BUND-Studie zeigt: Das Grundwasser wird knapp – besonders in Niedersachsen

16. Juni 2025 | Flüsse & Gewässer, Landwirtschaft, Mitmachen (NI), Umweltpolitik (NI)

Ausgetrockneter Boden. Foto: BUND / Ruth Paschka Ausgetrockneter Boden.  (BUND / Ruth Paschka)

Fast jeder zweite Landkreis betroffen – BUND Niedersachsen fordert entschlossenes Handeln für besseren Schutz der Wasserressourcen

Der BUND hat heute die Studie „Grundwasserstress in Deutschland“ veröffentlicht. Sie zeigt erstmals flächendeckend, in welchen Regionen Deutschlands das Grundwasser besonders unter Druck steht. Für Niedersachsen zeigt die Studie alarmierende Ergebnisse: In 21 von 45 Landkreisen und kreisfreien Städten Niedersachsens wird die kritische Schwelle von 20 Prozent der Grundwasserneubildung durch Entnahmen überschritten. Das entspricht mit 47 Prozent fast der Hälfte des Bundeslandes.

Susanne Gerstner, Landesvorsitzende des BUND Niedersachsen: „Die Ergebnisse sind ein Weckruf: Niedersachsen ist in besonderem Maße vom Rückgang und der Übernutzung seiner Grundwasservorkommen betroffen. Angesichts der Klimakrise und steigender Nutzungsansprüche brauchen wir dringend striktere Vorgaben und wirksame Maßnahmen zum Schutz unseres Grundwassers! Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel und nicht ersetzbar – deshalb müssen wir den Verbrauch reduzieren, die Nutzung stärker priorisieren und mehr Wasser in der Landschaft halten.“

Das Factsheet der Studie für Niedersachsen macht deutlich: In vielen Regionen übersteigt die Grundwasserentnahme die natürliche Neubildung durch Regen – die Grundwasservorräte werden also übernutzt. Besonders im Nordosten Niedersachsens wie im Heidekreis ist die Landwirtschaft Mitverursacher und Leidtragender der Wasserkrise zugleich: Hier wird besonders viel Wasser für die intensive landwirtschaftliche Bewässerung entnommen. Im Großraum Hannover sind die nichtöffentlichen Entnahmen aus dem Grundwasser besonders hoch. In Kreisen wie Gifhorn, Peine oder Lüchow-Dannenberg überwiegt die gewerbliche Nutzung sogar die öffentliche Versorgung. Auch Metall- und Chemieindustrie sowie die Stahlproduktion im Landkreis Salzgitter tragen landesweit zum Grundwasserstress bei. In den Regionen nördlich von Hannover bis Cuxhaven zeigen sich deutlich sinkende Grundwasserstände, die sowohl durch Übernutzung als auch durch die klimabedingt geringere Neubildung verursacht werden.

Das Land Niedersachsen hat mit seinem Wasserversorgungskonzept und dem Grundwasser-Mengenbewirtschaftungserlass zwar Grundlagen gelegt und entwickelt mit dem Masterplan Wasser derzeit ein Maßnahmenbündel für einen nachhaltigen Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser – die Umsetzung läuft jedoch nicht schnell genug an. Der BUND Niedersachsen fordert angesichts der alarmierenden Ergebnisse ein Sofortprogramm und mehr Transparenz, um noch klarer nachvollziehen zu können, wer wie viel Wasser entnimmt und damit eine effektive Kontrolle und gegebenenfalls Begrenzung zu ermöglichen. Zudem müsse der Verbrauch generell gedrosselt und die Nutzungen priorisiert werden, damit Mensch und Natur auch künftig noch verlässlich mit Wasser versorgt werden könnten.

Manuel Nerhoff, Wasserexperte des BUND Niedersachsen: „Besonders wichtig ist auch der Schutz des Grundwassers vor Verschmutzungen durch Düngemittel und Pestizide. Das Wasser muss besser in der Landschaft gehalten werden, etwa durch Renaturierung von Flüssen, Feuchtgebieten, Mooren und Wäldern, um die natürliche Neubildung und Speicherung zu steigern. Ohne gesunde Grundwasservorkommen ist die Versorgung von Mensch und Natur, aber auch der Wirtschaft gefährdet. Die Landespolitik muss die Warnungen der Studie ernst nehmen und umgehend handeln, bevor die Situation unumkehrbar wird. Wassersparen ist das Gebot der Stunde!“
 

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