BUND Landesverband Niedersachsen

Schluss mit der Pökelei!

Seit Jahrzehnten werden große Mengen an Salzabwässern direkt in die Weser und Werra eingeleitet. Die Folgen für die Flussnatur sind dramatisch.

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Flüsse sind Lebensadern der Landschaft. Doch die Versalzung bedroht die einzigartigen Lebensräume an Werra und Weser. Seit Jahrzehnten leitet ein Unternehmen des Kalibergbaus große Mengen an Salzabwässern ungefiltert in die Flüsse ein. Da Salz nicht abgebaut wird, sind Werra und Weser bis zur Mündung von den Salzfrachten betroffen.

Die Folgen sind dramatisch: Die Ökosysteme dieser Flüsse wurden durch die Salzeinleitungen nahezu vollständig zerstört. Fische in der Werra und der Oberweser haben massive Hautschäden und Krankheitsbilder. Unsere Süßwasserfische und all die anderen Flussbewohner brauchen Flüsse ohne Salzabwasser!

Zeit für einen Wendepunkt!

Ende des Jahres 2021 entschieden die Bundesländer entlang von Weser und Werra über die Salzeinleitungen der kommenden Jahre und damit über die Zukunft der beiden Flüsse.

Der BUND forderte die Umweltminister*innen von Hessen, Thüringen und Niedersachen auf:

  • sich unmissverständlich für die konsequente Reduktion der Salzeinleitungen in Werra und Weser einzusetzen, wie sie bereits 2016 beschlossen wurde – auch gegen die aktuellen Forderungen des Bergbauunternehmens K + S, die Einleitungen weniger stark abzusenken,
     
  • geltendes Wasserrecht durchzusetzen: Nur mit sinkenden Salzfrachten kann ein guter ökologischer Zustand an Werra und Weser erreicht werden, wie ihn die europäische Wasserrahmenrichtlinie bis zum Jahr 2027 vorschreibt.

Einen herzlichen Dank an alle, die unsere Kampagne "Schluss mit der Pökelei!" unterstützt haben.

 

Salzhalde. Foto: BUND Hessen Salzhalden lösen sich durch die Niederschläge auf und sind die Ursache für die Salzeinleitungen in Werra und Weser. Foto: BUND Hessen

FAQ

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Woher kommt das Salz?

Aufgrund des 100-jährigen industriellen Kalibergbaus gehören Weser und Werra zu den am stärksten mit Salz belasteten Flüssen Europas. Der Grenzwert für Chlorid-Ionen in Gerstungen an der Werra übersteigt beispielsweise mit 2.500 mg/l den Wert der Trinkwasserverordnung um das 10-fache.

Leicht lösliche Kalisalze gehören weltweit zu den Grundstoffen der Düngemittelindustrie. Doch fast drei Viertel der bergmännisch abgebauten Salze gelten als Abfall und werden entsorgt: auf Salzhalden, durch Verpressung in den Untergrund oder durch die Einleitung in Flüsse.

Verantwortlich für die Versalzung von Werra und Weser ist der Düngemittelhersteller K + S: Der Konzern leitet seine salzhaltigen Abwässer aus seinen Produktionsstätten ungefiltert in Thüringen und Hessen in die Werra ein. Von dort gelangt die lebensbedrohliche Salzlast in die Oberweser.

Wie schädlich ist die Versalzung für die Tier- und Pflanzenwelt?

Die Salzeinleitungen der Kaliindustrie in die Werra und Oberweser haben das Süßwasserökosystem nahezu vollständig zerstört. Das hat massive Folgen für Flusslebewesen: viele Tiere sind krank, die Unterwasserwelt verändert sich, die Artenvielfalt geht verloren. Nur noch wenige Fischarten halten es in dieser lebensfeindlichen Umgebung aus. Die Salzabwässer beeinträchtigen auch den Gesundheitszustand und die Fortpflanzungsfähigkeit der letzten, noch verbliebenen Fischarten. Die Tiere leiden beispielsweise unter Geschwüren, Rötungen und Vernarbungen. Studien belegen, dass die Salzeinleitungen in die Werra hierfür maßgeblich verantwortlich sind.

Warum werden die Flüsse nicht längst vor Versalzung geschützt?

Seit langem diskutieren Politik, Industrie und Umweltverbände über eine Verringerung der Salzmengen in Werra und Weser. Eine wesentliche Verminderung des Salzgehaltes wurde bis heute jedoch nicht erreicht. Im Jahr 2016 schien ein Lösungsweg gefunden, als sich die Umweltminister*innen von Hessen, Thüringen und Niedersachsen auf Grenzwerte einigten. Im „Bewirtschaftungsplan Salz“ wurde bis zum Jahr 2027 eine schrittweise Reduzierung der Salzfrachten festgelegt. So könnten sich Werra und Weser endlich von der jahrzehntelangen Salzbelastung erholen.

Bis zum Jahresende müssen sich die Umweltminister*innen über die Aufstellung des Bewirtschaftungsplans für die Jahre 2021-2027 verständigen. Die Übernahme der vereinbarten Grenzwerte schien eine Selbstverständlichkeit. Doch K + S rüttelt an dem Kompromiss und will die Grenzwerte abschwächen. Den Wünschen des Kaliunternehmens nachzugeben, wäre für die Tiere und Pflanzen der Werra und Weser ein Todesurteil.

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