Erdgas

Erdgas soll als Brückentechnologie zum Ausstieg aus der Verbrennung von Braun- und Steinkohle beitragen. Doch auch der Einsatz von Erdgas schadet dem Klima und bremst vielerorts die Motivation, die Erneuerbaren Energien schnell und wirkungsvoll auszubauen. Aus Sicht des BUND muss der Einsatz von Erdgas und aller anderen fossilen Energieträger so schnell wie möglich beendet werden.

Da der Ausbau der Erneuerbaren bisher nur schleppend vorankommt, fordern Industrie und Politik, Erdgas als Übergangslösung zu nutzen. Erdgas hat noch immer einen Anteil von einem Viertel am Primärenergieverbrauch in Niedersachsen. Bei der Wärmeerzeugung betrug der Erdgasanteil in 2024 sogar rund 70 Prozent. Auch bei der Gewinnung spielt das Land bundesweit eine Schlüsselrolle: Mit fast 98 Prozent Anteil an der deutschen Erdgasproduktion ist Niedersachsen das Zentrum der deutschen Erdgasförderung.

Klimakiller Erdgas

Erdgas ist ein fossiles Gasgemisch, das überwiegend aus Methan besteht und üblicherweise aus 3.000 bis 5.000 Metern Tiefe gefördert wird. Erdgas lässt sich mit Pipelines und Schiffen transportieren und in Tanks und unterirdischen Kavernen speichern. Noch sind weltweit genügend Reserven vorhanden, doch neue Lagerstätten erfordern einen immer höheren technischen Aufwand. Der Anteil an Erdgas aus ökologisch sensiblen Gebieten und aus Frackingprojekten – wie beispielsweise den USA – nimmt zu.

Auch wenn die Verbrennung von Erdgas in modernen Kraftwerken weniger CO₂ erzeugt als die Verbrennung von Kohle oder Heizöl, ist der Treibhausgasschaden beträchtlich. Zusätzlich kommt es entlang der gesamten Kette, von der Förderung über die Einspeisung und den Transport in Pipelines sowie die Lagerung in Kavernen und Tanks bis hin zu einer unvollständigen Verbrennung, zur Freisetzung von Methan. Methan ist ein gefährliches Klimagas. Auf einen Zeitraum von 100 Jahren gerechnet ist Methan, laut Weltklimarat, 28-mal so klimaschädlich wie Kohlendioxid, auf 20 Jahre sogar 81-mal. Das freigesetzte Methan wird oft nicht oder nur unvollständig in die Berechnung der Klimawirkung von Erdgas miteinbezogen.

Erdgasboom beruht auf Wirtschaftsinteressen

Warum setzen Bundes- und Landesregierung weiterhin auf die Gewinnung von Erdgas? Erdgas bietet eine bequeme Möglichkeit, um am Prinzip von Großkraftwerken und einer zentralisierten Energieversorgung festzuhalten und nicht an tieferen Strukturen unseres Energiesystems oder gar unserer energiehungrigen Lebensweise zu rütteln. Gleichzeitig umgehen Regierung und Konzerne potenzielle Konflikte hierzulande (zum Beispiel im Zusammenhang mit der Ausweisung von Flächen, hohen CO₂-Preisen etc.), verlagern die Probleme in die Länder, die Erdgas fördern und in der Konsequenz auch in die Teile der Erde, die von den Folgen des Klimawandels schon heute akut bedroht sind.

Deutschland bezog Erdgas im Jahr 2024 hauptsächlich aus drei Ländern: Norwegen (ca. 48%), den Niederlanden (ca. 25 %) und Belgien (ca. 18 %). In 2025 waren diese drei Länder ebenfalls die Hauptlieferanten. Mit Blick auf LNG-Importe, sind die USA der Hauptlieferant (ca. 92 % der LNG-Importe). Bundesweit plädiert die Gas-Lobby für den Ausbau der Gasinfrastruktur, mit dem Argument, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten – auch wenn die Erdgasnachfrage abnimmt. Eine Studie des Umweltbundesamts zeigt, dass die Nutzung von Erdgas in Deutschland stark rückläufig ist und es somit schlicht keinen Bedarf für den massiven Ausbau von Gasnetzen gibt.

Dennoch setzt die Energieindustrie auf den Fuel Switch, also den Umstieg von Kohle auf Erdgas. Energieversorger planen den Neubau von Kraftwerken, in denen erst Erdgas, zum Teil mit einem geringen Prozentsatz beigemischtem Wasserstoff, ab 2035 dann nur noch „klimaneutrale Gase“ verbrannt werden sollen. Problematisch ist dabei nicht nur, dass unter „klimaneutralen Gasen“ nicht ausschließlich grüner, sondern auch der aus Erdgas gewonnene, blaue und türkisfarbene Wasserstoff verstanden wird. Darüber hinaus ist bislang völlig ungeklärt, woher die entsprechenden Mengen an Wasserstoff kommen sollen. Da selbst die Nutzung von importiertem, grünem Wasserstoff nicht grundsätzlich klimaneutral ist und teils ethische Fragen aufwirft, muss der Fokus auf regional erzeugtem Wasserstoff liegen. Dessen Nutzung wird jedoch auch langfristig für Sektoren reserviert sein, in denen keine Alternativen zum Einsatz kommen können, wie zum Beispiel in der Stahl- oder Chemieindustrie. 

Der massive Ausbau der Erdgas-Infrastruktur ist also keine Brückentechnologie. Vielmehr besteht die Gefahr von Fehlinvestitionen, mit denen Finanzmittel in den Sand gesetzt werden und die klimaneutrale Transformation verzögert wird.

Einstieg in die Wärmewende

Rund 70 Prozent des genutzten Erdgases in Deutschland diente 2024 der Wärmeerzeugung in privaten Haushalten und in der Industrie. Für eine klimaneutrale Zukunft muss neben dem massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien, der Steigerung von Energieeffizienz und Energieeinsparungen daher vor allem die Wärmewende im Fokus stehen.

Aus Sicht des BUND muss der Einsatz von Erdgas und aller anderen fossilen Energieträger so schnell wie möglich beendet werden. In Heizungsanlagen hat Erdgas keine Zukunft und auch Wasserstoff ist zu schade, um ihn zu verheizen. In allen aktuellen Studien zum deutschen Energiesystem spielen Erdgas-Anlagen zur Strom- oder Wärmeerzeugung bisher eine Rolle. Sie dienen der Flankierung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien und sollen später auf grünen Wasserstoff umgestellt werden. Diese Sichtweise muss sich ändern.

Weiterführende Informationen:
Smart statt Gas: Flexibilisierung als Schlüssel für ein zukunftsfestes Energiesystem

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