Nur knapp neun Prozent der Flussauen in Deutschland sind ökologisch intakt, im Wesereinzugsgebiet sogar nur zwei Prozent. Das belegt der Auenzustandsbericht 2021. Wie an zahlreichen Fließgewässern fehlen auch an der Oberweser unversehrte Auenlebensräume. Dazu zählen naturnahe Zuflüsse, Auengewässer, Feuchtwiesen und Auwälder.
Im Rahmen des Projekts „OberweserAuen“ bringen BUND Niedersachsen und die Naturschutzbehörden vor Ort die Renaturierung von Flussauen entlang der Oberweser auf drei Flächen voran. Der BUND Niedersachsen übernimmt die Gesamtkoordination.
Dabei sollen Weserauen wiedervernässt werden – etwa durch den Bau von Flutrinnen oder den Rückbau von Dämmen. So können auentypische Lebensräume für Pflanzen und Tiere entstehen – wie Auwälder und Stillgewässer.
Renaturierung der Flussauen auf drei Flächen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen
Das Projekt „OberweserAuen“ besteht aus drei Teilprojekten, in denen unterschiedliche Naturschutzmaßnahmen umgesetzt werden: Das Teilprojekt „Herrengraben“ liegt in der Gemeinde Kalletal (Kreis Lippe in Nordrhein-Westfalen). Ziel des Projekts ist die naturnahe Entwicklung des gleichnamigen Weser-Zuflusses. Die Weseraue soll wiedervernässt werden. Auch eine ökologisch verträglich bewirtschaftete Weidelandschaft soll entstehen. Die Projektleitung übernimmt der BUND-Landesverband.
In der Samtgemeinde Bevern (Landkreis Holzminden, Niedersachsen) werden im Projekt „Dölme“ südlich der gleichnamigen Ortschaft Fluss und Aue stärker miteinander vernetzt. Deshalb wird an den Uferteichen Dölme eine Flutrinne gebaut, die an die Weser angebunden wird. Bisher trennt ein Uferdamm den Fluss von den Auengewässern. Zudem wird ein Auwald angelegt. Informationstafeln am Weser-Radweg sollen über die Renaturierung von Flussauen informieren. Die Naturschutzbehörde des Landkreises Holzminden setzt die Renaturierungsarbeiten auf dieser Fläche um.
Im Mittelpunkt des dritten Projekts „Modde“ in Porta Westfalica (Kreis Minden-Lübbecke in Nordrhein-Westfalen) steht ebenfalls die Schaffung einer Flutrinne. Diese ermöglicht die Entstehung von Stillgewässern in der Aue. Dort können sich neue Tier- und Pflanzenarten ansiedeln. Im angrenzenden Abgrabungssee werden Flachwasserbereiche geschaffen. Ein Auwald soll zur Wiederbelebung der Uferlebensräume beitragen. Die Planung- und Umsetzung übernimmt die Naturschutzbehörde des Kreises Minden-Lübbecke.
Die Renaturierungsmaßnahmen der Projekte „Dölme“ und „Modde“ werden in Kooperation mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Weser umgesetzt.
Bisherige Aktivitäten an der Oberweser
Mit dem Projekt OberweserAuen setzt der BUND seine Aktivitäten an der Oberweser fort. Zuvor wurde in der Studie „Blaues Band Oberweser – Potenziale erkennen, Maßnahmen initiieren“ (Blaues Band Oberweser) untersucht, welche Gebiete an der Oberweser zwischen Hannoversch Münden und Minden sich besonders gut für Renaturierungsmaßnahmen eignen. Daraus sollen weitere Umsetzungsprojekte folgen.
Im Rahmen des Bundesprogramms „Blaues Band Deutschland“ soll ein deutschlandweiter Biotopverbund geschaffen und ein gesellschaftliches Bewusstsein für die Bedeutung intakter Flusslandschaften gefördert werden.
Laufzeit
01.12.2025-30.09.2030
Förderer
Die Förderung erfolgt im Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“ (Förderprogramm Auen) durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN).