Keine Erdgasförderung in der Nordsee erlauben! Umweltverbände fordern konsequenten Schutz des Klimas und des Weltnaturerbes Wattenmeer

07. Juni 2021 | Energiewende, Energie (NI), Lebensräume, Meere, Umweltpolitik (NI)

Die niederländische Firma ONE-Dyas B.V. hat beim Niederländischen Ministerium für Wirtschaft und Klima einen Antrag auf Erdöl- und Erdgasbohrungen in der niederländischen Nordsee gestellt, um dort in den nächsten 10-25 Jahren Erdgas zu fördern. Der vorgesehene Standort der Förder- und Aufbereitungsplattform liegt im niederländischen Küstenmeer nahe der Insel Borkum und grenzt somit direkt an den Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“, der als Weltnaturerbe einen besonderen Schutz genießt. Zahlreiche Umweltverbände protestieren gegen das Vorhaben, da es in mehrfacher Hinsicht nationalen und internationalen Verpflichtungen für Klima-, Natur- und Meeresschutz widerspricht. Sie fordern die Bundesrepublik Deutschland auf, das Vorhaben strikt abzulehnen.

„Eine weitere Erdgasförderung in der Nordsee darf auf keinen Fall genehmigt werden, denn sie steht im diametralen Gegensatz zu nationalen und internationalen Klimaschutzzielen“, sagt Heiner Baumgarten, BUND-Landesvorsitzender. „Angesichts des kürzlich ergangenen Urteils des Bundesverfassungsgerichtes, in dem das deutsche Klimaschutzgesetz für teilweise verfassungswidrig erklärt wurde, und dem jüngsten Gerichtsurteil in Den Haag, das den Ölkonzern Shell zu einer deutlichen Reduktion seiner Emissionen verpflichtet, müssen weitere Planungen zur Erdöl- und Erdgasförderungen sofort eingestellt werden. Diese Vorhaben führen geradewegs in die Klima- und Naturkatastrophe. Alle Anstrengungen müssen in den Ausbau erneuerbarer Energien fließen, anstatt die Gewinnung klima- und naturschädlicher fossiler Energien weiter auszubauen.“

Die Installation der Plattform, das Abteufen von Tiefbohrungen, die Verlegung von Rohren und Kabeln und die Erdgasproduktion haben gravierende Auswirkungen auf die Meeresumwelt und das Weltnaturerbe Wattenmeer mit seinen Insel- und Küstengebieten. Zum einen sehen die Verbände Risiken durch ein mögliches Austreten von Kohlenwasserstoffen, Bohrschlämmen und Lagerstättenwasser sowie Erdbeben und erhebliche Landabsenkungen. Hinzu kommen massive Beeinträchtigungen der charakteristischen Arten des Wattenmeers. Dr. Holger Buschmann, NABU-Landesvorsitzender, erläutert dazu: „Ein solches Vorhaben steht im massiven Widerspruch zu den Zielen des Nationalparks ‚Niedersächsisches Wattenmeer‘ und des UNESCO-Weltnaturerbes. Dies wurde bereits im Jahr 2013 bei der Evaluierung des Nationalparks festgestellt. Die betroffenen Schutzgebiete im Küstenbereich haben z. B. enorme Bedeutung als Nahrungs- und Rastgebiet für Zigtausende von Zugvögeln, die durch das Vorhaben beeinträchtigt würden.“

Der WWF befürchtet, dass das Vorhaben auch der Meeresnatur massiv schadet. „Durch Unterwasserlärm, Verschmutzung und Lebensraumzerstörung sind sensible und streng geschützte Arten wie der Schweinswal, aber auch Fische und Riffstrukturen betroffen“, betont Carla Langsenkamp, WWF-Meeresschutzexpertin. Auf der deutschen wie auf der niederländischen Seite des Gebietes der geplanten Bohr- und Förderplattformen wurde zudem mit Projekten begonnen, die in der südlichen Nordsee ausgestorbene Europäische Auster wieder anzusiedeln. „Die Anstrengungen, unserer Unterwassernatur eine verlorene Art zurückzugeben, dürfen nicht gefährdet werden. Dadurch, dass hier eine weitere Belastung für das bereits stark übernutzte Ökosystem Nordsee hinzukommen soll, rückt zudem das europäisch festgelegte Ziel nach einem guten Umweltzustand in der Nordsee noch weiter in die Ferne", so Langsenkamp.

Die niedersächsischen Umweltverbände BUND Niedersachsen, NABU Niedersachsen, LBU Niedersachsen, Naturschutzverband Niedersachsen, Landesjägerschaft Niedersachsen, Sportfischerverband im Landesfischereiverband Weser-Ems, Anglerverband Niedersachsen und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald haben das Vorhaben in einer gemeinsamen Stellungnahme im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zur Umweltverträglichkeit scharf kritisiert. Der Niedersächsische Heimatbund hat diese Stellungnahme unterstützt. Auch die Umweltverbände in den Niederlanden äußern massive Kritik an dem Vorhaben: WWF Niederlande, Waddenvereniging, Greenpeace, Natuurmonumenten, Vrije Horizon Schiermonnikoog und ARK Natuurontwikkeling haben das zuständige niederländische Ministerium für Umwelt und Klima aufgefordert, den Antrag von ONE Dyas B.V. abzulehnen.

 

Gemeinsame Pressemitteilung von:

  • BUND Niedersachsen
  • NABU Niedersachsen
  • WWF Deutschland
  • Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (LBU) Niedersachsen
  • Naturschutzverband Niedersachsen (NVN)
  • Der Mellumrat e.V.
  • Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (WAU)
  • Bürgerinitiative Saubere Luft Ostfriesland e.V.

 

Hintergrund:
Die Amsterdamer Firma ONE-Dyas B.V. plant, im niederländischen Küstenmeer eine Erdgasförder- und Aufbereitungsplattform zu errichten. Ihr Standort befindet sich nur fünfhundert Meter von deutschen Hoheitsgewässern entfernt, rund 20 Kilometer von der Küste von Borkum. Die Erdgasfelder, in denen bis zu zwölf Explorationsbohrungen stattfinden sollen, befinden sich ebenfalls vollständig oder teilweise auf deutschem Hoheitsgebiet. Die Explorationsflächen überlappen sich mit dem Natura 2000-Gebiet Borkum Riff. Das Schutzgebiet grenzt im Osten direkt an den Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“.

Das geförderte Erdgas soll über eine auf niederländischem Hoheitsgebiet neu zu bauende Pipeline zur vorhandenen Nordgas-Transportleitung transportiert werden. Darüber hinaus soll zur Stromversorgung der Plattform ein Kabel zum Offshore-Windpark Riffgat im deutschen Sektor der Nordsee verlegt werden. Nach eigenen Angaben will ONE-Dyas etwa 10 bis 25 Jahre lang Erdgas aus den erschlossenen Erdgasfeldern fördern, abhängig von der vorhandenen Menge an Erdgas.

 

Kontakt:
Heiner Baumgarten, Landesvorsitzender BUND Niedersachsen, heiner.baumgarten(at)bund.net

BUND-Pressestelle:
Dr. Tonja Mannstedt, Tel. (0511) 965 69-31, Mobil (0171) 359 86 76, presse(at)nds.bund.net, www.bund-niedersachsen.de

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