BUND Landesverband Niedersachsen

Fragen und Antworten zu Mehrwegverpackungen in Pandemie-Zeiten

15. September 2020 | Flüsse & Gewässer, Meere, Mitmachen, Projekt "Plastikfreie Küste"

Momentan befinden wir uns in einer außergewöhnlichen und für uns alle neuartigen Situation. Liebgewonnene Routinen und Gewohnheiten verändern sich durch die Corona-Pandemie.

Viele Verbraucher*innen greifen seit Beginn der Pandemie vermehrt zu Wegwerfverpackungen, die Skepsis gegenüber Mehrwegalternativen steigt. So wundert es kaum, dass seit dem Frühjahr der Verpackungsmüll in privaten Haushalten um zehn Prozent zugenommen hat – so die Unternehmensgruppe "Der Grüne Punkt". Gerade die sogenannten To-Go-Verpackungen verstopfen im öffentlichen Raum die Mülleimer.

Nicht selten wehen die Verpackungen aus überquellenden Mülleimern in die Umwelt und landen so letztendlich auch in unseren Gewässern und Meeren. Der BUND beantwortet angesichts der aktuellen Situation die drängendsten Fragen zum Thema Mehrwegverpackungen und Hygiene.

Sind Einwegverpackungen sicherer als Mehrwegverpackungen?

Nein, Einwegverpackungen sind im Vergleich zu Mehrwegverpackungen auch in Zeiten von Corona nicht die bessere Lebensmittelverpackung. Auch Einwegverpackungen können Viren und krankheitserregende Bakterien aus dem gesamten Produktionsprozess beherbergen und werden anders als Mehrwegverpackungen vor der Verwendung nicht gewissenhaft gewaschen oder desinfiziert.

Darüber hinaus können Einwegplastikverpackungen von Getränken und Lebensmitteln Chemikalien enthalten, von denen viele für die menschliche Gesundheit gefährlich sind. Vermeiden Sie deshalb die Einnahme giftiger Chemikalien, indem Sie wiederverwendbare Verpackungen nutzen – zum Beispiel aus Glas, Edelstahl oder hochwertigem Kunststoff. Lebensmittelsichere Gefäße erkennen Sie am Glas-und-Gabel-Symbol auf der Unterseite.

Setze ich mich durch Mehrwegverpackungen einem größeren Viren-Risiko aus?

Nein. Seife und heißes Wasser über 60 Grad Celsius töten sowohl das Coronavirus als auch andere Viren und Bakterien wirksam ab. Deshalb sind Haushalts- und besonders gewerbliche Geschirrspüler bei der Reinigung der wiederverwendbaren Gefäße wirksamer als das Spülen mit der Hand. Sie reinigen die Gefäße bei höheren Temperaturen und in einen längeren Waschvorgang.

Beachten Sie jedoch unbedingt die geltenden Hygienevorschriften wie Händewaschen oder das Reinigen von Oberflächen und Gemeinschaftsgegenständen! Zudem sollten Sie beim Befüllen von Mehrwegflaschen mit Wasser aus dem Wasserhahn oder aus einem Wasserspender unbedingt darauf achten, dass die Flaschen den Wasserhahn nicht direkt berühren. Das gilt auch für Mehrweg-Kaffeebecher.

Ist das Wiederbefüllen von Mehrwegbehältern in der Gastronomie und auf Märkten wegen Corona verboten?

Ein Verbot, Mehrwegbehälter wieder zu befüllen, gibt es nicht. Der Gebrauch und das Wiederbefüllen sind weiterhin erlaubt, eine Verpflichtung hierzu gibt es aber nicht.

Viele Restaurants konzentrieren sich allerdings aktuell auf Lieferdienste und den Außer-Haus-Verkauf, wobei sie aus vermeintlichen Hygienegründen auf Einwegverpackungen zurückgreifen. Deshalb kommt es derzeit zu einem Anstieg an Verpackungsmüll. Dies ist aber gar nicht notwendig! Projekte wie "Essen in Mehrweg", an dem der BUND mitarbeitet, zeigen, dass Außer-Haus-Konsum auch in Zeiten von Corona klimafreundlich und ressourcenschonend sein kann.

Was kann ich tun, um unsere Umwelt auch in Corona-Zeiten vor Verpackungsmüll zu schützen?

Nutzen Sie Mehrweg, wo immer es möglich ist! Weisen Sie auch gerne Verkäufer*innen darauf hin, dass es durchaus möglich und erlaubt ist, Mehrweggefäße unter Berücksichtigung der Hygieneregeln zu nutzen.

Verwenden Sie zum Bedecken von Mund und Nase zudem selbstgenähte Masken, die immer wieder gewaschen und benutzt werden können. Jede Verpackung oder jeder Gegenstand, den wir nicht wegwerfen, sondern mehrfach benutzen oder reparieren, kommt unserer Umwelt zugute!

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