbereichen geschlossen, so dass die Fläche besonders geschützt wird. Die teilweise wertvollen Amphibienbiotope wurden freigehalten. Bereits jetzt finden viele wandernde Tierarten in den vorhandenen Strukturen Deckung und Zuflucht. Auch die Jagd ruht hier freiwillig. Sollte es gelingen, weitere Flächen in unmittelbarer Umgebung auszuforsten, könnte mittelfristig eine vollständige Vernetzung der Waldgebiete erreicht werden.

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Warum sind Korridore so wichtig?

 Dieser Film zum Biotopverbund und zur Artenvielfalt erklärt es Ihnen (Länge 3:15 Minuten).

 

Reportage: So entsteht ein Wald für die Wildkatze

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