Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren.

BUND Landesverband Niedersachsen

Wildkatzenbabys in Niedersachsen gesichtet - BUND rät: Kätzchen im Wald lassen und achtsam im Straßenverkehr fahren

14. November 2019 | Artenschutz, Lebensräume, Mitmachen, Wildkatze, Wildkatze

Bayrische Wildkatze. Foto: Thomas Stephan

Derzeit erreichen den BUND gehäuft Meldungen von sehr jungen Wildkatzen, die im südlichen Niedersachsen im Wald gesichtet werden. Das ist zu dieser Jahreszeit ungewöhnlich, denn eigentlich werden die Kätzchen im April geboren. Immer wieder nehmen besorgte Tierfreunde sie mit, bringen sie zu Tierärzten oder Schutzstationen oder behalten sie einfach zu Hause. Das kann für eine Wildkatze tödlich sein. Der BUND fordert Spaziergänger*innen und Wanderer auf, die Jungtiere nicht anzufassen oder gar mitzunehmen, auch wenn sie scheinbar allein und mutterlos angetroffen werden.

„Für die Tiere bedeutet die Entnahme aus ihrem Lebensraum enormer Stress“, weiß BUND-Wildkatzenexpertin Andrea Krug. „Zudem ist das Immunsystem der Wildkatze, insbesondere das der Jungtiere, nicht gegen Infektionen mit Hauskatzenkrankheiten gewappnet. Auch wenn die Tiere für diese Jahreszeit ungewöhnlich jung sind, sollten sie daher nicht in menschliche Obhut genommen werden.“ Die Kätzchen stammen aus einem zweiten Wurf einer Wildkatze. Dieser erfolgt, wenn der erste Wurf nicht überlebt hat. Jungkatzen sind sehr anfällig bei kalten und nassen Wetterbedingungen, sie werden dann schnell krank und sterben. Ihre Überlebensrate über den Winter hängt von den Temperaturen und Schneeverhältnissen ab. „Wer bei der Sichtung einer Jungkatze Zweifel hat, sollte den zuständigen Förster, Jäger oder den BUND kontaktieren und diesem die Stelle, an der er die Kätzchen gesichtet hat, mitteilen. Fachleute kümmern sich dann um das Tier“, empfiehlt Krug.

Eine noch größere Gefahr droht der Wildkatze in diesen Wochen durch den Straßenverkehr: Ausgewachsene Tiere begeben sich jetzt auf die Suche nach neuen Lebensräumen. Vielen droht dabei der Tod an der Straße, denn vielerorts wird ihr Lebensraum von vielbefahrenen Verkehrswegen durchschnitten. „Für den Erhalt der streng geschützten Art stellen Verkehrsunfälle eine ernste und dauerhafte Bedrohung dar“, betont die BUND-Expertin. Sie rät Autofahrer*innen, besonders in waldreichen Gegenden und in der Dämmerung auf Geschwindigkeitsbegrenzungen und allgemeine Wildwechsel-Verkehrsschilder zu achten. „Behalten Sie den Straßenrand rechts und links im Auge. Blenden Sie nicht das Fernlicht auf, wenn ein Tier zu sehen ist, sondern hupen Sie, damit das Tier flüchtet.“

Der BUND setzt sich seit Jahrzehnten für den Schutz der Wildkatze ein, unter anderem indem er Lebensräume wieder miteinander vernetzt. Mit Unterstützung von Freiwilligen pflanzt er in Niedersachsen sogenannte „grüne Korridore“ aus Bäumen und Büschen zwischen naturnahen Wäldern, die den Wildkatzen Schutz und Deckung bei der Eroberung neuer Lebensräume bieten. Aus Sicht des BUND müssen Politik und Behörden jedoch noch viel stärker als bisher handeln: „Unser Straßennetz gehört zu den dichtesten der Welt. Die letzten unzerschnittenen Lebensräume müssen bewahrt werden und dürfen nicht dem Straßenbau geopfert werden“, so Krug.


Weitere Informationen:
Die Europäische Wildkatze breitet sich seit einigen Jahren in Niedersachsen wieder aus. In 2018 konnte sie erstmals in der Lüneburger Heide nachgewiesen werden.
Häufig werden die grau-getigerten Wildkätzchen für Nachwuchs verwilderter Hauskatzen gehalten. Insbesondere junge Wildkatzen sehen Hauskatzen zum Verwechseln ähnlich. Wenn sie älter werden, verblasst die Fellzeichnung und sie sind durch ihren kräftigen Körperbau und den buschigen Schwanz mit stumpfer, schwarzer Spitze als Wildkatze besser zu erkennen.


Wer Wildkatzenjunge gesehen hat, kann dies dem BUND Niedersachsen online melden: www.bund-niedersachsen.de/wildkatze


Pressefotos: www.bund.net/wildkatzenfotos, © siehe Fotobeschreibung



Rückfragen zum Thema an:
Andrea Krug
Wildkatzenexpertin
BUND Landesverband Niedersachsen
Tel. (0511) 965 69 - 39
andrea.krug(at)nds.bund.net


Pressekontakt:
Dr. Tonja Mannstedt
Pressesprecherin
BUND Landesverband Niedersachsen
Tel. (0511) 965 69 - 31
tonja.mannstedt(at)nds.bund.net
 

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb