Viel zu laut im Meer

Das Meer ist voller Geräusche, weil es voller Leben ist. Meerestiere, vom kleinsten Fisch bis zum größten Wal, erzeugen Geräusche, indem sie sich bewegen, mit ihrem Lebensraum interagieren und vor allem, indem sie mit ihren Artgenossen kommunizieren.

Mit der Industrialisierung der Meere und der exponentiellen Entwicklung der anthropogenen Aktivitäten sowohl in Küstennähe als auch auf hoher See sind die Meere heute voller Lärm. So haben sich beispielsweise die Unterwasserlärmemissionen vom Schiffsverkehr in den EU-Gewässern zwischen 2014 und 2019 verdoppelt (European Environment Agency).

Schall kann biologischen Ursprungs sein. Zum Beispiel haben sich Meeressäuger, insbesondere Wale, so entwickelt, dass sie den Schall als ihre ersten Sinn nutzen.

Der von Menschen verursachte Lärm wird in zwei Kategorien unterteilt: Dauerlärm und impulsiver Lärm. Dauerlärm bezieht sich auf den anthropogenen Umgebungslärm, der meist vom Schiffsverkehr verursacht wird, während Impulslärm intensive und kurzzeitige Schalleinträge bezeichnet, die beispielsweise durch das Sprengen von Munitionsaltlasten, Rammarbeiten für den Bau von Offshore-Plattformen oder den Einsatz von Schallkanonen zur Erkundung des Meeresbodens für die Förderung fossiler Rohstoffe verursacht werden.

Schätzungen zufolge werden mehr als 80 % des weltweiten Gütertransports auf dem Wasser von motorisierten Schiffen durchgeführt. Dazu gehören auch Frachtschiffe, die in der Nähe des Wattenmeers unterwegs sind. In dieser Region fahren auch Fähren und Wassertaxis, die die Inseln mit dem Festland verbinden, sowie Sportboote.

Studien haben gezeigt, dass diese kleinen Schiffe und Sportboote die Hauptquelle für Unterwasserlärm in den Küstengewässern sind.

Ruhe Bitte!  - Die BUND-Forderungen für leisere Meer

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Schifffahrt - Geschwindigkeit reduzieren

Schiffspropeller und -motoren erzeugen einen permanenten Lärm unter Wasser, der die biologischen Geräusche überlagern kann. Schiffslärm hat oft den gleichen Frequenzbereich, den viele Meerestiere für ihre Verständigung nutzen.

Zum Beispiel kann der Lärm von Echoloten (bis zu über 200 kHz) die Echoortung von Schweinswalen maskieren, wodurch sie ihres Orientierungssinns und ihrer Jagd- und Kommunikationsmittel beraubt werden.

Es wird geschätzt, dass eine Geschwindigkeitsreduzierung von 20 % in der weltweiten Flotte die gesamte Schallenergie der Schifffahrt um etwa 66 % reduziert.

Deshalb fordert der BUND die Durchsetzung von raum-zeitlichen Geschwindigkeitsreduzierungen für Schiffe und Boote, Routingmaßnahmen in Meeresschutzgebieten und deren unmittelbarer Nähe sowie eine bessere Wartung der Schiffe und den Übergang zu alternativen Propellern und Rumpfformen.

Bau von Offshore-Windkraftanlagen und Offshore-Plattformen unter Einsatz von Blasenschleiern und Bauzeitfenstern

Die für die Fundamente der Offshore-Bauwerke eingesetzten hydraulischen Rammarbeiten sind ein langwieriger und lärmintensiver Prozess. Während des Betriebs bleibt der Lärmpegel hoch und der Wartungsverkehr kommt zusätzlich zur bestehenden kommerziellen Schifffahrt hinzu.

Der BUND begrüßt die Einhaltung des Schallschutzkonzepts (2013) durch den Einsatz von Blasenschleiern, um den Lärmpegel in der Umgebung von Rammarbeiten zu senken. Der BUND fordert die systematische Einrichtung von Bauzeitfenstern außerhalb sensibler Perioden (hohes Vorkommen von Meerestieren, Paarungszeit, Jungenaufzucht) und den Einsatz und die weitere Erforschung von alternativen Gründungsmethoden.

Schallkanonen verbieten

Schallkanonen: Die zum Beispiel zur Erkundung des Meeresbodens nach Öl- und Gasvorkommen eingesetzten Schallkanonen gehören zu den lautesten Geräten, die unter Wasser verwendet werden. Sie sind über Distanzen von mehreren Hundert Kilometern noch hörbar.

Der BUND fordert ein Förderverbot von Kohlenwasserstoffen und das Verbot von Schallkanonen bzw. die Förderung von alternativen Lösungen für potenziell notwendige Einsätze wie zum Beispiel vor dem Bau von Offshore-Windanlagen.

Räumung und Reinigung von Munitionsaltlasten

Munitionsaltlasten: Neben der Gefahr, dass giftige Stoffe in das Wasser gelangen, breitet sich bei der Sprengung von Altlasten ein hoher Lärmpegel über große Entfernungen aus.

Der BUND fordert die Planung, Förderung und Durchführung einer flächendecken Räumung und Reinigung der deutschen Meeresgewässer und den systematischen Einsatz von lärmdämpfenden Blasenschleiern bei unvermeidbaren Munitionssprengungen.

Ruhezonen einrichten

Ruhezonen dienen dazu, die Lärmemissionen in einem bestimmten Gebiet zu reduzieren. Sie können in einem Meeresschutzgebiet oder in dessen Nähe eingerichtet werden, entweder permanent oder temporär (z. B. während der Fortpflanzungszeit einer bestimmten Tierart). Der BUND fordert die Einrichtung von Ruhezonen im Wattenmeer zum Schutz gefährdeter Meerestiere wie dem Schweinswal.

Der BUND setzt sich in Niedersachsen mit dem Projekt "Ruhe für die Schweinswale" für die Reduzierung der Lärmbelastung unter Wasser ein. Um mehr über die Arbeit des BUND zum Thema Unterwasserlärm auf nationaler und internationaler Ebene zu erfahren, klicken Sie bitte hier

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