Geplante Erdgasbohrungen in der Nordsee: BUND fordert Ablehnung im Bundesrat

18. Dezember 2025 | Energie (NI), Energiewende, Artenschutz (NI), Lebensräume, Meere, Umweltpolitik (NI), Erdgas (NI)

Mit Blick auf die anstehenden Beratungen im Bundesrat am 19. Dezember 2025 ruft der BUND Niedersachsen die Landesregierung eindringlich dazu auf, das sogenannte Unitarisierungsabkommen zwischen Deutschland und den Niederlanden abzulehnen. Der Gesetzentwurf würde eine unbegrenzte Anzahl neuer Erdgasbohrungen im deutsch-niederländischen Grenzgebiet ermöglichen – in unmittelbarer Nähe zum UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer und unter deutschen Meeresschutzgebieten.

Susanne Gerstner, Vorsitzende des BUND Niedersachsen: „Dieses Abkommen ist ein Angriff auf Klimaschutz, Naturschutz und die Rechte zukünftiger Generationen. Deutsche Genehmigungsbehörden werden durch das Abkommen in ihren Befugnissen an verschiedenen Stellen stark eingeschränkt. Deutschland verzichtet mit dem Pakt auf sein Recht, strengere Umweltstandards für das eigene Staatsgebiet durchzusetzen, und stellt so die eigene Souveränität und die Belange von Umwelt, Natur und Klimaschutz in Deutschland zugunsten eines niederländischen fossilen Konzerns zurück.“

Das Abkommen ist ein Blankoscheck für die Gasindustrie, so der BUND Niedersachsen, denn es ermöglicht nicht nur die umstrittene Bohrung des niederländischen Konzerns One Dyas vor Borkum, sondern öffnet die Tür für weitere Fördervorhaben. Mit verheerenden Folgen: 65 Millionen Tonnen zusätzliches CO₂ würden freigesetzt – bei einer Förderung, die weniger als 1 % des deutschen Jahresverbrauchs decken würde. 

Niedersachsen wäre vom Unitarisierungsabkommen besonders betroffen: Geplante Fördergebiete liegen direkt benachbart zum UNESCO-Weltnaturerbe und dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer sowie weiteren europäischen Schutzgebieten. Das Naturschutzgebiet „Borkum Riffgrund“ soll sogar direkt unterbohrt werden. Geschützte Arten wie der Schweinswal würden durch Lärm und die Einleitung von Schadstoffen bedroht, wertvolle Riffe zerstört. Mögliche Bodenabsenkungen bergen Risiken für den Küstenschutz, gleichzeitig gefährdet die Industrialisierung der Nordsee die Fischerei und den Tourismus – eine der wichtigsten Einnahmequellen der Region. 

Aufgrund der hohen Betroffenheit niedersächsischer Küstengewässer ist es umso unverständlicher, warum Ministerpräsident Olaf Lies eine Abschwächung des aktuellen Gesetzesentwurfs zum Schutz von Meeresgebieten fordert. Mit dem Gesetz soll das Bundesnaturschutzgesetz so geändert werden, dass unter Meeresschutzgebieten in der Ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands kein Öl oder Gas mehr gefördert werden darf. „Ein Ministerpräsident sollte sich nicht zum Interessenvertreter der ausländischen Gasindustrie machen“, so Gerstner.

Weitere Informationen: 
Erdgasförderung in der Nordsee

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