BUND Landesverband Niedersachsen

AKW in Niedersachsen

Der deutsche Atomausstieg wurde im Jahr 2011 nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima beschlossen. Dabei wurden lange Restlaufzeiten für die Atommeiler vereinbart. Noch bis 2022 fließt Tag für Tag Atomstrom in das niedersächsische Stromnetz. Dabei wäre das gar nicht nötig. Das Erbe der AKW in Niedersachsen wird uns noch lange begleiten.

Trauriges Schlusslicht in Niedersachsen: AKW Emsland

Atomkraftwerk Emsland in Lingen  (ChNPP / Wikimedia / Creative Commons )

Das Atomkraftwerk Emsland in Lingen, auch Lingen II genannt, wird zusammen mit den AKW Isar 2 und Neckarwestheim 2 der letzte Meiler sein, der in Deutschland vom Netz geht. Der Druckwasserreaktor mit einer Leistung von 1.329 Megawatt wird mit Urandioxid-Brennelementen betrieben, die er direkt aus der nahe gelegenen Brennelementefabrik – der einzigen in Deutschland – bezieht. Die Fabrik ist im Jahr 1979 in Betrieb gegangen, das AKW folgte 1988. Es wird von der Kernkraftwerke Lippe-Ems GmbH betrieben, deren Eigentümer die Energiekonzerne RWE und PreussenElektra sind. In der Brennelementefertigungsanlage produziert die Firma Advanced Nuclear Fuels GmbH Brennstäbe für deutsche und ausländische Atomkraftwerke. 

Auch das AKW Emsland könnte längst abgeschaltet sein. Ungeachtet der Tatsache, dass der Atomausstieg längst beschlossene Sache ist und der Anteil der Energieversorgung aus AKWs verschwindend gering ist, werden selbst die immer wieder von BUND Niedersachsen und ausgestrahlt. kritisierten Sicherheitsmängel des AKWs ignoriert. Das AKW Emsland soll im Dezember 2022 aus dem Regelbetrieb genommen werden.  

Das Erbe des Atomkraftzeitalters in Niedersachsen

Nur 40 Kilometer südlich der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover liegt das am zweitlängsten noch im Leistungsbetrieb gewesene niedersächsische Atomkraftwerk: Grohnde. Als einer der größten Atommeiler weltweit mit 1.360 MW liefert es seit 1985 Atomenergie für PreussenElektra. Auch die Stadtwerke Bielefeld waren an dem AKW beteiligt, das über Jahrzehnte hinweg Schauplatz großer Anti-Atom-Proteste und schwerer Auseinandersetzungen war. Im Dezember 2021 ist das Atomkraftwerk Grohnde aus dem Leistungsbetrieb ausgeschieden. Die Atomkraftwerke Stade (Leistungsbetrieb bis 2003, Rückbau bis 2026) und Unterweser (Esensham, Leistungsbetrieb bis 2011, Rückbau bis 2031) werden derzeit bereits zurückgebaut. Der Stilllegungsbetrieb und Rückbau der alten AKWs in Niedersachsen wird uns noch Jahrzehnte begleiten.

Mit dem Abschalten ist es nicht getan!

Drei Wege stehen zur Auswahl, um ein Atomkraftwerk zurückzubauen: Der "sichere Einschluss", der "direkte Rückbau" oder der "Rückbau nach sicherem Einschluss". Beim "sicheren Einschluss" wird das AKW – zum Beispiel mit Hilfe einer Betonhülle – von der Biosphäre abgetrennt. Beim "direkten Rückbau" wird das Atomkraftwerk nach Ende des Regelbetriebs auseinandergebaut, die verstrahlten Bauteile müssen vor Ort aufwendig zerlegt werden, soweit möglich gereinigt. Der "Rückbau nach Einschluss" ist eine Kombination beider Methoden: Das AKW wird für einen bestimmten Zeitraum eingeschlossen und erst einige Jahrzehnte später zurückgebaut.

Um zu verstehen, warum der Rückbau so lange dauert, muss man sich die Größenordnung des Vorhabens bewusst machen: Bevor mit dem Rückbau eines AKW begonnen werden kann, müssen die Brennelemente zuerst abgekühlt werden: Bis zu fünf Jahre liegen sie im Abklingbecken, bis sie in Castoren eingeschlossen zwischengelagert werden können. Weitere 40 Jahre muss der Müll warten, damit er endgelagert werden kann – sollte es dann ein Endlager geben.

Ein ebenso großes Problem stellt die Bausubstanz an sich dar: Durchschnittlich mehr als eine Million Tonnen Abfall müssen pro AKW entsorgt werden, in etwa ein Drittel davon ist radioaktiv verseucht. Der größte Teil dieser Abfälle kann gesäubert werden, rund drei Prozent bleiben stark radioaktiv. Dieser Müll wird gemeinsam mit den Brennelementen aus den Reaktoren dauerhaft eingelagert.

Damit ein Bauteil wieder in den Wertstoffkreislauf zurückkommen kann, muss es ein mehrstufiges Verfahren durchlaufen: Nach der Demontage, Zerlegung und Zerkleinerung werden die Bauteile mit Wasser, Sandstrahlern und Stahlkugelstrahlern gereinigt. Im Anschluss werden wiederholt Untersuchungen durchgeführt, ist ein Bauteil bei einer der Prüfungen belastet, kommt es zurück in die Dekontamination und muss den Kreislauf erneut durchlaufen.

Kritiker hinterfragen die bei dieser Methode angesetzten Grenzwerte: Wann ist ein Bauteil wirklich ungefährlich? Hier müssen sich die Bürger auf den Staat verlassen, wie so oft beim Thema Atomkraft, ohne absolute Sicherheit.

BUND-Bestellkorb