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BUND Landesverband Niedersachsen

Abschuss statt Schutz – Jagdfieber im niedersächsischen Wattenmeer - Drohende Verlängerung der Jagdpacht konterkariert Ziele des Nationalparks / 30 Jahre Freizeitjagd und kein Ende in Sicht?

29. August 2018 | Artenschutz, Lebensräume, Umweltpolitik, Wasser, Flüsse, Meere

G E M E I N S A M E    P R E S S E M I T T E I L U N G
Naturschutzbund Niedersachsen (NABU)
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Niedersachsen e.V. und Landesverband Bremen e.V.
Der Mellumrat e.V.
Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen e.V. (LBU)
NaturFreunde Deutschland e.V. Landesverband Niedersachsen
Naturschutzverband Niedersachsen e.V. (NVN)
Niedersächsischer Heimatbund e.V. (NHB)
Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz e.V. (WAU)
WWF Deutschland, Wattenmeerbüro

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium will noch mehr Vogeljagd im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer genehmigen! Die auslaufenden Jagdpachtverträge für die Inseln Norderney, Baltrum, Langeoog und Wangerooge sowie Flächen am Festland werden augenblicklich für weitere neun Jahre seitens der Domänenverwaltung stillschweigend verlängert. „Ein Skandal!“ empören sich die niedersächsischen Umweltverbände. Sie vermuten, dass sogar bisherige Regelungen, die die Jagd zumindest in Teilbereichen einschränkten, nun wegfallen sollen. „Statt Verbesserungen zu erzielen, soll nun das Rad sogar zurückgedreht werden!

Immer wieder hatten die Verbände ein Ende der Jagd im Wattenmeer gefordert. Dies mit besonderem Nachdruck im Jahr 2016 anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Nationalparks. Denn Jagd ist mit dem Schutzgedanken eines Nationalparks grundsätzlich nicht zu vereinbaren. Das Zugeständnis des Gesetzgebers zur Jagdausübung, das mit der Einrichtung des Nationalparks einherging, ist nun endlich abzuschaffen. Doch bisher blieb das Land Niedersachsen untätig, obwohl es bundesweit fachlich anerkannt ist, dass solche nationalparkwidrigen Regelungen in Entwicklungs-Nationalparks innerhalb von längstens 30 Jahren gänzlich zurückgeführt werden.

Millionen Zugvögel rasten zweimal jährlich mehrere Wochen im nahrungsreichen Wattenmeer, um hier Energie aufzutanken - auf dem weiten Weg in die Brutgebiete im hohen Norden bzw. die Winterquartiere in südlichen Gefilden. Andere, vor allem verschiedene Gänsearten, verbringen den ganzen Winter in unserem gemäßigten Klima. "Hunderte von Zugvögeln werden von Jägern erschossen oder von abgerichteten Jagdfalken erlegt, tausende von ihren Hochwasserrastplätzen vertrieben oder so stark beunruhigt, dass sie fluchtartig das Gebiet verlassen", kritisiert Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen. "Bei der Jagd auf Waldschnepfen kommt hinzu, dass dieser wunderbare Vogel im Schutzgebiet allein wegen seines Federkleides geschossen wird, das die Jäger dann stolz als Trophäe tragen. Diese Zeiten sollten eigentlich lange vorbei sein!"

"Nach über 30 Jahren ist es an der Zeit, die international geltenden Kriterien für Nationalparks einzuhalten. Denn mit der Einrichtung eines Nationalparks hat sich Niedersachsen auch zur Einstellung der Jagd im Nationalpark verpflichtet", ergänzt der BUND-Landesvorsitzende Heiner Baumgarten. 

Die niedersächsischen Naturschutzverbände fordern daher die sofortige Einstellung der Jagd im und am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Nicht einmal im Bereich der Inseln sind die Ruhezonen gänzlich als befriedete Bereiche ausgewiesen, monieren die Umweltverbände. Denn selbst innerhalb der streng geschützten Bereiche ist eine 10-tägige Jagd auf Wasservögel noch erlaubt, Touristen, die dort Erholung in der Natur suchen, müssen stattdessen das Abschießen von Zugvögeln erleben.

Die Verbände fordern die Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast daher auf

  • auslaufende Jagdpachtverträge nicht zu verlängern,
  • dass die Vorbildfunktion des Landes im Nationalpark auf landeseigenen Flächen durch einen Verzicht auf die Jagdausübung umgehend sichergestellt wird und
  • dass nur die Nationalparkverwaltung ggf. Maßnahmen zur Bestandslenkung von Tierarten als Ausnahme veranlassen kann, etwa bei eingeführten Prädatoren oder Kaninchen und Damwild.

HINTERGRUND:
Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer liegt inmitten einer der weltweit wichtigsten Drehscheiben des Vogelzugs und wurde – wie inzwischen das gesamte drei Staaten übergreifende Wattenmeer – von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Mehr als 10 Millionen Wat- und Wasservögel aus einem riesigen Einzugsgebiet der nördlichen Erdhalbkugel ziehen jährlich durch das Gebiet an der südlichen Nordseeküste. Sie sind auf ihrer anstrengenden Reise, die bei einigen Arten bis ins südliche Afrika reicht, auf störungsfreie Rastplätze und die nahrungsreichen Watten und Salzwiesen des Wattenmeers angewiesen. Eine Jagd stellt gerade zur Zugzeit eine große und schwerwiegende Störung der rastenden Vögel dar.

Für Rückfragen:
Elke Meier, NABU Niedersachsen, Tel. (0511) 911 05-24
Heiner Baumgarten, BUND Niedersachsen, Tel. (0151) 275 075 80 

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