Wespennest
(Thomas Mühl
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Ein Wespennest im Rolladenkasten, auf dem Dachboden oder in der Erde nahe des Hauses zu finden, ist für die meisten Menschen zunächst einmal eine unangenehme Überraschung. Doch nicht alle Wespen sind Störenfriede. Hier finden Sie Tipps, wie mit einem Nest umgegangen werden sollte.
Wespe ist nicht gleich Wespe
Nur zwei der heimischen Wespenarten lassen sich von unseren süßen und fettigen Nahrungsmitteln locken: die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica).
Die anderen Arten interessieren sich nicht für den menschliche Speisen und stören daher wenig. Wilde Bienen und Wespen sind nur aggressiv, wenn sie ihr Nest bedroht sehen. Zu diesen harmlosen Arten zählen beispielsweise die Feldwespe, die Mittlere Wespe sowie die Sächsische Wespe.
So erkennen Sie, welche Wespe bei Ihnen wohnt
- Die Nester der beiden aggressiveren Arten bestehen aus muschelförmig aufgebauten Lufttaschen und sind hellbraun oder grau. Sie können bis in den Winter besiedelt sein.
- Die Nester der harmloseren Wespen sind meistens grau, hängen frei und können so groß wie ein Fußball werden. Ab Mitte August sind die Nester meist verlassen. Verschiedene Wespen bauen verschieden. Ab Mitte August sind die Behausungen zumeist verlassen.
Unterschiede im Aussehen der Wespen
- Die aggressiveren Arten fallen durch ihre starke gelb-schwarze Warnfarbe auf. Doch es gibt auch Ausnahmen: Die Sächsische Wespe etwa ähnelt sehr ihren aggressiveren Verwandten.
- Die harmlosen Arten wie Feldwespe oder Mittlere Wespe sind relativ groß und eher braun-schwarz. Die Feldwespe erkennt man gut an den hängenden Hinterbeinen im Flug, was ein wenig unbeholfen aussieht.
Tipp: Bei der Bestimmung ist es deshalb wichtig, sich auch die Nestbauweise anzuschauen. Im Zweifelsfall machen Sie ein Foto und begeben Sie sich auf eine vergleichende Recherche im Internet, bevor Sie etwas unternehmen. Im Zweifelsfall schicken Sie ein Foto an einen Experten. Fragen Sie unseren Wespen- und Hornissenexperten!
Wespennester nicht entfernen
Wespennester dürfen nur in besonderen Fällen entfernt werden. Das ist im Bundesnaturschutzgesetz geregelt. Denn Wespen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Ökosysteme. Sie bestäuben unsere Pflanzen und ernähren sich von Insekten wie Blattläusen. In den meisten Fällen ist es deshalb angebracht, sich mit den Untermietern zu arrangieren.
Wenn ein Nest Menschen gefährdet, müssen Sie sich an Expert*innen wenden. Adressen für eine Umsiedlung können Sie bei den Umweltämtern und/oder Naturschutzbehörden der Städte und Landkreise sowie den örtlichen BUND-Gruppen und anderen Naturschutzorganisationen erfragen. Auf jeden Fall ist es besser, die Tiere umzusiedeln statt sie zu vergiften. Das ist nicht nur günstiger, sondern erhält die Wespen, die dann an einem anderen Ort weiterleben können.
Für eine giftfreie Umsiedlung werden die umherfliegenden Tiere in einen Fangkasten eingesaugt, das Nest abgeschnitten und in einem Nistkasten weit entfernt wieder zusammengeführt. Die Kosten für eine Umsiedlung betragen im Frühling und Frühsommer etwa 100 Euro. Die Dauer beträgt je nach Lage und Zugänglichkeit des Nestes dann etwa eine Stunde. Im Spätsommer, wenn die Wespen sich bereits stark vermehrt haben, müssen Sie eher mit 250 bis 300 Euro und mehreren Stunden Arbeit rechnen.
Tipps zum Umgang mit Wespen und Hornissen
Sinnvoll ist es, Fenster mit Insektengittern zu versehen. Wenn Wespen trotzdem noch ins Zimmer kommen, dann oft entlang von Kabelöffnungen bei z.B. Deckenlampen, Rohrleitungen oder Kaminzügen. Dort können sich kleine Spalten und Risse befinden. In so einem Fall genügt es, das Loch zuzustopfen – mit Steinwolle, die keine Feuchtigkeit aufnimmt oder zur Not auch mit Toilettenpapier. Die Wespen sehen dann kein Licht mehr vom Zimmer aus und finden daher den Weg dorthin nicht.
Wespen orientieren sich wie Fliegen am Licht. Wenn Sie einen Eindringling haben, schalten Sie alle Lampen aus, verdunkeln Sie das Zimmer, lassen Sie ein Fenster offen und warten Sie kurz. Wespen, Hornissen oder Fliegen werden sich von alleine nach draußen begeben.
Im Freien ist es wiederum sinnvoll, Speisen gut abzudecken. Außerdem können mit Gewürznelken gespickte Zitronenscheiben auf dem Tisch helfen, Wespen fernzuhalten, da die Tiere den Geruch nicht mögen. Weiterhin gut geeignet ist eine Fütterungsstelle zur Ablenkung mit Fallobst und/oder Zuckerwasser mit Apfelsaft in einer flachen Schale weit weg von der Terrasse.
Einfach aber wirkungsvoll: Blende am Nest
Ist ein Nest von einer der harmloseren Wespen gebaut, gibt es auch die Möglichkeit, eine Blende als Sichtschutz unter dem Nest anzubringen. Dann sehen die Wespen keine menschlichen Bewegungen, fühlen sich nicht bedroht und lassen Menschen in Ruhe.
Für eine Blende kann zum Beispiel mit zehn Zentimeter Abstand zum Nest ein Stück Stoff gespannt und mit Klebeband fixiert werden. Das kann einfach ein altes Bettlaken oder eine alte Tischdecke sein. Alternativ können Sie ein kleines Brett montierten, so dass Sie das Nest nicht versehentlich erwischen. Bei Erdnestern kann ein kleiner Tunnel aus Rohren gebaut werden, um den Ein- und Ausgang zu verlegen.
Nest auf keinen Fall erschüttern
Ziehen Sie für die Arbeiten am Nest lange, dicke Kleidung an und vermeiden Sie schnelle Bewegungen. Da die Wespen dieser Arten aber nur bei Störungen direkt am Nest aggressiv reagieren, ist das Anbringen relativ ungefährlich. Sollten Sie dem Wespennest doch zu nahe kommen und angegriffen werden, ist es wichtig, sich zügig aber ruhig und vor allem ohne schnelle, fuchtelnde Armbewegungen zu entfernen. Auf keinen Fall darf das Nest erschüttert werden.
Verlassene Nester hängen lassen
Tipp: Wespen besiedeln keine verlassenen Nester und bauen auch selten neue in unmittelbarer Nachbarschaft eines alten Nestes. Deshalb ist es sinnvoll, verlassene Wespennester hängen zu lassen.
