Mit dem Kompetenznetzwerk Artenkenntnis Niedersachsen, kurz KNAK, sollen Artenkenner*innen ausgebildet werden. Kursteilnehmer*innen sollen zudem selbst zu Kursleiter*innen ausgebildet werden. Der BUND unterstützt deshalb Teilnehmende, die selbst Kurse leiten wollen: organisatorisch, aber auch bei Fragen zur Durchführung von Veranstaltungen, dem Ablauf und Inhalten. Wie es für zwei KNAK-Mentoren war, zum ersten Mal selbst einen Kurs durchzuführen, berichten sie im Interview. Weitere Mentor*innen werden gesucht.
„Am schönsten waren die Ahs und Ohs der Teilnehmer*innen“
KNAK-Mentor Jost Löning studiert Landschaftsbau in Osnabrück und hat seinen ersten eigenen Artenkenner*innen-Kurs durchgeführt. Auf dem Campusgelände der Hochschule Osnabrück haben 13 Interessierte am 27. Juni an einer KNAK-Wildbienen-Exkursion teilgenommen.
Wie war es, zum ersten Mal einen Artenkenner*innen-Kurs anzuleiten?
Gut, es hat viel Spaß gemacht. Kürzlich habe ich bei der BUND-Insektenstation noch selbst an einem Kurs teilgenommen. Jetzt stand ich zum ersten Mal als Leiter vor einer Gruppe.
Was hat gut geklappt?
Ich habe mich gefreut, wie gut ich mich mit Wildbienen auskenne, obwohl ich mich erst seit einem Jahr mit ihnen beschäftige. Ich hatte genug Wissen im Kopf, um die zweieinhalb Stunden mit Inhalten zu füllen.
Gut geklappt hat es auch, Arten im Gelände zu entdecken und über sie zu sprechen. Ich kenne die Fläche auf dem Campus sehr gut, weil ich dort jeden Tag bin, und weiß genau, wo ich welches Insekt finde.
Die Infos zu konkreten Tieren habe ich mit allgemeinen Themen vermischt, die ich dann angesprochen habe, wenn es thematisch gepasst hat. Als wir an einer Nisthilfe standen, habe ich den Teilnehmer*innen beispielsweise erklärt, worauf es bei Nisthilfen ankommt. Und als wir an Bienenstöcken vorbeigelaufen sind, habe ich erklärt, warum es zwischen Wildbienen und Honigbienen auch zu Konkurrenz kommt.
Was lief anders als erwartet?
Als wir hintereinander auf schmalen Wegen durch das Gelände gegangen sind, war es für die hintersten Teilnehmer*innen nicht so leicht, zuzuhören. Das hängt wahrscheinlich sehr von den Räumlichkeiten und der Wegeführung ab.
Außerdem habe ich gemerkt, dass ich nicht gleichzeitig Wildbienen fangen und den Teilnehmer*innen etwas erklären kann.
Das habe ich gelernt:
Menschen lernen unterschiedlich. Manche Teilnehmer*innen haben die Insekten gesehen und sie gleich wiedererkannt. Andere haben sie zwar gesehen, dann aber noch einmal nachgefragt, woran sie festmachen können, dass es sich um eine bestimmte Wildbiene handelt. Ich will gerne jeden Lerntyp mitnehmen.
Die Vorkenntnisse der Teilnehmer*innen waren aber auch unterschiedlich –von Anfänger*innen bis fortgeschrittene Artenkenner*innen waren darunter. Ich habe schon am Anfang gesagt, dass die Teilnehmer*innen nachfragen sollen, wenn mir zum Beispiel ein Fachbegriff durchrutscht. Wenn wir Bienen gefangen haben, habe ich nicht den lateinischen Namen genannt, sondern zum Beispiel gesagt: „Das ist eine Bauchsammlerin.“ Als ich etwas zum Nistverhalten der Wildbienen erklärt habe, hat eine Teilnehmerin sich gemeldet und gesagt: „Jetzt habe ich doch noch einmal eine Frage!“ Das hat mich gefreut, weil es mir gezeigt hat, dass die Atmosphäre für die Teilnehmer*innen offen genug schien, um Fragen zu stellen.
Was hat am meisten Spaß gemacht?
Sich mit Bienen zu beschäftigen, ist immer wunderschön. Und es ist noch schöner, die Begeisterung teilen zu können und weiterzugeben. Am schönsten waren die Ahs und Ohs der Teilnehmer*innen.
„Ich will gerne die Vielfalt der Wildbienen-Arten zeigen“
Der Osnabrücker Landschaftsentwicklung-Student KNAK-Mentor Valentin Eierhoff hat am 28. Juni 2026 zum ersten Mal einen KNAK-Fachkurs Wildbienen angeboten. Wie hat es geklappt? Und was hat ihm am meisten Spaß gemacht?
Wie war es, zum ersten Mal einen KNAK-Artenkenner*innen-Kurs anzuleiten?
Das hat echt Spaß gemacht. Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen und kann das, wofür ich mich selbst begeistere, meine Passion, anderen mitgeben. Außerdem habe ich das Gefühl, dass es etwas Sinnvolles ist, Artenkenntnisse zu Wildbienen zu vermitteln, weil ich einen Beitrag zum Schutz der Insekten leiste.
Wie kamst du darauf?
Bei der BUND-Insektenstation habe ich an einem KNAK-Fachkurs zu Wildbienen teilgenommen. Ich habe vom KNAK-Mentor*innen-Programm gehört und beschäftige mich mit Wildbienen. Ich wäre aber nicht von allein darauf gekommen, jetzt schon Veranstaltungen anzubieten. Für mich ist es eine sehr gute Möglichkeit, in die Umweltbildung einzusteigen.
Es ist toll, dass durch den BUND der Rahmen gestellt wird und ich darin agieren kann. Ich habe Unterstützung erhalten, was die Organisation angeht, zum Beispiel hat der BUND für mich einen Raum organisiert.
Was lief anders als erwartet?
Ich hätte den Kurs gerne mit einer Gelände-Übung kombiniert. Dafür war er aber zu kurz. Ob das möglich ist, hängt aber auch davon ab, ob ein geeignetes Gebiet in der Nähe liegt, ob es Fahrmöglichkeiten gibt, wenn es weiter weg ist, und wie die Witterungsbedingungen sind.
Das habe ich gelernt:
Wenn man schon im Thema drin ist, ist es nicht ganz leicht, zu beschreiben, warum eine bestimmte Gattung anders als eine andere aussieht. Man hat Vergleichsbilder im Kopf. Da schwingt viel Erfahrung mit.
Was hat am meisten Spaß gemacht?
Fun Facts zu erzählen, zum Beispiel über die Schneckenhaus-Mauerbiene: Die weibliche Biene sucht sich ein Schneckenhaus, um zu nisten und dreht es mit der Öffnung nach unten. Die Außenseite beklebt sie mit einer Mischung aus Speichel und zerkauten Pflanzenstücken. Und sie deckt das Gehäuse beispielsweise mit einem Pflanzendach, einer Art Tipi, ab, um es zu tarnen. Ich will gerne die Vielfalt der Wildbienen-Arten zeigen: die häufigen, aber auch die speziellen Arten.
Weitere Informationen:
Projekt KNAK (Kompetenznetzwerk Artenkenntnis Niedersachsen)
