Boomender Schiffsverkehr belastet die Meere

Es wird geschätzt, dass mehr als 80 % des weltweiten Güterverkehrs auf dem Wasser mit motorisierten Schiffen abgewickelt wird. Die Nordsee gehört zu den Meeren, auf denen sich der kommerzielle Seeverkehr am stärksten konzentriert und bedient Häfen von europäischer und weltweiter Bedeutung (z.B. Hamburg, Rotterdam, Antwerpen). Mega-Containerschiffe, große Öltanker, Kreuzfahrt- und Fährschiffe sowie Produkten- und Chemikalientanker fahren tagtäglich in unmittelbarer Nähe des Weltnaturerbes Wattenmeer.

Die Folgen des kostengünstigen Transports von Millionen Tonnen von Gütern werden - insbesondere bei Havarien - von den Menschen und der Meeres- und Küstenumwelt getragen. Auch ohne Unfälle tragen die Luftschadstoffemissionen sowohl zur Verschmutzung der Küstengebiete als auch der Häfen bei. Besonders problematisch sind die Emissionen von Stickoxiden (NOx) und Schwefeldioxid (SO2), die zu zahlreichen Gesundheits- und Umweltschäden auf See, aber auch an Land führen, da diese Schadstoffe in das Regenwasser und letztendlich in unsere Böden gelangen.

Der globalisierte Schiffsverkehr fördert auch die Besiedlung endemischer Lebensräume durch invasive Arten, die mit dem Ballastwasser der Schiffe von einer Seite der Welt zur anderen transportiert werden. Ballastwasser wird verwendet, um das Gewicht und die Stabilität von Schiffen zu erhöhen, wenn sie sich auf Leerfahrt befinden. So konnten invasive Arten wie die Pazifische Auster ihre heimischen Verwandten in der Nordsee verdrängen.

Darüber hinaus wirkt sich der intensive Schiffsverkehr auch auf Meerestiere aus, die unter der von Schiffen ausgehenden Unterwasserlärmverschmutzung leiden, mit Schiffen kollidieren können und langfristig unter Vertreibungseffekten zu leiden haben.

Der zunehmende Schiffsverkehr bringt ein hohes Unfallrisiko mit sich, das durch den massiven Bau von Offshore-Windkraftanlagen noch verstärkt wird. Schiffshavarien wie die des Autotransporters Fremantle Highway im Jahr 2023 in der Nordsee, die Schlagzeilen machen und dann wieder vergessen werden, schüren weiterhin die Angst vor einer Meeres- und Küstenverschmutzung großen Ausmaßes wie die der Frachter Pallas im Jahr 1998.

Ein Ziel des BUND ist, die Sicherheit der Umwelt und der Schifffahrt zu verbessern, um das Unfallrisiko zu verringern und gleichzeitig das Unfallmanagement bei Schiffshavarien zu verbessern.

Auch das Wattenmeer ist nicht ausreichend geschützt   

Nach jahrzehntelangen Bemühungen seitens der Bundesländer wurde durch die neue Verordnung des Bundes vom 27. April 2023 über das Befahren der Bundeswasserstraßen in Nationalparken im Bereich der Nordsee (NordSBefV) ein einheitlicher Rechtsrahmen für die dortigen Schutzgebiete installiert. Ein wesentlicher Mangel der Verordnung ist das Fehlen eindeutiger Regelungen für den Betrieb von Wassertaxis im Gebiet. Darüber hinaus verschärfen die Erweiterung der Wassersportgebiete, die Erhöhung der Anzahl von Schnellfahrkorridoren und die Querung von Schutzgebieten durch Fahrwasser die Bedrohungen für Meeressäuger und Wattenmeervögel.

Der BUND fordert striktere Rahmenbedingungen für den Schiffsverkehr zugunsten des Naturschutzes, insbesondere eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Wassertaxis und für Schiffe zur Offshore-Versorgung.

Weitere Informationen zum Schiffsverkehr in der Nordsee finden Sie hier.

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