BUND liefert wichtige Erkenntnisse zur Reduzierung von Wildunfällen

30. Juni 2026 | Artenschutz (NI), Mobilität, Mobilität (NI), Wildkatze, Wildkatze (NI)

Getötete Strasse an einer Leitplanke. Foto: Andrew McKaskell / BUND Niedersachsen  (Andrew McKaskell / BUND Niedersachsen)

Nach eineinhalb Jahren endet das BUND-Projekt „Reduzierung der Straßenmortalität von Wildkatze, Luchs und Co.“. An einem wichtigen Wildtierkorridor, der die Bundesstraße 27 östlich von Göttingen quert, hat der BUND mehrere Maßnahmen umgesetzt und untersucht, wie Wildunfälle wirksam reduziert werden können. Ein wichtiges Ergebnis: Dialogdisplays, die Autofahrende auf ihre Geschwindigkeit und die Gefahr von Wildunfällen aufmerksam machen, zeigten eine vielversprechende Wirkung. Sie führten zu einer Reduzierung der Geschwindigkeit. Parallel eingesetzte Wildwarnsysteme waren hingegen weniger effektiv. 

Dr. Tonja Mannstedt, BUND-Landesgeschäftsführung: „Jedes Jahr kommt es in Deutschland zu mehr als 200.000 Wildunfällen. Sie gefährden sowohl Mensch als auch Tier und stellen insbesondere für seltene Arten wie Wildkatze und Luchs eine ernsthafte Bedrohung für den Bestand dar. Unser Projekt zeigt, dass sich Wildunfälle mit gezielten Maßnahmen an wichtigen Querungspunkten reduzieren lassen.“ 

Um Wildunfällen entgegenzuwirken, installierte der BUND entlang der B27 sowohl Wildwarnsysteme als auch Dialogdisplays und begleitete deren Wirkung mit Wildkameras und einem umfangreichen Monitoring. Die Auswertungen zeigen: Autofahrende reduzieren im Bereich der Dialogdisplays ihre Geschwindigkeit. Gleichzeitig wurden während des bisherigen Untersuchungszeitraums weniger Wildunfälle registriert. Ob diese Entwicklungen langfristig sind und unmittelbar zusammenhängen, lässt sich nach der bisherigen Projektlaufzeit wissenschaftlich nicht abschließend belegen. Aus diesem Grund führt die BUND-Kreisgruppe Göttingen das Monitoring auch nach Projektende fort. Die Dialogdisplays bleiben installiert.

Bei den Wildwarnern sind Projektbeteiligte sowie hinzugezogene Expert*innen weniger optimistisch. So ließen sich auf Aufnahmen von Wildkameras keine Verhaltensänderungen bei den Wildtieren beobachten. Für aussagekräftige Schlussfolgerungen wären jedoch mehrjährige Forschungen notwendig. Im Projekt wurde auch die Nutzung der Grünbrücke und begleitender Wildschutzzäune untersucht. Vor allem Rehe und Wildschweine, aber auch Wildkatzen, nutzen die Grünbrücke regelmäßig. Gleichzeitig zeigte sich, dass beschädigte oder lückenhafte Wildschutzzäune ihre Funktion verlieren. 

Andrea Krug, BUND-Projektleitung: „Tierarten wie Wildkatze, Fuchs und Dachs gelangen durch die Lücken auf die Fahrbahn, anstatt die sichere Grünbrücke zu nutzen. Grünbrücken und Wildschutzzäune funktionieren also nur gemeinsam. Regelmäßige Kontrollen und eine schnelle Reparatur von Schäden sind entscheidend, um Wildunfälle dauerhaft zu reduzieren.“

Insgesamt liefert das Projekt eine wichtige Datengrundlage zur Anzahl und Dunkelziffer von Wildunfällen. Ehrenamtliche kontrollierten die Strecke über ein Jahr ein- bis dreimal pro Woche und dokumentierten verunglückte Tiere. Die Daten zeigen, dass deutlich mehr Tiere im Straßenverkehr sterben, als in offiziellen Statistiken erfasst werden. Damit wird das Ausmaß der Straßenmortalität bislang vermutlich unterschätzt. Auch dieses Monitoring wird künftig von der BUND-Kreisgruppe Göttingen weitergeführt. 

Die Ergebnisse liefern wertvolle Hinweise für den Umgang mit Wildunfällen auch in anderen Regionen. Gerade an Straßen, die wichtige Wildtierkorridore zerschneiden, können Dialogdisplays, intakte Wildschutzzäune und Grünbrücken dazu beitragen, die Zahl der Wildunfälle zu senken. Davon profitieren Wildtiere ebenso wie die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden.

Hintergrund:

Das Projekt wurde gemeinsam mit der BUND-Kreisgruppe Göttingen, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), den Niedersächsischen Landesforsten, dem Stadtforstamt Göttingen, der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (v.a. Geschäftsbereich Goslar und Straßenmeisterei Herzberg), der Jägerschaft Göttingen und den Verwaltungen des Landkreises, der Stadt Göttingen und der Polizeidirektion Göttingen durchgeführt. Das Projekt wurde durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gefördert.

Weitere Informationen:
BUND-Projekt zur Untersuchung der Straßenmortalität von Wildtieren

BUND-Pressestelle:
Lara-Marie Krauße, Tel. (0511) 965 69 - 32 oder Mobil (01515) - 33 111 88, presse(at)nds.bund.net, www.bund-niedersachsen.de

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