Ein Blick auf unsere Wurzeln und auf wichtige Meilensteine in der Geschichte des Landesverbandes

Seit Jahrzehnten setzt sich der BUND in Niedersachsen für den Schutz von Natur, Landschaft und Umwelt ein. Es ist der Einsatz unzähliger Menschen für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen und gegen natur- und umweltzerstörende Eingriffe – oft mit Erfolg.

In 1961 gründete sich in Niedersachsen der „Bund für Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen e.V.“, kurz BfNuL. Die Initiatoren des Vereinsgründung waren Prof. Dr. Konrad Buchwald und Dr. Hans Heider. Der Verein trat später dem 1975 entstandenen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bei und wurde dessen Landesverband Niedersachsen. Derzeit hat er rund 38.000 Mitglieder und Unterstützer*innen, mit deren Hilfe er sich auch heute und in Zukunft für Niedersachsens Natur und unsere natürlichen Lebensgrundlagen einsetzt – direkt vor Ort und landesweit.

  • Dr. Hans Heider wird Vorsitzender (1961-1971)
  • Verbreitung des Naturschutzgedankens durch Vorträge und Publikationen
  • Gründung erster Kreisgruppen (z.B. auf Norderney 1967)
  • Verhinderung des Baus einer Badeinsel mit Seilbahn auf dem Großen Knechtsand, einem Naturschutzgebiet im Wattenmeer
  • Lenelotte von Bothmer wird Vorsitzende (1971-1983)
  • Einflussnahme auf Waldgesetz und Wiederaufforstung von Wäldern
  • Satzungsänderung mit Gliederung in Kreisgruppen entsprechend der Landkreise (1979)
  • Erste Mitarbeiter*innen werden eingestellt
  • Prof. Dr. Konrad Buchwald wird Vorsitzender (1983-1991)
  • Stelle einer/s Geschäftsführer*in wird geschaffen (1981)
  • Umbenennung in BUND-Landesverband Niedersachsen (1981)
  • Veränderung des Selbstverständnisses vom Unterstützer und Partner der Naturschutzverwaltung zum kritischen Mahner 
  • Prof. Alexander Gaede wird Vorsitzender (1991-1996)
  • Mitgliederwachstum durch Umweltbewegung: BUND zählt 1992 bereits 15.000 Mitglieder
  • Themenspektrum des Verbandes erweitert sich zunehmend, auch angesichts zahlreicher Umweltskandale wie der Tschernobyl-Reaktorunfall, Ölverschmutzungen durch Tankerunfälle, die Dioxin-Verseuchung von Futtermitteln und mehrere Giftmüllskandale in Deutschland
  • Einsatz gegen zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft und Gentechnik sowie Atomenergie
  • Renate Backhaus wird Vorsitzende (1996-2008)
  • Heiner Baumgarten wird Vorsitzender (2008-2023)
  • Umzug der Landesgeschäftsstelle in die Goebenstraße, der Verein beschäftigt rund 100 Mitarbeiter*innen
  • Gründung der Stiftung Naturlandschaft zur Erhaltung von Lebensräumen (2001)
  • Neue Einrichtungen: Übernahme des Natur-Bauernhofs Wendbüdel im Landkreis Oldenburg, der Burg Lenzen in Brandenburg und Mitträgerschaft mehrerer Nationalpark-Häuser
  • Masterplan Ems 2050: BUND und andere Umweltverbände handeln mit der Landesregierung Vertrag mit konkreten Naturmaßnahmen für die kommenden 35 Jahre an der Ems aus.
  • Niedersächsischer Weg: Der BUND unterzeichnet gemeinsam mit Politik, Landwirtschaft und dem NABU eine Vereinbarung für umfangreiche Maßnahmen im Natur-, Arten- und Gewässerschutz in Niedersachsen
  • Susanne Gerstner wird Vorsitzende im bezahlten Wahlamt (ab 2023)

Kritische Auseinandersetzung mit der Gründungsgeschichte

Der Naturschutz in Deutschland hat sehr unterschiedliche Wurzeln. Sie liegen nicht nur in der bürgerlichen Gesellschaft, sondern auch in der systemkritischen linken Arbeiterbewegung, u.a. bei den 1895 gegründeten Naturfreunden, und bei jüdisch stämmigem Mitbürger*innen. Der BfNuL und später der BUND Niedersachsen waren als Nachkriegsverbände zwar nicht von der Gleichschaltung des Naturschutzes durch die Nazis ab 1933 betroffen, wurzeln aber in Person der Gründer*innen auch in diesem Teil der deutschen Geschichte, was wir erkennen und kritisch aufarbeiten.

Die Initiatoren des Vereinsgründung, Prof. Dr. Konrad Buchwald und Dr. Hans Heider, wollten zur damaligen Zeit ergänzend zu den eher konservativen Verbänden eine stärker politisch aktive Verbandsarbeit entwickeln, wobei seinerzeit die Atomkraftbewegung eine wichtige Rolle spielte. Während im Falle von Heider alle befragten Zeitzeug*innen eine politische Verankerung in der NS-Zeit verneinen, hatte Buchwald eine in dieser Zeit wurzelnde Vergangenheit, die er nie selbstkritisch aufarbeiten wollte. 

Konrad Buchwald

Buchwald trat während des Studiums 1937 der NSDAP bei und arbeitete in der Zentralstelle für Vegetationskunde des Reiches unter Reinhold Tüxen. Nach dem Krieg war er weiterhin in der Landschaftspflege und im Naturschutz aktiv, promovierte 1949 und habilitierte sich 1955 an der Universität Tübingen in Geobotanik. Von 1960 bis zu seiner Pensionierung 1979 war er ordentlicher Professor für Landespflege und Direktor des Instituts für Landschaftspflege und Naturschutz an der TU Hannover. Er entwickelte dort ein neues Fachgebiet mit dem Titel Landespflege, das bundesweit andere Fakultäten beeinflusste. 

