Ausbau der Elbe zwischen Dömitz und Hitzacker: wirtschaftlich unsinnig und ökologisch fragwürdig

14. Juli 2025 | Flüsse & Gewässer, Klimawandel, Mobilität, Mobilität (NI), Umweltpolitik (NI)

Blick auf das Elbufer mit Spiegelung der Wolken im Wasser. Foto: Steffen Wachsmuth / Pixabay  (Steffen Wachsmuth / Pixabay.com / Pixabay-Lizenz)

Seit Anfang April führt die Elbe dauerhaft Niedrigwasser. Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort. Bei Fahrrinnentiefen von weit unter einem Meter bis hin zu 40 Zentimetern kann keine Frachtschifffahrt stattfinden. Auch bei einer Vertiefung der Elbfahrrinne um 20 oder 30 Zentimeter würde das bisherige Ziel der Bundesregierung, eine Mindest-Fahrrinnentiefe von 1,40 Meter herzustellen, nicht erreicht werden. Als Alternative für die Güterschifffahrt steht seit Jahrzehnten der Elbe-Seitenkanal mit einer gesicherten Fahrrinnentiefe von 4 m zur Verfügung. Er bietet damit eine verlässliche Alternative zum frei fließenden Fluss zwischen Hamburg und Magdeburg. Der BUND Niedersachsen kritisiert, dass die Bundesregierung dennoch am Ausbau und der Vertiefung der Elbe festhält, obwohl das Land Niedersachsen mit einem fraktionsübergreifenden Landtagsbeschluss einen Ausbau der sogenannten Reststrecke zwischen Dömitz und Hitzacker ablehnt.

Dr. Tonja Mannstedt, Geschäftsführerin des BUND Niedersachsen: „Die extremen Niedrigwasser der vergangenen Jahre machen es immer deutlicher: Die Befahrbarkeit der Elbe hat sich immens verschlechtert, obwohl hier intensiv wasserbauliche Maßnahmen umgesetzt wurden. Eine verlässliche und planbare Schifffahrt ist auf der Elbe nicht möglich, weil das dafür notwendige Wasser fehlt. Ein Ausbau der Reststrecke hilft da auch nicht weiter. Zudem plant die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung mit Wassermengen, die es seit 10 Jahren so nicht mehr gibt. Das kann nicht funktionieren.“

Auf der Strecke Magdeburg bis Lauenburg wurde dieses Jahr schon an über 100 Tagen die angestrebte Mindest-Fahrrinnentiefe von 1,40 Meter unterschritten. An über 70 Tagen wurde sogar 1,0 Meter gerissen. Nun haben sich die Tiefen zwischen 40 und 60 Zentimeter eingependelt – und der Sommer hat gerade erst begonnen. Dabei ist nicht nur der als Engpass bezeichnete Bereich der Reststrecke betroffen, sondern auch die Elbe stromauf. Trotz immenser Ausgaben für die Elbe als Wasserstraße ist die seit 30 Jahren angestrebte Verlagerung vom LKW gescheitert. Es werden immer weniger Güter auf dem Fluss transportiert, dieses zeigen auch die Statistiken der Häfen der mittleren Elbe.

„Die klimatischen Bedingungen haben sich massiv geändert. Die nötige Wassermenge für eine reguläre Schifffahrt fehlt an der Elbe im Schnitt an bis zu fünf Monaten im Jahr. Diese Realitäten sprechen für ein Umdenken. Es ist nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus ökologischen Gründen widersinnig, weiterhin auf die Elbe als Haupt-Binnenwasserstraße zu setzen. Diese Flusslandschaft mit ihren überaus wertvollen Auen und Altwassern benötigt dringend das Wasser der Elbe. Es darf nicht in einer vertieften Fahrrinne schnell abfließen, sondern muss in der Landschaft zurückgehalten werden, um die Grundwasserspeicher wieder aufzufüllen. Davon profitiert auch die Landwirtschaft“, so Mannstedt weiter.

Weitere Informationen:
Aktuelle Fahrrinnentiefen: https://www.elwis.de/DE/dynamisch/Ft/Start, Datenquelle: Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung
Extreme Niedrigwasserjahre waren 2015, 2018, 2019, 2020, 2022, 2023 und 2025

BUND-Pressestelle:
Lara-Marie Krauße, Tel. (0511) 965 69 – 0, presse(at)nds.bund.net, www.bund-niedersachsen.de

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