BUND Landesverband Niedersachsen

Terra Preta

Wissenswertes rund um die Herstellung und Anwendung von Terra Preta

Terra Preta (portugiesisch für „schwarze Erde“) ist eine alte Kulturtechnik der Naturvölker im Amazonasbecken. Dieses Wissen soll nun auch in den modernen Industrieländern Anwendung finden und durch seine Vorteile als Torfersatzstoff und als Mineraldüngersubstituent fungieren.

Terra Preta besteht aus Pflanzenkohle, die mit Kompost, Dung, meist noch mit Urgesteinsmehl und effektiven Mikroorganismen, durch einen mehrwöchigen Fermentierungsprozess eine nährstoffreiche Schwarzerde bildet. Das fördert die für ein gesundes Pflanzenwachstum wichtigen Bodenlebewesen, speichert Nährstoffe und Wasser und ermöglicht einen dauerhaften Humusaufbau. Damit trägt die Terra Preta zu Klimaschutz, Ressourcenschonung und Ernährungssicherheit bei. Die Nutzung der Schwarzerde kann, ähnlich wie die derzeit praktizierte Kompost- und Humuswirtschaft, zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Produktionsflächen führen. 

Terra Preta - Konzept

Zur Herstellung von Terra Preta (auch Pflanzenkohlesubstrat, PKS genannt) werden folgende Inhaltsstoffe benötigt:

  • reifer Kompost 
  • reifer Dung (Pferde- oder Rinderdung)
  • zertifizierte Pflanzenkohle
  • Gesteinsmehl
  • Effektive Mikroorganismen oder Pflanzenjauche

Der reife Kompost (Reifegrad V) wird mit  reifem Dung und Urgesteinsmehl vermengt und mit Impfkulturen aus Effektiven Mikroorganismen oder Pflanzenjauchen bewässert, um die Pflanzenkohle zu aktivieren. Zwischen 5-6 Wochen dauern die darauffolgenden Prozesse der Milchsäuregärung/ Fermentation. Je nach Einsatz kann das fertig aufbereitete Material noch gesiebt oder direkt ausgebracht werden.

Um eine ökologisch nachhaltige Beschaffung der verwendeten Biomasse zur Herstellung von Pflanzenkohle zu sichern und um die Eigenschaften und die Qualität der Pflanzenkohle zu standardisieren, empfehlen wir zur Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben des Bodenschutzes zertifizierte  EBC-Pflanzenkohle (european biochar certification).

Die EBC-Richtlinien finden Sie hier: http://www.ithaka-journal.net/certificate/europaeisches-pflanzenkohle-zertifikat-v4.2-final2012.pdf

Vorteile der Terra Preta

  • Erhöht die Fähigkeit des Bodens zum Speichern von pflanzenverfügbaren Nährstoffen und von Wasser
  • Organische Abfälle werden in hochwertige Dünger umgesetzt, damit kann eine Düngemittelreduktion erfolgen.
  • Schließung lokaler Stoffkreisläufe durch direkte Wiederverwertung organischer Biomasse
  • Fäulnisprozesse und damit die Freisetzung von Kohlenstoffdioxid und Methan werden vermieden, damit wird ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet.
  • Durch Einsatz von Pflanzenkohle kann langfristig Kohlenstoff im Boden gespeichert werden (Kohlenstoffsequestierung). Dabei ist noch zu klären ob die Sequestrierung in Humus-C oder PK-C stattfindet und unter welchen Bedingungen (Bodengefüge/ klimatische Verhältnisse).

Terra Preta stellt eine Kulturtechnik dar, die zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Produktionsflächen führt. Sie kann neben die derzeit praktizierte Kompost- und Humuswirtschaft treten und den Einsatz von Torf in der Praxis reduzieren.

Der BUND engagiert sich intensiv seit Jahren für den Schutz der Moore. Das Terra Preta-Projekt unterstützt beide Ziele, indem einer der geeigneten Torfersatzstoffe in Niedersachsen bekannter gemacht und seine Anwendung gefördert wird. Dies ist wichtig, weil mit dem Abbau von Torf wichtige Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten verloren gehen. Außerdem speichern intakte Moore klimaschädigende Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid und Methan. Nichtintakte Moore und Torfabbau hingegen setzen Treibhausgase frei. Allein in Deutschland werden pro Jahr 2 Millionen Tonnen Kohlendioxid durch Torfabbau freigesetzt.

Durch Anwendung der Terra Preta wird ein wichtiger Beitrag zur Umweltsicherung und zur Reduktion des Torfeinsatzes und –abbaus geleistet, damit Moore als wichtiger Beitrag zum Klimaschutz erhalten bleiben. 

Alternativen zum Torf

Eine Methode um das obere Bodengefüge und die Bodenfruchtbarkeit zu Verbessern folgt durch die Zugabe von Kompost. Im eigenen Garten oder in geschlossenen Kompostbehälnissen für den Balkon lässt sich mit organischem Material der eigene Kompost herstellen. Dieser bietet einen hohen Anteil an Mineralstoffen und für den Garten eine Erhöhung der biologischen Aktivität, durch Förderung des Edaphons. Es empfiehlt sich den Kompost jährlich neu anzusetzen und reifen Kompost neu aufzubringen. Je nach Nährstoffverhältnissen der zu nährenden Kultur variiert die Menge. Für eine allgemeine Faustregel lässt sich gut merken: “eine Schaufel pro Quadratmeter“ in den Boden flach einarbeiten. Durch die Zugabe von Kompost, benötigen die heimischen Pflanzen im Garten keinen Torf. Unterstützend sollte auf einen gut durchlüfteten und lockeren Boden geachtet werden. Eine nährstoffreiche Alternative zu Torf ist die mit Pflanzenkohle und Kompost vermischte Terra Preta-Erde. Sie kann besonders erfolgreich im Hobbygartenbereich, bei Nutzpflanzen mit einem hohen Bedarf an Nährstoffen eingesetzt werden. Durch Erfahrungsaustausch mit vielen Kooperationspartnern und Terra Preta-Anwendern kann die Terra Preta ebenfalls bei Mittel- und Schwachzehrer eingesetzt werden, wenn der Gehalt an Pflanzenkohle an die Nährstoffzufuhr der Kulturen angeglichen wird.
In der Forschung laufen vielseitige Versuche um zum Torf, welches aus den Mooren stammt und ein begrenzter Rohstoff ist, Alternativen mit vergleichbaren positiven Eigenschaften zu entwickeln. Das Torfmoos (Sphagnum farming) hat die gleichen positiven Eigenschaften wie Torf und wird bereits in der Kultivierung von beispielsweise Orchideen eingesetzt. Um den Nährstoffbedarf bei anderen Kulturen zu decken und Torfmoose zu verwenden, ist weitere Forschung notwendig. 

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