(Jörg Farys)
Wir alle wollen im Winter ein warmes Zuhause. Heizen muss bezahlbar bleiben und darf nicht zu Lasten des Klimas gehen. Deshalb müssen veraltete Öl- und Gasheizungen nach und nach durch erneuerbare Heizungen wie Wärmepumpen ersetzt werden.
Doch jetzt will die Bundesregierung den weiteren Einbau von klimaschädlichen Öl- und Gasheizungen fortschreiben. Teure Brennstoffe wie Biomethan sollen verpflichtend beigemischt werden, um Klimaschutz vorzutäuschen.
Die Folge: Explodierende Heizkosten und eine Vollbremsung beim Klimaschutz in Gebäuden.
Ein teures Geschenk an die Gaslobby: Die verantwortliche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche treibt die Gas-Agenda voran. Sie war jahrelang Chefin bei Westenergie, einer Tochtergesellschaft des E.ON-Konzerns. Unternehmen wie diese profitieren unmittelbar von der Verlängerung des fossilen Geschäftmodells.
Jetzt ist unsere Chance!
Wir lassen nicht zu, dass die Gaslobby auf unsere Kosten beschenkt und der Klimaschutz direkt mit verheizt wird!
Unser Appell an die Bundesregierung:
- Heizen darf nicht zum Luxus werden! Brennstoffe wie Biomethan oder Wasserstoff sind knapp. Eine verpflichtende Beimischung führt zu Preissteigerungen beim Heizen und mehr klimaschädlichen Emissionen.
- Klimaziele einhalten! Schon jetzt hinkt der Gebäudebereich beim Klimaschutz hinterher. Es braucht einen Modernisierungs-Booster, damit Gebäude zukunftsfest werden. Dazu gehört: Heizen mit Erneuerbaren muss gestärkt statt geschwächt werden.
- Wärmewende sozial ausrichten! Die Politik darf Menschen nicht in die Heizkostenfalle laufen lassen. Mietende müssen vor stark steigenden Heizkostenrechnungen und hohen Umlagen für Sanierungen geschützt, Haushalte mit geringem Einkommen beim Umstieg auf erneuerbare Heizungen finanziell unterstützt werden.
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Neu eingebaute Heizungsanlagen müssen mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden. Seit Januar 2024 gilt das zunächst nur für Neubaugebiete. Nach Abschluss der kommunalen Wärmeplanung (Großstädte ab Mitte 2026 ; andere Kommunen Mitte 2028) sollten diese Regeln auch gelten, wenn in Bestandsgebäuden eine neue Heizung einbaut wird. Alte Heizungen dürften dann ersetzt werden durch:
- Wärmepumpen
- ein Anschluss ans Wärmenetz
- Solarthermie-Anlagen
- Pelletheizungen
- bestimmte Hybridheizungen, die fossile und erneuerbare Wärme kombinieren.
Die Pläne der Bundesregierung gehen auf Vorschläge der Gaslobby zurück. Sie sehen vor, mit einer „Grüngasquote“ die Gasnetzbetreiber zu verpflichten, ihrem fossilem Erdgas nach und nach einen wachsenden Anteil sogenannter „CO2-neutraler Brennstoffe“ beizumischen – vor allem Biomethan und Wasserstoff. Der Anteil soll ab 2028 ein Prozent der gelieferten Gasmenge betragen, Haushalte selbst haben darauf keinen Einfluss.
Wenn ab 2029 eine neue Öl- oder Gasheizung eingebaut werden soll, dann müssen Haushalte einen Gas- bzw. Öl-Tarif finden, der ihnen eine Quote von 10 Prozent solcher „grünen“ Brennstoffe zusichert (Bio-Treppe). Beide Quoten sollen steigen, aber wann und wie lässt die Bundesregierung bislang offen.
Durch die Quoten entsteht der Eindruck, man könne mit der Beimischung klimafreundlich mit Gas oder Öl heizen. Genau das ist jedoch falsch. Diese Brennstoffe stehen nur in sehr begrenzten Mengen zur Verfügung und werden in anderen Bereichen dringender gebraucht, etwa in der Industrie. Gebäude sind durch erneuerbare Heizsysteme wie Wärmepumpen und grüne Wärmenetze ohnehin viel effizienter und günstiger beheizbar.
Nach Berechnungen des Wuppertal Instituts und des IW Köln könnten die Gaspreise durch eine Beimischungsquote bis 2040 um bis zu 25 Prozent steigen. Zudem sind bereits heute Biomethan-Gastarife im Schnitt 15 Ct/kWh teurer, wenn sie mindestens 65 Prozent Biomethan enthalten.
Weil mehr Menschen das Gasnetz in Richtung Wärmepumpe oder Wärmenetze verlassen, wird es nochmal teurer für verbleibende Gaskund*innen, weil die Netzentgelte steigen.
Sie könnten sich bis 2045 verzehnfachen und für einen Drei-Personen-Haushalt bis zu 4300 Euro pro Jahr betragen. Die höheren Kosten belasten vor allem Mieterinnen und Mieter, die nicht selbst darüber bestimmen können, welche Heizung eingebaut wird, sowie Haushalte mit geringem Einkommen.
Der Gebäudebetrieb ist für 30 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich. Ein Großteil davon entsteht, weil rund drei von vier Gebäuden noch mit klimaschädlichem Öl oder Gas beheizt werden.
Die aktuellen Regeln im Gebäudeenergiegesetz sind das wirkungsvollste Instrument zum Klimaschutz im Gebäudesektor. Trotzdem ist die Lücke um die Klimaziele zu erreichen schon mit den aktuellen Regeln riesig. Das Umweltbundesamt geht in Bezug auf das nationale Ziel bis 2030 aktuell von einer Lücke in Höhe von 110 Millionen Tonnen CO2 aus.
Diese Regeln abzuschaffen und durch Quoten für vermeintlich grüne Brennstoffe zu ersetzen, demontiert den Klimaschutz im Gebäudesektor und führt zwangsläufig zu mehr Emissionen. Denn diese sind ineffizient, teuer und stehen überhaupt nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung.