Buchwald war Gründungsmitglied des Deutschen Rats für Landespflege und des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung. Vorsitzender des BUND-Landesverbands Niedersachsen war er von 1983 bis 1991, seit 1961 bereits stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Politisch engagierte er sich u. a. 1986 bis 1988 als stellvertretender Bundesvorsitzender der ÖDP. 1971 wirkte Buchwald am ersten Entwurf für ein Bundesnaturschutzgesetz entscheidend mit und war einer der 16 Unterzeichner der Grünen Charta von der Mainau. Mitte der 1990er Jahre steuerte Buchwald der BUND-Misereor-Studie Zukunftsfähiges Deutschland Beiträge zu einer Politik der Nachhaltigkeit bei. Seine Verdienste für Naturschutz und Landschaftspflege sind als herausragend zu bezeichnen und unbestritten. 

Doch verdient das Verhältnis von Konrad Buchwald zur NS-Zeit eine genauere Betrachtung. Dass die Zentralstelle für Vegetationskunde des Reichs, an der Buchwald arbeitete, u.a. an Entwürfen für die Bepflanzungsplanung militärischer Anlagen mitwirkte und die Botanik besetzter und umkämpfter Regionen auch im Hinblick auf die militärische Nutzbarkeit analysierte, erklärt sich von selbst – der gesamte Wissenschaftsbetrieb des NS-Reichs wurde gleichgeschaltet und in Hitlers Kriege einbezogen. 

Kritischer ist zu bewerten, dass sich Buchwald selbst in die Nachfolge von Hans Schwenkel, eines ausgewiesenen Nationalsozialisten und Rassisten, stellte. Noch 1956 schrieb Buchwald im Vorwort einer Festschrift für Schwenkel zusammen mit den beiden anderen Herausgebern: „Wir feiern damit nicht nur den Mann, der in 30 Jahren die Naturschutzarbeit in Württemberg aus kleinsten Anfängen aufgebaut hat, sondern auch den vielseitigen und anregenden Initiator und Motor landschaftspflegerischer Arbeit im gesamten Reichsgebiet.“

Ähnlich würdigte er Erhard Mäding, Alwin Seifert und Heinrich Wiepking-Jürgensmann, die tief im NS-System verwurzelt waren. Auch hier fehlt die kritische Distanz zum Nationalsozialismus. 

Nach 1945 publizierte Buchwald in der rechten Zeitschrift „neue zeit“ und forderte, der Staat möge sich nicht oder nicht nur um den Schutz Asylsuchender kümmern, sondern um das „deutsche Volkstum“ im Ausland. Darauf angesprochen, bat er stets um Verständnis für seine Position – die beruhe auf eigenen Erfahrungen mit seiner Frau, deren Familie einen Hof in Südtirol besessen habe, der dann enteignet worden sei. 

Insgesamt sah Buchwald die vorindustrielle bäuerliche Kulturlandschaft als Ideal und Vorbild für die Landespflege an. Die entsprechende Gesellschaft beurteilte er als „gesund“ und sprach ihr einen in Bezug auf die Natur „ganzheitlichen“ Lebensstil zu. Die urbane Kultur sah er dagegen als krank, zersetzend und zerstörerisch an. Diese Denkfiguren, die nicht nur im Nationalsozialismus verankert sind, propagierte er auch in der Bundesrepublik Deutschland weiter, beispielsweise in einem Beitrag „Gesundes Land – Gesundes Volk“ von 1956 in Natur und Landschaft. Buchwald forderte darin einen autoritären Staat, der mit Hilfe der Landschaftsplanung die Etablierung der bäuerlichen Kulturlandschaft umsetzen sollte. Andere Akteure in der Landschaft wie Forsten, Wasserbau- oder Verkehrsplaner*innen sollten sich dem unterordnen. 

Gleichwohl Buchwald im Umgang als auf Augenhöhe und wertschätzend kooperierend unabhängig von der jeweiligen politischen Orientierung von Kolleg*innen oder Mitarbeiter*innen beschrieben wird, bleibt die mangelnde Distanz zur eigenen NS-Vergangenheit und der von Berufskolleg*innen ein dunkler Fleck, von dem sich der BUND Niedersachsen deutlich distanziert. 

Weitere Vorsitzende

Dr. Hans Heider als erster Vorsitzender des „Bund für Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen“ war Regierungsdirektor in Hannover sowie Botaniker, Naturfreund und Orchideenliebhaber. Er gilt als unbelastet von der NS-Zeit ebenso wie die späteren Vorsitzenden des BUND Niedersachsen – Lenelotte von Bothmer, Prof. Alexander Gaede, Renate Backhaus, Heiner Baumgarten und Susanne Gerstner.

Der BUND Niedersachsen ist heute demokratisch und vielfältig. Er arbeitet auf dem Boden des Grundgesetzes und lehnt antidemokratische, verfassungsfeindliche, rassistische, antisemitische und andere diskriminierende Haltungen ab. 

Literatur

Gröning, G. & Wolschke-Bulmahn, J. (2007): Naturschutz und Demokratie!? – CGL-Studies 3, München

Hartmann, G. & Knolle, F. (2023): Prof. Walther Schoenichen. Naturschutzpionier und Nationalsozialist. – Umweltzeitung 30 (7/8): 22-23, Braunschweig

Knolle, F. (2003): Dr. Benno Wolf in memoriam – Zum 60. Todesjahr des Naturschutzjuristen und Höhlenforschers. – Naturschutz und Landschaftsplanung 35 (11):346-347

de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Buchwald

de.wikipedia.org/wiki/Naturschutz_im_Nationalsozialismus

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