BUND fordert 2.000 Kilometer frei fließende Flüsse, auch in Niedersachsen – Vechte mit großem Potenzial

23. Juli 2026 | Flüsse & Gewässer

Aktion für frei fließende Flüsse an der Vechte: Die Teilnehmenden halten ein Banner

Mit einer Bildaktion am Vechtewehr bei Brandlecht setzte sich der BUND Niedersachsen heute zusammen mit seiner BUND-Kreisgruppe Grafschaft Bentheim dafür ein, die Vechte von weiteren überflüssigen Querbauwerken zu befreien und den Fluss in den deutschen Wiederherstellungsplan aufzunehmen. Die Bundesregierung muss zur Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung einen entsprechenden Entwurf bis zum 1. September an die Europäische Kommission übermitteln. Der BUND hat in seiner Stellungnahme zum Wiederherstellungsplan die Aufnahme der Vechte beantragt.

Susanne Gerstner, Vorsitzende des BUND Niedersachsen, bei der Aktion: „Der BUND fordert, dass bundesweit mindestens 2.000 Kilometer Flüsse wieder frei fließen können – die Vechte bietet dafür großes Potenzial. Sie ist eine überregionale Wanderroute für Fische. Die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit ist hier besonders wichtig. Konkrete Pläne liegen bereits vor. Das Land muss dringend Mittel zur Maßnahmenumsetzung und für Planungskapazitäten zur Verfügung stellen, damit sich der Zustand der Vechte und weiterer niedersächsischer Flüsse verbessert. Niedersachsen hat hierbei dringenden Nachholbedarf – denn nur etwa drei Prozent unserer Fließgewässer sind in einem guten ökologischen Zustand. Damit sind wir bundesweites Schlusslicht.“

Die Vechte zählt in Niedersachsen zu den sogenannten Schwerpunktgewässern der Wasserrahmenrichtlinie. Diese Gewässer gelten aufgrund ihres ökologischen Entwicklungspotenzials als besonders geeignet für Renaturierungsmaßnahmen. Der Abschnitt zwischen Schüttorf und Nordhorn befindet sich derzeit in einem mäßigen ökologischen Zustand. Er leidet unter einem nicht naturnahen Strömungsverhalten, fortschreitender Tiefenerosion und einem gestörten Geschiebetransport, wodurch die Gewässer- und Auendynamik deutlich eingeschränkt sind. Trotzdem weist der Abschnitt heute noch eine vergleichsweise hohe Strukturvielfalt und wertvolle Bestände gewässertypischer Arten auf. Aus diesem Grund bietet er besonders gute Voraussetzungen, um die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie und der EU-Wiederherstellungsverordnung erfolgreich umzusetzen.

Walter Oppel, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Grafschaft Bentheim, erklärt: „Damit Fische und andere Wasserlebewesen die Vechte hindernislos durchwandern können, müssen verbliebene Querbauwerke wie Wehre und Sohlschwellen zurückgebaut oder naturnah umgestaltet werden – beispielsweise durch raue Rampen oder Umgehungsgerinne. Das Wehr bei Brandlecht könnte innerhalb weniger Jahre entfernt werden. Da die Vechte auch durch Nordrhein-Westfalen und die Niederlande verläuft, müssen entsprechende Maßnahmen länder- und grenzüberschreitend abgestimmt werden.“

Die EU-Wiederherstellungsverordnung verpflichtet die Mitgliedstaaten, geschädigte Ökosysteme schrittweise wiederherzustellen. Für Flüsse bedeutet dies unter anderem, europaweit mindestens 25.000 Kilometer wieder frei fließende Gewässer zu schaffen. Renaturierte Flüsse und Auen leisten einen wichtigen Beitrag zum natürlichen Wasserrückhalt, mindern Hochwasserrisiken, speichern Wasser in Dürreperioden und stärken den Biotopverbund.

Zur Aktion eingeladen waren Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung sowie die Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim.

Hintergrund:

Eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt, dass rund zwei Prozent der Fläche Deutschlands für die Gewässerentwicklung benötigt werden, um die Ziele des Gewässerschutzes zu erreichen. Naturnahe Flüsse und Auen sind zentrale Bausteine eines klimaresilienten Landschaftswasserhaushalts: Sie schaffen Raum für Hochwasser, speichern Wasser in Trockenzeiten und verbinden Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung bietet die Chance, diese Funktionen dauerhaft zu stärken und den ökologischen Zustand der Flüsse in Deutschland deutlich zu verbessern.

Weitere Informationen:

Fotos finden Sie auf der Seite Pressefotos.

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