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BUND Landesverband Niedersachsen

Der Wolf - Steckbrief

Das Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wolf kennt zwar jeder, doch kennen wir ihn wirklich, den Wolf? Hier finden Sie Fakten rund um den Urahn unserer Haushunde.

Der Wolf ist die größte Art aus der Familie der Hundeartigen (Canidae). Er gehört zur Ordnung der Raubtiere.

Körperbau

Wolf. Foto: Marcel Langthim Wolf.  (Marcel Langthim / Pixabay.com / Creative Commons )

Wölfe, als die Urahnen unserer Haushunde, ähneln in  ihrer Gestalt einem kräftigen, hochbeinigen Schäferhund. Jedoch variieren Größe, Gewicht und Farbe je nach Verbreitungsgebiet. Tiere in polaren und subpolaren Regionen erreichen Kopf-Rumpf-Längen von bis zu 160 cm und ein Gewicht von bis zu 80 kg. Die im Orient lebenden Wölfe werden dagegen nur etwa 80 cm lang und 20 kg schwer. Ausgewachsene Wölfe in Deutschland wiegen zwischen 25 und 40 kg. Die Weibchen sind kleiner und leichter als die Rüden. Die meisten Wölfe sind grau-braun gefärbt, in Kanada leben schwarze Populationen, in der Arktis sind die Tiere weißlich.

Verbreitung und Lebensraum

Ursprünglich waren Wölfe in der gesamten nördlichen Hemisphäre beheimatet. Bis zur Entwicklung von Land- und Herdenwirtschaft war er das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde. In großen Teilen seines Verbreitungsgebietes, besonders im westlichen Europa und in Nordamerika, wurde er durch den Menschen ausgerottet. Größere zusammenhängende Populationen gibt es heute nur noch in Osteuropa, auf dem Balkan, in Kanada, Sibirien, der Mongolei und in geringer Zahl im Iran.

Ihren zahlenmäßigen Tiefstand erlebte die Art zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Folge von intensiver Bejagung. Aktuell gewinnen die Wölfe durch das Verbot von Gift, die Beschränkung der Jagd sowie die Zunahme wilder Huftierbestände wieder an Raum. Auch in Deutschland kommt der Wolf seit den 1990er Jahren wieder vor, nachdem er hier knapp 100 Jahre nicht auftrat. Die Rückkehr des Wolfes ist ein großer Erfolg für den Naturschutz. Heute leben in Deutschland – häufig auf ehemaligen Truppenübungsplätzen – wieder kleinere Populationen, vor allem in Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. In Niedersachsen wurde im Jahr 2012 erstmals ein Wolfjunges geboren. Mittlerweile leben hier mehrere Rudel. Bundesweit gibt es derzeit 105 Territorien, davon 22 in Niedersachsen (Monitoringjahr 2017/18). Offizielle Bestandsdaten finden sich bei der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW), www.dbb-wolf.de, sowie beim niedersächsischen Wolfsbüro, www.der-wolf-in-niedersachsen.de.

Wölfe sind sehr anpassungsfähig. Aus diesem Grund bewohnten sie früher eine Vielzahl von Lebensräumen. Unter arktischen Bedingungen können die Tiere ebenso gut leben wie in den Wüsten Nordamerikas und Zentralasiens. Grasland und Wälder sind bevorzugte Habitate. 

Lebensweise

Wolfsjunges. Foto: diapicard  (diapicard / Pixabay.com / Creative Commons )

Wölfe leben in Rudeln, die fünf bis acht Tiere umfassen. Aber auch einzelne Tiere können in der Wildnis angetroffen werden. Ein Rudel setzt sich meistens aus den beiden Elterntieren sowie den diesjährigen und den älteren Jungtieren zusammen. Mit zwei Jahren werden die jungen Wölfe geschlechtsreif. So lange bleiben sie bei ihren Eltern. Untereinander erkennen sich die Tiere am Geruch. Ihre Reviere, die in Mitteleuropa 500 bis 1.500 km² umfassen können, markieren sie mit Duftmarken und verteidigen diese gegen andere Rudel. Die Revierausdehnung ist abhängig von der Größe der Beutetiere und deren Dichte. Auf der Suche nach Nahrung oder neuen Territorien können Wölfe beeindruckende Entfernungen zurücklegen – bis zu 72 Kilometer innerhalb von 24 Stunden.

Als Kommunikationsmittel nutzen die Tiere eine vielfältige Gestik (Körpersprache) sowie ein lang gezogenes lautes Heulen.

Nur die beiden ranghöchsten Tiere eines Rudels paaren sich. Paarungszeit ist von Ende Januar bis Anfang März. Nach 62 Tagen bringen die Weibchen in einer Erdhöhle, die sie selbst anlegen oder von anderen Tieren übernehmen, vier bis sieben Junge zur Welt. Die Welpen sind anfangs blind und taub und werden von der Mutter gesäugt. Nach etwa 15 Tagen öffnen sie die Augen, nach 20 Tagen beginnen sie Laute wahrzunehmen und verlassen erstmals die Höhle. Von nun an sind sie in der Lage auch feste Nahrung zu sich zu nehmen, werden allerdings noch bis zu einem Alter von 8 Wochen gesäugt. Alle Rudelmitglieder beteiligen sich an der Aufzucht. Zur Versorgung der Welpen würgen sie halbverdaute Nahrung wieder heraus.

Nahrung

Wölfe mit Beute. Foto: Insa Osterhagen Wölfe mit Beute.  (Insa Osterhagen / Pixabay.com / Creative Commons )

Hauptsächlich zählen Rehe, Hirsche, Wildschweine und Kleinsäuger zur Nahrung der Wölfe. In nahrungsarmen Gegenden verzehren sie auch Aas und Abfälle. Wissenschaftler konnten kürzlich zeigen, dass die Wölfe an der kanadischen Küste im Herbst hauptsächlich Lachs fraßen. Ergänzend werden Beeren sowie Blätter von Gräsern und Seggen aufgenommen.

Wölfe jagen im Rudel, seltener alleine. Die Hetze eines Rudels beschränkt sich meist auf wenige 100 m und findet mit hoher Geschwindigkeit statt. Erreichen sie bis dahin ihre Beute nicht, wird die Jagd abgebrochen. Verfolgungen der Beute über viele Kilometer sind die Ausnahme. Bei einer einzigen Mahlzeit können die Tiere bis zu 15 kg Fleisch vertilgen. Wiederum können sie auch wochenlang hungern.

Quellen:

Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW), www.dbb-wolf.de;  Steinbachs Naturführer, 2004, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co.

 

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