- Rücksicht nehmen beim Spaziergang im Wald
- Freilaufende Hauskatzen kastrieren als Beitrag zum Artenschutz
- Wildkatzengerechte Wälder und Wiesen gestalten
Berlin/Hannover. Zum Internationalen Tag der Katze ruft der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland dazu auf, sich für den Schutz der Europäischen Wildkatze (Felis silvestris) einzusetzen. Oft wird die Wildkatze mit der Hauskatze (Felis catus) verwechselt. Die Hauskatze ist mit einer deutschlandweiten Population von ungefähr 15,7 Millionen eines der beliebtesten Haustiere. Hinzu kommen weitere Millionen freilebende Straßenkatzen. Die Europäische Wildkatze ist jedoch eine eigenständige und stark gefährdete Art. Ursprünglich in ganz Deutschland heimisch, leben hierzulande heute etwa 6000 bis 8000 Tiere, schätzungsweise 800 davon in Niedersachsen. Hier kommt sie vor allem in Waldgebieten Südniedersachsens, wie Harz und Solling, vor und breitet sich langsam wieder in früheren Lebensräumen, wie Lüneburger Heide und Wendland, aus.
Andrea Krug, Wildkatzen-Expertin des BUND Niedersachsen: „Die Wildkatze ist im Gegensatz zur Hauskatze eine scheue Waldbewohnerin. Auf Veränderungen und Störungen ihres Lebensraums reagiert sie empfindlich. Insbesondere der Verlust und die Isolierung ihrer Lebensräume machen ihr zu schaffen. Darüber hinaus sind der Straßenverkehr, die genetische Vermischung mit Hauskatzen und unser aller Verhalten im Wald eine Gefahr für die Art.“
Um die Bestände der Wildkatze zu schützen, gibt der BUND Tipps an die Bevölkerung. Jede*r kann die Wildkatze durch ein rücksichtsvolles Verhalten im Wald schützen - insbesondere während der Zeit der Jungenaufzucht. Diese ist in der Regel im Frühjahr von März bis Mai und manchmal, wenn der Frühjahrswurf verloren geht, im Spätsommer von August bis September. Spaziergänger*innen können zum Schutz der Wildtiere beitragen, indem sie auf den Wegen bleiben und Hunde stets an der Leine führen. Falls sich ein graugetigertes Kätzchen zeigt, sollte bitte Abstand gehalten werden. Der BUND Niedersachsen gibt auf seiner Webseite Tipps, was in diesem Fall zu tun ist.
Durch Kastrierung von Hauskatzen Wildkatzenpopulationen schützen
Menschen, die Katzen beherbergen, können sich gezielt für den Erhalt der Verwandten ihrer Haustiere einsetzen. Paarungen von Haus- und Wildkatzen können die heimische Wildtierart gefährden. Deshalb ruft der BUND alle Besitzer*innen von Freigänger-Katzen dazu auf, ihre Tiere kastrieren zu lassen. So wird eine unkontrollierte Vermehrung vermieden und die Wildkatze behält ihre speziellen Anpassungen an ihren Lebensraum. Außerdem bleibt unerwünschten Jungtieren unnötiges Leid erspart.
Für Menschen, die Wald und Wiesen besitzen und/oder bewirtschaften, hat Krug ebenfalls Ratschläge: „Wildkatzen halten sich besonders gern an Waldrändern auf, die eine gewisse Vielfalt an Strauch- und Baumarten aufweisen. Diese Lebensräume sind in Niedersachsen aber vielerorts selten und gelten selbst als gefährdetes Biotop. Am Waldrand aufgeschichtete Reisighaufen und belassenes Totholz nutzt die Wildkatze gerne als Versteck und Ort für die Nahrungssuche. Im Idealfall führen Hecken in die Wiesenlandschaft hinein und erweitern den artenreichen Waldrand. Im Rahmen des Projekts „Wildkatzenwälder von morgen“ werten wir in Niedersachsen Waldrandbereiche auf, wovon natürlich auch zahllose weitere Tier- und Pflanzenarten profitieren.“
Hintergrund:
Im „Rettungsnetz Wildkatze“ engagieren sich neben dem BUND Niedersachsen zehn weitere BUND-Landesverbände, der BUND-Bundesverband und die BUNDjugend für den Schutz der Europäischen Wildkatze und ihrer Lebensräume. Damit decken sie das gesamte Verbreitungsgebiet der Art in Deutschland ab.
Das sechsjährige Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz und in Niedersachsen zusätzlich durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung gefördert. Die Aktivitäten des BUND und seiner Verbündeter zielen darauf ab, dass sich die Wildkatze verlorengegangene Lebensräume zurückerobern und wieder ausbreiten kann. Die Wildkatze steht dabei stellvertretend für viele andere Waldbewohner. Dort, wo sie sich wohlfühlt, sind die Bedingungen für viele Arten wie Luchs, Bechsteinfledermaus, Feuersalamander oder Mittelspecht optimal.
Weitere Informationen:
- Wildkatzen in Niedersachsen: www.bund-niedersachsen.de/themen/tiere-pflanzen/wildkatzen/
- Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“: www.bund-niedersachsen.de/wildkatzenwaelder
- Projekt „Vorsicht Wildkatze“: www.bund-niedersachsen.de/wildkatzen-verwechslungsgefahr
- Kostenloses BUND-Aktionspaket für BUND-Gruppen und Aktive unter www.bund.net/mitmachen/bundintern-2/aktionspakete/aktionspaket-wildkatze/
Pressefotos: Wildkatze
Bei Rückfragen:
BUND-Wildkatzen-Projekte in Niedersachsen: Andrea Krug, Tel. 0511 965 69 –39, Andrea.Krug(at)nds.bund.net
