Unterwasserlärm - bedrohlich laut

Die Meere sind von Natur aus voller Geräusche. Mit der Zunahme der menschlichen Aktivitäten im Meer haben sich die Lärmquellen vervielfacht und können in zwei Kategorien unterteilt werden: 

  • Dauerlärm, der konstant ist oder sich über einen längeren Zeitraum erstreckt. Eine der Hauptquellen für Dauerlärm im Meer ist der Schiffsverkehr. Alle Motorschiffe vom großen Containerschiff bis zum kleinen Sportboot erzeugen Lärm. Containerschiffe erzeugen hauptsächlich niederfrequenten Lärm, während der Lärm von Motorbooten mittel- und hochfrequenten ist. Im Durchschnitt werden mehr als 80 % des weltweiten Gütertransports auf dem Wasser von motorisierten Schiffen durchgeführt. In Küstennähe verursachen kleine Sportboote und Fähren den meisten Lärm.
  • Impulslärm wird nur über einen kurzen Zeitraum (einige Sekunden) erzeugt, ist dabei aber meist sehr laut. Beispielsweise tragen Sprengungen von Altmunition, Schallkanonen für die Öl- und Gasförderung, Rammarbeiten für Offshore-Anlagen, militärische Sonare oder Sonare von Schiffen zur Lärmbelastung unter Wasser bei. Die Europäische Kommission schätzte, dass im Jahr 2022 8 % der europäischen Meeresfläche von impulsiver Unterwasserlärmbelastung betroffen waren, zum größten Teil in Küstengewässern.

Die Folgen des Unterwasserlärms für Schweinswale

Dauer- und Impulslärm erstrecken sich über breite Frequenzbereiche, die auch Meerestiere (Fische, Meeressäuger ...) nutzen. Daher kommt es zu einer Überlagerung von menschlichem Lärm und biologischen Geräuschen.

Die Beeinträchtigung der Meereslebewesen durch menschliche Aktivitäten ist mitunter sehr gravierend. So können seismische Untersuchungen durch den Einsatz von Schallkanonen oder Sprengungen von Munitionsaltlasten das Gehör von Meeressäugern stark beeinträchtigen. Diese Sprengungen finden zum Beispiel statt, um die Bereiche auf dem Meeresboden für die Verlegung von Kabeln oder Offshore-Anlagen von Munitionsaltlasten zu befreien. Die dadurch erzeugten Lärmemissionen haben ähnliche Frequenzen wie bei seismischen Untersuchungen, d. h. von bis zu 10 kHz. Für den Bau von Offshore-Anlagen werden hydraulische Rammarbeiten durchgeführt, was ein langwieriger Prozess mit hohen Lärmemissionen ist. Noch höhere Frequenzen (bis über 100 kHz) erzeugen Sonare und Echolote.

Schweinswale hören in einem großen Frequenzbereich bis zu 150 kHz und sind auf ihre akustische Wahrnehmung angewiesen. Dadurch sind Schweinswale besonders anfällig für Unterwassserlärm. Die Tiere reagieren darauf mit Verhaltensänderungen wie zum Beispiel das Unterbrechen von Fressverhalten und das Verlassen der Gegend. Da Schweinswale aufgrund ihres hohen Stoffwechsels nur über einen geringen Energievorrat verfügen und kontinuierlich Nahrung aufnehmen müssen, kann die verringerte Nahrungsaufnahme langwierige Folgen haben. Kälber sind besonders in Gefahr, da sie im Falle einer Trennung von der Mutter auf sich alleingestellt sind und geringe Überlebenschancen haben. Verhaltensreaktionen auf Lärm hängen von mehreren Kriterien ab, u. a. von der Entfernung zur Schallquelle, vom Schallpegel und der Frequenz, sowie der Art der Umgebung (flache oder tiefe Gewässer).  Tiere in Gefangenschaft zeigen auch veränderte Herzfrequenz und Schreckreaktionen aufgrund von Lärm.  Nach lauten akustischen Ereignissen kann das Gehör des Schweinswals vorübergehend oder dauerhaft beeinträchtigt werden. Der Verlust des wichtigsten Sinns kann für den Schweinswal schwerwiegende Folgen haben und sogar zum Tod führen.

 

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