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BUND Landesverband Niedersachsen

Moore in Niederachsen

Moore bedecken weite Teile Niedersachsens. Nur ein kleiner Teil ist noch naturbelassen oder naturnah; viele Moore werden heute als Grünland, für Ackerbau oder Torfabbau genutzt. Welche Bedeutung haben die Moore für unser Land? Was wird gegen die flächige Zerstörung getan? Zahlen, Daten, Fakten.

Niedersachsen ist das moorreichste Bundesland Deutschlands. Etwa 73 % der deutschen Hochmoore und 18 % der Niedermoore liegen hier. Sie bedecken rund 8 % der Landesfläche, also 3.800 km2. Davon werden 70 % landwirtschaftlich genutzt. Diese Nutzung führt dazu, dass Treibhausgase freigesetzt werden. Eigentlich ist die Klimabilanz eines Moores plus minus Null: Zwar wird Methan emittiert, doch gleichzeitig Kohlendioxid aus der Luft aufgenommen und dauerhaft gespeichert. Durch Entwässerung, Urbarmachung oder durch Umwandlung in Grünland werden vor allem CO2 (Kohlendioxid), CH4 (Methan) und N2O (Lachgas) in die Atmosphäre entlassen.

Dadurch fällt die Klimabilanz deutlich schlechter aus: Entwässertes und gedüngtes Moor emittiert 20-35 t CO2-Äquivalente pro Jahr und Hektar. CO2-Äquivalente beinhalten neben Kohlendioxid weitere Klimagase, umgerechnet auf die Klimawirksamkeit von CO2. Methan wirkt rund 25-mal so stark auf das Klima wie Kohlendioxid, Lachgas sogar etwa 298-mal. Die Zahlen zeigen, welches Potential der Moorschutz birgt. Würden alle Moore Niedersachsens konsequent unter Naturschutz gestellt, könnten die Treibhausgasemissionen damit jährlich um über 10 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente reduziert werden.

Moore kulturhistorisch gesehen

Doch die Nutzung von Mooren ist bei weitem kein Phänomen unserer Zeit. Schon vor dem 18. Jahrhundert wurde Torf gestochen, man hatte den hohen Brennwert früh erkannt. Aus Angst und Respekt vor dem inneren „Unland“ der Moore, hatte man sich allerdings auf die Randflächen beschränkt. Mit der Trockenlegung von Moorflächen begannen die Menschen, die Moore großflächig als Viehweide, zum Buchweizenanbau und weiterhin zur Gewinnung von Schwarztorf für den Hausbrand zu nutzen. Auch die Plaggenentnahme, also das Abtragen von nährstoffreichen Böden, um diese auf ärmeren Böden wieder auszubringen, spielte eine Rolle.

Die häufigste Urbarmachung fand durch Moorbrand statt. Dafür wurden Hochmoorflächen zunächst entwässert, um im Anschluss die gesamte oberflächliche Vegetation zu verbrennen. In die Asche wurden vor allem Getreide oder Buchweizen gesät. Die Kultivierung der Moorstandorte erfolgte aufgrund steigender Bevölkerungszahlen. Ungeregelte Forstwirtschaft führte zu Holzmangel und damit zu schwindenden Kohlevorräten, was den Torfabbau weiter vorantrieb.

Das Verbrennen von Torf ging mit den Jahren zurück und spielt heute kaum mehr eine Rolle. Das liegt vor allem daran, dass Torf als Brandmittel nicht mehr gewinnbringend verkauft werden kann. Heute wird der Rohstoff überwiegend für die Herstellung von Blumen- und Gartenerden genutzt. Die Nutzung von Torf als Badetorf oder zur Herstellung von Aktivkohle ist mengenmäßig vernachlässigbar. Der Schwerpunkt der deutschen Torfindustrie liegt in Niedersachsen.

Wie steht es um den Schutz der Moore?

Dem Schutz der Moore kommt in vielerlei Hinsicht eine große Bedeutung zu. Aktiver Einsatz ist dabei ebenso wichtig wie ein geregeltes Management und staatliche Regelungen, um Aktionen und Maßnahmen zu koordinieren. In Niedersachsen werden Moore häufig durch landwirtschaftliche Nutzung zerstört, was große Auswirkungen auf Flora, Fauna und das Klima hat. Bisher wurden keine ausreichenden Lösungen gefunden, da finanzielle Gewinne den ökologischen Vorstellungen im Wege stehen. Gefordert sind deshalb staatliche Regelungen zum Schutz und eine koordinierte Flächenplanung.

