„Modellvorhaben zum Einsatz verschiedener, gefährdeter Rinderrassen in extensiven Beweidungssystemen des Feuchtgrünlandes unter den Rahmenbedingungen der Agrarreform und einer innovativen, nachhaltigen Wirtschaftsweise im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe“! ( RiBeElbe )
Stand: 2013
Darstellung des nachhaltigen Projekterfolges
1.) Fortgang des Projektes nach Ende des Bewilligungszeitraumes:
Beide an dem Projekt beteiligten landwirtschaftlichen Betriebe (MAM-Nord Besitz-Blücher e. G. und Schäferei Seebürger in Preten) haben je eine Herde übernommen und führen die extensive Beweidung mit den bedrohten Rassen fort. Der Betrieb in Besitz/Blücher hat sich nach dem Projektende allerdings von der Herde Rotbunte Doppelnutzung getrennt, weil die Organisation mit zwei Herden neben der Milchviehherde für den Hof nicht realisierbar schien.
Zur Zeit werden von der Genossenschaft ca. 30 ha Extensivgrünland an der Sude mit einer Herde von inzwischen 26 Mutterkühen der Rasse Shorthorn bewirtschaftet. Um die Erhaltungszucht zu gewährleisten, wurde ein neuer Zuchtbulle vom Betrieb Kohrs in Osterhever zugekauft. Der Betriebsleiter Herr Pfohl berichtet, dass der neue Betriebszweig zur Nutzung des Extensivgrünlandes gut in den Betrieb integriert werden konnte und inzwischen auch „schwarze Zahlen“ schreiben würde. Jeweils 4 gedeckte Färsen aus der Nachzucht sollen demnächst an Herrn Seebürger und einen Landwirt in Bitter verkauft werden, so dass auf diesen Betrieben neue Zuchtpopulationen entstehen.
Die zu Projektende erstmals initiierte Direktvermarktung des Fleisches in der Region konnte jedoch nicht beibehalten werden, so dass nun die Rinder im Schlachtalter wieder lebend an einen Schlachtbetrieb verkauft werden. Die Shorthorn Bullen wurden hierbei durchschnittlich mit der Schlachtklasse R bewertet. Eine Perspektive zur Vermarktung des Fleisches besteht mittelfristig in der Realisierung des „Projekt-Biosphärenrind“, das von Mitarbeitern der Biosphärenreservatsverwaltung Flusslandschaft Elbe in Mecklenburg-Vorpommern/Boizenburg initiiert und bearbeitet wird.
Die Existenz der Shorthorn-Herde in Besitz spielte im Übrigen eine wichtige Rolle bei der Einrichtung der „Arche-Region Flusslandschaft Elbe“, da hierfür nach Vorgaben der GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V.) auch die Haltung von Zuchtherden bedrohter Rinderrassen gefordert wurden. Neben den Shorthorn-Rindern und den Deutschen Schwarzbunten Niederungsrindern werden von Herrn Rosenberg in Klein Banratz Englische Parkrinder gehalten.
Herr Seebürger hält weiterhin seine im Rahmen des Projektes angeschaffte Herde von Deutschen Schwarzbunten Niederungsrindern. Bewirtschaftet wird die in der Projektzeit eingerichtete Grünlandfläche an der Sude mit 16 ha Größe. Nach Informationen von Herrn Seebürger läuft die Pacht für diese Fläche, die im Besitz des Landes Niedersachsen ist und von der Biosphärenreservatsverwaltung Niedersächsische Elbtalaue verwaltet wird, zum Ende des Jahres aus, und über eine Neuverpachtung wird noch verhandelt! Ob vom Ausgang der Gespräche auch die Existenz der DSN-Herde betroffen sein wird, steht zur Zeit noch nicht fest.
Zwischen Herrn Seebürger und der Stork Foundation laufen zur Zeit Gespräche über eine Vertragsänderung bezüglich der Beweidung der Stiftungsflächen mit dem Ziel, die derzeitige Heckrinderherde durch Shorthorn-Rind er zu ersetzen. Damit könnte sich ein weiterer Shorthorn-Züchter in der Region etablieren. Die Rinder würden vom Betrieb MAM in Besitz geliefert.
