Am 13. September 2026 wählen die Menschen in Niedersachsen ihre kommunalen Parlamente neu. Vor Ort entscheidet sich, wie konsequent wir unser Klima schützen, Natur erhalten und lebenswerte Städte und Gemeinden gestalten. Viele zentrale Weichenstellungen – von der Mobilität bis zur Wärmeversorgung, von der Landwirtschaft über den Gewässerschutz bis hin zum Biotopverbund – passieren vor Ort.
Der BUND Niedersachsen hat deshalb zentrale Forderungen formuliert, damit Kommunen zu starken Akteuren einer sozial-ökologischen Transformation werden. Die folgenden zehn Kernpunkte richten sich an Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit – und zeigen, wie nachhaltiges Handeln auf kommunaler Ebene gelingt.
1. Klimaschutz verbindlich verankern – Klimaneutralität bis spätestens 2040 erreichen
Kommunen müssen ambitionierte Klimaschutz- und Wärmepläne entwickeln und in die Lage versetzt werden, sie konsequent umzusetzen. Dazu gehören energetisch sanierte öffentliche Gebäude, klimafreundliche Fuhrparks, erneuerbare Energie auf allen geeigneten Dächern und der naturverträgliche Ausbau von Wind- und Solarenergie.
Nur wenn Kommunen ihrer Vorbildrolle gerecht werden, gelingt der Weg in die Klimaneutralität.
2. Natur schützen & Biotope vernetzen – mit starken kommunalen Maßnahmen
Wertvolle Naturflächen müssen konsequent geschützt und weiterentwickelt werden. Das heißt: Schutzgebiete und wertvolle Lebensräume wie Hecken, Gewässerrandstreifen und Alleen müssen erhalten und gepflegt, kommunale Biotopverbundkonzepte entwickelt und umgesetzt werden. Durch die Renaturierung von Bächen und Auen, die naturverträgliche Bewirtschaftung kommunaler Wälder und die Wiedervernässung von Mooren entsteht ein lebendiges Netz aus Lebensräumen – ein zentraler Beitrag gegen Artensterben und für natürlichen Klimaschutz.
3. Mobilität neu denken – klimafreundlich, bezahlbar und für alle zugänglich
Kommunen sollen in die Lage versetzt werden, den ÖPNV bedarfsgerecht auszubauen, Taktlücken im ländlichen Raum zu schließen und sichere Radwege zu schaffen.
Tempo 30, autofreie Innenstädte und attraktive Fußwege erhöhen zugleich Sicherheit, Gesundheit und Lebensqualität. Mobilität ist Teil der Daseinsvorsorge – klimafreundliche Verkehrssysteme müssen für alle zugänglich und bezahlbar sein.
4. Städte lebenswert gestalten – weniger Autos, mehr Grün
Hitze, Lärm und versiegelte Flächen beeinträchtigen die Lebensqualität der Menschen. Kommunen sollten ihre Straßenräume umgestalten: mehr Bäume und damit mehr Schatten, mehr naturnahe Grünflächen, weniger Verkehrsfläche.
Jeder zehnte Parkplatz kann in ein Baumbeet umgewandelt werden. Innenstädte profitieren von Verkehrsberuhigung, neuen Aufenthaltsräumen und einer attraktiven, naturnahen Gestaltung.
5. Flächen sparen – Innenentwicklung vor Außenentwicklung
Täglich verschwinden in Niedersachsen erhebliche Flächen unter Beton. Kommunen müssen den Flächenverbrauch drastisch reduzieren und nach dem Prinzip „Netto-Null-Versiegelung“ handeln: Neue Versiegelung nur, wenn an anderer Stelle entsiegelt wird.
Statt neuer Baugebiete im Außenbereich braucht es Umbau vor Neubau, Nachverdichtung unter Berücksichtigung innerörtlicher Grünflächen und flächeneffiziente Gewerbegebiete. So bleiben Natur, Böden und landwirtschaftliche Flächen geschont.
6. Wasser schützen – Schwammstadt-Prinzip umsetzen
Die zunehmende Klimakrise führt zu Wasserknappheit und Dürren sowie zunehmenden Starkregenereignissen. Kommunen müssen Wasserrückhalt und Grundwasserschutz ins Zentrum ihrer Planung stellen.
Renaturierte Bäche, Rückhalteflächen, entsiegelte Böden, begrünte Dächer und Schwammstadt-Konzepte sorgen für kühleres Stadtklima, bessere Wasserspeicherung und mehr Lebensqualität.
7. Pestizidfreie Kommunen und naturnahe Pflege
Kommunale Flächen müssen vollständig ohne chemisch-synthetische Pestizide bewirtschaftet werden. Schottergärten müssen konsequent untersagt, Grünflächen naturnah und insektenfreundlich gestaltet werden.
Hecken, Alleen, Wegränder, Saumstrukturen und Friedhöfe können mit wenig Aufwand zu wertvollen Rückzugsräumen für Tiere und Pflanzen entwickelt werden.
8. Nachhaltige Landwirtschaft und regionale Ernährung stärken
Kommunen können viel bewegen: durch Bio-Quoten in Kitas, Schulen und Kantinen, durch Unterstützung regionaler Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen sowie durch ökologische Kriterien bei der Verpachtung kommunaler Flächen.
Naturschutzleistungen von Landwirt*innen beim Wiesenvogelschutz, bei Entwicklung und Pflege von Hecken, extensivem Grünland und Uferstreifen müssen gezielt gefördert werden.
9. Ressourcen schonen – Kreislaufwirtschaft voranbringen
Kommunen sollen ihre Beschaffung nachhaltig ausrichten, Recycling fördern, Wertstoffhöfe optimieren und Zero-Waste-Strategien entwickeln.
Mehrwegsysteme, Repair-Cafés, Werkzeugverleih und Foodsharing-Angebote helfen, Abfall zu vermeiden und den Ressourcenverbrauch nachhaltig zu reduzieren.
10. Beteiligung stärken – Bildung für nachhaltige Entwicklung fördern
Transformation gelingt nur gemeinsam. Kommunen sollen Klima- und Umweltbeiräte einrichten, Beteiligungsprozesse früh und verbindlich gestalten und Bürger*innen sowie Initiativen aktiv einbinden.
Gleichzeitig braucht es hochwertige Bildungsangebote zu Klima, Natur und Nachhaltigkeit – von der Kita bis zur Erwachsenenbildung.
Warum das wichtig ist
Klimakrise, Artensterben und Ressourcenverbrauch wirken lokal – und sie lassen sich lokal wirksam bekämpfen. Kommunen können Vorreiter sein, wenn sie Verantwortung übernehmen, gute Rahmenbedingungen schaffen und mutige Entscheidungen treffen.
Die Kommunalwahl 2026 ist eine zentrale Chance, Niedersachsen zukunftsfähig, lebenswert und gerecht zu gestalten.