Viele positive Beispiele für den Moorschutz finden sich in Niedersachsen. Hier wird seit vielen Jahren haupt- und ehrenamtlich Moorschutz betrieben. Verschiedene Einrichtungen und Aktionen bieten Umweltbildung an und setzen praktische Maßnahmen um. Auch beim Einkauf kann jeder Moore schützen: Die Verwendung torffreier Produkte im Garten, auf dem Balkon oder auf der Fensterbank setzt ein Zeichen gegen den Torfabbau!

Moorschutz muss auch politisch gewollt sein. Denn ohne staatliche Anreize wird der Schutz der Moore kaum flächendeckend umgesetzt werden können. Der BUND fordert daher, dass sich die Bundesregierung für EU-weite Regelungen einsetzt und auch auf nationaler Ebene den Torfabbau reduziert, beispielsweise durch eine CO2-Steuer auf Torfverbrauch.

Was machen Bund und Länder?

Der Moorschutz auf nationaler Ebene…

Im Jahre 2014 stellte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit das Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 auf, mit dem Ziel bis 2020 die Treibhausgasemissionen der Bundesrepublik um 40 % gegenüber 1990 zu vermindern, langfristig – bis 2050 – sogar um 80-95 % (Klimaschutzplan 2050). Das soll unter anderem durch angewandten Moorschutz geschehen, da eine reduzierte Torfnutzung laut der Bundesregierung erhebliches Potenzial bietet, Treibhausgasemissionen zu verringern.

Eine Möglichkeit zur Neubildung und zum Erhalt von Torfen sind Paludikulturen. Dabei werden intakte Moore bewirtschaftet, um Schilfröhrichte anzubauen und damit Dächer zu decken. Die Bundesregierung will eine Förderung solcher Maßnahmen prüfen. Zudem möchte sie Informations- und Beratungsmaßnahmen zu Torfersatzstoffen ausbauen, Vorgaben zur Verwendung von Torfersatzstoffen in den Vergaberichtlinien für öffentliche Aufträge im Garten- und Landschaftsbau umsetzen und Forschungsprogramme zu Torfalternativen auflegen. Grundsätzlich wird eine Bund-Länder-Vereinbarung zum Moorschutz angestrebt.

 

… und in Niedersachsen

Aus dem Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 und dem Koalitionsvertrag der rotgrünen Landesregierung ging im Mai 2016 das Programm „Niedersächsische Moorlandschaften“ hervor. Federführend ist das Umweltministerium in Abstimmung mit dem Landwirtschafts- und dem Wirtschaftsministerium. Das Programm stellt die Grundlage für das niedersächsische Moormanagement und einen intensiveren Moorschutz dar.

Die Umsetzung auf Landesebene soll durch die Niedersächsische Naturschutzstrategie erfolgen. Hier ist beispielweise eine landesweite Bestandsaufnahme von Arten und Biotopen geplant. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für eine Konzeption zu regionalen Biotopverbunden dienen.
Auf regionaler Ebene regelt die Landschaftsrahmenplanung, dass Managementkonzepte umgesetzt, Pufferzonen für Schutzgebiete abgesichert und interkommunale Kompensationsflächen ausgewiesen werden können. Auf Gemeindeebene sollen vor allem mit Hilfe des Flächennutzungsplans Moore als Kompensationsflächen ausgewiesen werden.

Die Umsetzung auf regionaler und kommunaler Ebene und der Wille der Verwaltungen werden maßgeblich daran beteiligt sein, wie die Ideen der Regierungen umgesetzt werden. Aktiver Moorschutz durch Haupt- und Ehrenamtlich aus den Naturschutzverbänden, Aktionsgruppen und Einrichtungen wird weiterhin eine wichtige und starke Rolle spielen. Der BUND wird sich auch künftig für den Schutz unserer Moore einsetzen, denn Moorschutz ist immer auch Klimaschutz.

Mehr Infos zum Moorschutz im Gesetz finden Sie hier.

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