2.) Übernahme der Projektergebnisse durch Dritte:
Das erfolgreiche Projekt hat zumindest in der Region an der Niederelbe bereits zwei Betriebe konkret motiviert auch bedrohte Rinderrassen zu halten:
Herr Sitte, Vollerwerbslandwirt in Sückau, der auf den Flächen der Stork Foundation bisher Heckrinder hielt, hat auf Grund des komplizierten Umganges und der schwierigen Vermarktung dieser Rückzüchtung auf die Haltung von Deutschen Schwarzbunten Niederungsrindern umgestellt und wird ausgehend von einer Zuchtgruppe von 5 Mutterkühen eine Herde aufbauen. Beweidungsbereich ist das Extensivgrünland im Überschwemmungsbereich der Sude, das von der Stork Foundation zur Verfügung gestellt wird.
Herr Steinrück in Laave, Arzt und Nebenerwerbslandwirt, bewirtschaftet Naturschutzflächen unter der Verwaltung der Biosphärenreservatsverwaltung Niedersächsische Elbtalaue im Bereich des Banker Sees ebenfalls mit Rindern der Rasse Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind. Er ist mit einer kleinen Mutterkuhherde von 5 Tieren in die Zucht eingestiegen.
Wie Herr Pfohl von der MAM berichtet, hat auch ein Landwirt in Bitter bei der MAM vier gedeckte Shorthorn-Färsen geordert, um mit der Shorthornzucht zu beginnen.
Nach Aussagen von Antje Feldmann, Geschäftsführerin der GEH, besteht insbesondere in der Arche-Region ein zunehmendes Interesse an der Haltung und Zucht auch alter Rinderrassen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Arche-Region einen gewissen Multiplikatoreffekt für die Ergebnisse des Beweidungsprojektes darstellt. Hierbei ist das Engagement von Herrn Heckenroth hervorzuheben, der sich mit viel Energie und Tatendrang für das Entstehen der Arche-Region eingesetzt hat und weiterhin wertvolle Überzeugungsarbeit in der Region leistet, um Landwirte und Flächeneigentümer zur Haltung und Zucht alter, vom Aussterben bedrohter Rassen zu gewinnen.
3.) Veröffentlichungen und Veranstaltungen mit Projektbezug:
Nach Abschluss des Projektes wurde das Auswertungsfaltblatt „Bedrohte Rinderrassen als Landschaftspfleger – erfolgreich!“ an alle Beteiligten Akteure in entsprechender Anzahl verschickt. Über die Arbeit mit den Info rmationen und deren multiplikatorischen Charakter liegen leider keine konkreten Berichte vor.
In Anlehnung an die Inhalte des Faltblattes wurde der entsprechenden Fachpresse eine Pressemitteilung mit Fotos aus dem Projekt zur Verfügung gestellt. Das Angebot zur Veröffentlichung der Projektergebnisse griff nach vorliegendem Kenntnisstand leider nur das Fleischrinder-Journal in der Ausgabe März 2012 auf.
Während an der Veranstaltung „Vermarktung von Produkten aus der Weidewirtschaft“ am Mittwoch, dem 14.09.2011 in Polle wurden die Erfahrungen des BLE-Projektes in die Diskussion eingebracht und das Faltblatt ausgelegt.
Der BUND arbeitet weiterhin bei diversen Veranstaltungen mit den Ergebnissen des Projektes und den vorliegenden Druckerzeugnissen. Diese werden z. B. auch bei der Fachtagung der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz am 28.-29.11.2013 in Schneverdingen zum Thema „Landwirtschaft, Erhaltung von Ökosystemen und Ökodienstleistungen“ zum Einsatz kommen.
Auch auf der homepage des BUND Landesverbandes sind die Projektergebnisse und der wissenschaftliche Abschlußbericht des Instituts für Ökologischen Landbau - Bundesforschungsanstalt für Ländliche Räume, Wald und Fischerei - Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) unter Leitung von Prof. Dr. Gerold Rahmann weiterhin einzusehen
(www.bund-niedersachsen.de/projekte_einrichtungen/projekte/projektarchiv/sudelandschaft)
Dieser Bericht ist durch Recherchen bei allen ehemaligen Projektpartnern und deren Informationen zum derzeitigen Stand der Zucht und Haltung bedrohter Rinderrassen auf Extensivgrünland an der Sude zu Stande gekommen . Ich bedanke mich bei allen für die bereitwillige Beantwortung entsprechender Fragen und die erteilten Auskünfte.
Jürgen Beisiegel, im Oktober 2013
